56 | Stimmungsschwankungen | Blogroman

Das neue Kapitel ist da! Und ich freue mich riesig darüber. Es hat eine Weile gedauert, bis ich es fertigstellen konnte, aber das hatte ich ja angekündigt: ein Kapitel pro Monat an einem beliebigen Tag. Und heute ist dieser Tag. :)

Da das letzte Kapitel schon eine Weile her ist, hier eine kleine Zusammenfassung:

Dany leidet immer heftiger unter Panikattacken. Dennoch entschließt sie sich, selbst damit klarzukommen und sich erst einmal keine Hilfe zu suchen. Als sie sich in der Bibliothek aufhält, stößt Claudia zu ihr, mit der sie bis dahin Streit hatte. Es kommt zu einer Versöhnung der Beiden und Claudia schlägt vor, im SMV-Raum ein kleines Techtelmechtel einzulegen. Dany stimmt zu und ist erleichtert, dass der Streit beigelegt ist.

In Kürze findest du das neue Kapitel auch auf WattpadSweek und FanFiktion.de.

Hier kommst du zur Übersicht über alle bisher erschienen Kapitel, dem Klappentext und Hintergrundinfos zum Blogroman.

Jetzt viel Spaß mit Kapitel 56.

56. Kapitel: Stimmungsschwankungen

»Hilfst du mir, die Bücher zurückzustellen?«, frage ich Claudia. »Zusammen sind wir schneller.«
»Ach, lassen wir die Bücher einfach hier liegen. Frau Erler wird sie schon einsortieren, dafür wird sie schließlich bezahlt.« Claudia zuckt mit den Achseln und steht auf.
Ich bin nicht begeistert über diesen Vorschlag. Klar ist das Frau Erlers Job, aber man muss der Frau ja nicht unnötig Arbeit bescheren.
»Nein, ich möchte meine Bücher einräumen. Dann geh doch schon mal vor und dreh die Heizung hoch, damit es im SMV-Raum nicht zu kalt ist. Ich komme gleich nach.«
Widerwillig stimmt Claudia zu und verschwindet zwischen den Regalen.
Ich schnappe meinen Bücherstapel und mache mich an die Arbeit. Die Erleichterung, dass der Streit mit Claudia beigelegt ist, beschwingt mich dermaßen, dass ich leise ein Lied pfeife. In meinem Unterleib kribbelt es vor Vorfreude und ich weiß, dass Sex genau das ist, was ich jetzt will.

Der Bücherstapel nimmt ruckzuck ab und schließlich ist nur noch ein Lexikon über Schmetterlinge übrig. Ich hüpfe zum Biologie-Regal. In Gedanken bin ich schon bei Claudia, die sich langsam vor mir entblößt. Allein das macht mich dermaßen scharf, dass ich es nicht mehr länger hinauszögern will. Ich streiche mit dem Finger über die Buchrücken, bis ich den richtigen Platz des Lexikons finde und sortiere es ein. Dabei fällt mein Blick auf den Einband eines anderen Buches und ich erstarre. Es ist das Spinnenbuch, das ich vor einiger Zeit versehentlich in die Finger bekommen hatte. Sofort ist Uli wieder in meinen Gedanken. Uli, der mich neckt. Uli, der sich Sorgen um meine Hand macht. Uli, der von Anfang an zu mir gehalten hat.

Bam! Meine Stimmung sinkt in den Keller und eine eisige Kälte macht sich in mir breit. Uli ist mein bester Freund und jetzt in so einer doofen Situation. Wie kann ich ihm nur helfen? Mein Kiefer spannt sich an und ich bemerkte erst, wie fest ich auf die Zähne beiße, als sie knirschen. Ein Piepen in meiner Tasche lässt kurz Hoffnung in mir aufkeimen. Ich taste in meiner Tasche nach meinem Handy. Ist es Uli? Meldet er sich endlich wieder?

Zu meiner Enttäuschung ist es Claudia, die fragt, wo ich so lange bleibe. Ich schreibe ihr schnell zurück, dass ich auf dem Weg bin. Die Lust auf Sex ist komplett verflogen, als hätte jemand meine kunterbunte Seifenblase zum Platzen gebracht. Ich mache mich langsam auf den Weg, doch die ganze Zeit über grüble ich darüber nach, wie ich Uli helfen könnte. Ich würde ihn gerne bei meinen Eltern unterbringen. Die könnten gut auf ihn aufpassen. Aber wie soll er dorthin kommen? Er wohnt ja ganz woanders. Außerdem kennt er meine Eltern nicht und würde sicher niemals freiwillig bei fremden Leuten übernachten. Mal ganz zu schweigen davon, dass meine Eltern ihn auch nicht kennen. Ich müsste also dabei sein. Aber ich bin hier im Internat und habe bis Weihnachten keine Ferien mehr. Ich bin so am Grübeln, dass ich am SMV-Raum vorbeilaufe und es erst bemerke, als ich am Ende des Gangs angekommen bin. Vor mir liegt das Büro des Schulpsychologen. Die Tür steht offen und ich kann Herrn Wendt tippen hören.

Eine kleine Stimme in meinem Kopf flüstert: Geh rein! Erzähl ihm von Ulis Problemen, dann wird es dir bald besser gehen. Ich weiß, dass das das einzig Richtige wäre, aber mein Verstand wehrt sich dagegen. Ich habe Uli versprochen, sein Geheimnis für mich zu behalten. Doch auf der anderen Seite wollte er auch, dass ich ihm helfe. Ist es in diesem Fall okay, Herrn Wendt einzuweihen? Ich meine, der muss sich schließlich an seine Schweigepflicht halten, oder? Er wird es schon nicht im Lehrerzimmer herumerzählen. Ich mache einen weiteren Schritt aufs Zimmer zu und stehe nun direkt in der Tür. Herr Wendt sitzt am Schreibtisch und ist in seine Arbeit vertieft. Ich müsste mich nur räuspern oder an den Türrahmen klopfen, dann würde er sofort auf mich aufmerksam werden. Aber ich bin wie gelähmt. Mein ganzer Körper ist kalt, schwer und steif.
Okay, Dany, du zählst jetzt auf drei und dann machst du dich bemerkbar. Eins, zwei, drei. Ich hole tief Luft. Dann drehe ich mich auf dem Absatz um und will davonlaufen, doch genau in diesem Moment piept mein Handy.

Herr Wendt hört auf zu tippen.
»Hallo, Daniela! Was führt dich zu mir?« Er kommt lächelnd auf mich zu.
»Ich, ähm … nichts! I-ich hab mich wohl in der Tür geirrt. Wollte eigentlich ganz woanders hin.« Ich kichere hysterisch.
»Wo wolltest du denn hin?«
»Aufs Klo.«
Herr Wendt lacht auf. »Oh, da bist du am falschen Ende des Flurs.«
»Ja, hab ich auch gemerkt.« Ich lache schnell mit, um meine Unsicherheit zu überdecken.
»Mir kannst du nichts vormachen, Daniela. Du bist hier wegen der Panikattacke, richtig?«
Woher weiß er davon? Hat das etwa in der ganzen Schule die Runde gemacht? Oder hat Frau Zadek mit ihm gesprochen?
»Nein, mir geht’s gut. Wirklich. Das war sicher eine einmalige Sache, weil ich ein bisschen im Stress war.«
»Willst du nicht reinkommen und mir erzählen, was diesen Stress ausgelöst hat?«
»Das war ein Streit. Mit Claudia Enzminger. Aber wir haben uns vorhin versöhnt und jetzt muss ich auch zu ihr, wir wollten … etwas zusammen unternehmen.« So kann man es auch nennen.
Herr Wendt beäugt mich skeptisch, zuckt dann aber mit den Schultern und sagt: »Gut, wenn du dir sicher bist, dass es nur daran lag, dann möchte ich eurer Versöhnung natürlich nicht im Wege stehen.«
Ich bedanke mich viel zu überschwänglich, drehe mich um und haste so schnell ich kann zum SMV-Raum zurück.

»Da bist du ja endlich. Ich dachte schon, dir ist eines der Bücherregale auf den Kopf gefallen.« Claudia verzieht das Gesicht.
»Tut mir leid. Ich war–«
»Ist egal!« Sie kommt auf mich zu, schlingt ihre Arme um meinen Nacken und küsst mich leidenschaftlich. Ich gebe mich ihrem Kuss hin, versuche, ihn zu genießen. Doch meine Gedanken sind bei Uli und seinen Problemen.
Claudia lässt ihre Hände unter mein Oberteil gleiten, streichelt über meinen Bauch, meinen Rücken, meine Brüste.
»Gefällt dir das?«, flüstert sie.
»Ja.«
»Wieso stehst du dann wie angewurzelt da? Du darfst gerne auch aktiv werden.« Sie grinst und zwinkert mir zu, ehe sie den Kopf neigt und meinen Hals küsst.
Ich stöhne leise und hoffe, auf diese Weise erregt zu werden. Doch es funktioniert nicht.
Claudia streift mir das Oberteil über den Kopf und macht sich an meinem BH-Verschluss zu schaffen. Mit einem leisen Klicken öffnet sie ihn und will meine Brüste freilegen, als ich sie sanft von mir schiebe.
»Sorry, aber – ich kann das gerade nicht.«
Claudia zieht die Augenbrauen zusammen und ihre Lippen werden schmal. »Was ist? Bist du aus irgendeinem Grund sauer auf mich?«
»Nein, ich bin nur einfach nicht in Stimmung.«
»Aber eben in der Bibliothek hat sich das noch ganz anders angehört.«
»Ich weiß, aber ich habe es mir anders überlegt. Ich meine, sollten wir nach einem Streit wirklich sofort wieder bumsen? Das ist doch nicht richtig, oder?«
Claudia lacht laut auf. »Der Versöhnungssex ist doch das Beste an Streitereien.«
»Finde ich nicht.«
Claudia mustert mich einen Moment, dann nimmt sie meinen Kopf in die Hände und versucht, mich wieder zu küssen, doch ich weiche zurück.
»Verdammt, was ist los mit dir, Dany?«
»Ich habe keine Lust auf Sex. Nicht jetzt.«
»Ich kann dir helfen, Lust darauf zu bekommen.« Sie grinst schelmisch und macht sich an meinem Hosenknopf zu schaffen.
Ich schlage ihre Hände weg. »Ich habe Nein gesagt!«
Erschrocken macht Claudia einen Satz rückwärts. »Meine Güte, schrei doch nicht so.«
»Anders kapierst du es ja nicht.« Ich schließe meinen BH und ziehe mein Oberteil wieder an.
»Okay, okay. Du willst keinen Sex. Verstehe ich. Aber was ich nicht verstehe, ist, wie man von einem Moment auf den anderen die Meinung ändern kann. Ist irgendetwas vorgefallen? Oder habe ich etwas falsch gemacht? Schmollst du, weil ich dir nicht geholfen habe, die Bücher einzuräumen?«
»Nein, alles okay. Das hat nichts mit dir zu tun. Ich hab eben manchmal Stimmungsschwankungen.«
Claudia mustert mich skeptisch. »Seit wann?«
»Keine Ahnung.«
»Dany, ich merke doch, dass etwas nicht stimmt. Jetzt spuck es schon aus. Mir kannst du doch vertrauen.«
Ich will gerade etwas Ausweichendes antworten, als mein Herzschlag rapide ansteigt. Schwindel packt mich und ich taumle zu einem der Sessel.
»Bist du okay? Dany? Ach du Scheiße!« Claudia kann mich gerade noch packen, als meine Knie nachgeben und ich vor dem Sessel auf den Boden zu stürzen drohe. »Brauchst du einen Arzt? Soll ich Frau Zadek holen?«
»Nein, nein. Es geht schon wieder.« Claudia hilft mir, mich in den Sessel zu setzen. Ich lege den Kopf in den Nacken. Die Zimmerdecke dreht sich, als säße ich auf einem Karussell.
»Bitte, Dany. Sag mir, was hier vor sich geht. Ich mache mir Sorgen.«
Ich seufze. »Na schön. Ich habe Panikattacken. Also, gelegentlich. Ist aber nicht weiter schlimm.«
»Nicht weiter schlimm?« Claudias Stimme klingt schiller und höher als gewöhnlich. »Du wärst gerade beinahe zusammengeklappt. Ich hole jetzt Frau Zadek. Oder Herrn Wendt. Oder beide.« Claudia wendet sich zum Gehen, doch ich schnappe ihren Arm und halte sie fest.
»Bitte nicht. Ich will nicht so einen Wirbel drum machen.«
Sie hebt die Augenbrauen und kratzt sich am Kopf. »Okay, aber dann erzählst du mir, was dich so belastet, ja? Sonst hole ich die Beiden.«
Ich zögere einen Moment, dann nicke ich. »Einverstanden.«


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