52 | Schlaflose Nacht | Blogroman

Ein neues Kapitel ist daaaa!!! Und es gibt (mal wieder) was zu feiern: Ich habe die 80.000 Wörter in diesem Manuskript geknackt! :D Ich freue mich riesig darüber.

Momentan ist der Blogroman auch das einzige kreative Schreibprojekt, an dem ich arbeite. Ich habe zwar noch mein #ProjektNK, aber das habe ich erstmal auf Eis gelegt. Außerdem habe ich neulich eine neue Romanidee geträumt (ja, es gibt ganz selten tatsächlich mal Träume, die Sinn machen) und freue mich schon darauf, die Geschichte irgendwann mal zu schreiben. Aber das hat Zeit.

Im heutigen Kapitel ist Dany mit ihren Sorgen allein. In den letzten Kapiteln ist viel passiert, das muss sie jetzt verdauen. Gar nicht so einfach. Vor allem nicht, wenn ihr Handy die ganze Zeit surrt …

In Kürze findest du das neue Kapitel auch auf WattpadSweek und FanFiktion.de.

Hier kommst du zur Übersicht über alle bisher erschienen Kapitel, dem Klappentext und Hintergrundinfos zum Blogroman.

Nun ganz viel Spaß beim Lesen! :)

52. Kapitel: Schlaflose Nacht

»Ganz ehrlich? Dass Uli auf dich steht vermute ich schon länger.« Lis grinst und wackelt mit den Augenbrauen.
Ich schüttle den Kopf. »Nein, das kann nicht sein. Das ist ausgeschlossen.«
»Wie kannst du dir da so sicher sein?«, will Lis wissen.
»Glaub mir, ich bin mir sicher.« 
»Weischt du wasch, wasch wir nischt wischen?« May streckt den Kopf aus dem Bad, wo sie sich gerade die Zähne putzt.
»Kein Kommentar.« Ich schlüpfe in meinen Pyjama und schlage die Bettdecke zurück.
»Na los, spuck’s aus!« Lis löst ihre Zöpfe und fährt sich mit den Fingern durch das wellige Haar.
Ich krieche in mein Bett. »No way! Ich habe heute schon mal ein Geheimnis ausgeplaudert, das passiert mir nicht nochmal.«
»Hui, Uli und Dany haben Geheimnische«, ruft May aus dem Badezimmer und lacht.
Lis hingegen scheint eher angefressen als amüsiert zu sein. Sie steigt ebenfalls ins Bett und macht ihre Nachttischleuchte aus. 
Ich lasse meine Lampe brennen, damit May den Weg zum Bett findet, ohne irgendwo dagegenzulaufen.
Meine Gedanken kreisen die ganze Zeit um Uli und Claudia. Beide sind mir wichtig, beide scheinen mich zu mögen und beide habe ich heute verletzt. Wie gut, dass der Tag vorbei ist, damit nicht noch irgendein Unglück passieren kann. Ich schließe die Augen und atme tief und gleichmäßig, in der Hoffnung, mich zu entspannen. Einfach an nichts denken, den Kopf leer bekommen, das Gefühlschaos besänftigen. Aber das ist gar nicht so einfach. Ulis wutverzerrtes Gesicht taucht immer wieder vor meinem inneren Auge auf und mein Bauch fühlt sich an, als hätte sich mein Darm verknotet. Denk an deinen Atem, Dany! Ein – aus. Ein – aus.
Mein Handy vibriert kurz auf dem Nachttisch und ich zucke vor Schreck zusammen. Ich lasse die Augen zu, versuche die eingegangene Nachricht zu ignorieren, doch mit der Entspannung ist es vorbei. Soll ich nachsehen? Was, wenn mich die Nachricht nur noch mehr aufwühlt? Ich wehre mich innerlich gegen den Drang, mein Handy zu checken. Doch dieser Drang schwillt immer mehr an. Es tut förmlich weh und meine Muskeln verhärten sich am ganzen Körper. Schließlich gebe ich auf. Ich schnappe mein Smartphone und aktiviere das Display. Eine Nachricht von Uli! Mein Bauch grummelt und der Knoten zieht sich noch fester zusammen. So wie ich ihn heute erlebt habe, will ich gar nicht wissen, was er mir jetzt noch an den Kopf werfen möchte. Ohne die Nachricht zu lesen, lege ich das Handy zurück auf den Nachttisch.
»Du kannst das Licht ausmachen, Dany«, sagt May.
Erst jetzt bemerke ich, dass sie inzwischen in ihrem Bett liegt. Ich knipse die Lampe aus und drehe mich auf die Seite. 
»Schlaf gut, Dany«, flüstert May. »Auch wenn du gerade mächtig Stress hast, vergiss nicht, dass ich dich lieb habe.«
Ich muss lächeln. Damit habe ich nicht gerechnet. »Danke«, flüstere ich zurück. »Ich habe dich auch lieb.«
»Willst du noch ein bisschen reden?« 
Mein Herz wird ganz warm und ich merke, wie froh ich bin, May und Lis an meiner Seite zu wissen. »Das ist nett, aber ich bin müde.« Eine dreiste Lüge, aber ich möchte meine Probleme einfach nur vergessen, zumindest für heute Nacht. 
»Okay.« Mays Bett knarzt und ihre Decke raschelt. »Aber du weißt, dass du dich mir jederzeit anvertrauen kannst, ja?«
»Ja, danke. Das weiß ich zu schätzen.« Ich bin so gerührt, dass meine Stimme versagt. Es tut unglaublich gut, dass May und Lis in dieser schwierigen Situation zu mir stehen. Das gibt mir ein bisschen Hoffnung, dass vielleicht doch noch alles gut wird.
»Gute Nacht, Dany. Schlaf gut.«
»Du auch. Gute Nacht, May.« Ich drehe mich auf den Rücken und versuche erneut, mich zu entspannen. Doch ich kann nicht schlafen. Meine Gedanken laufen Amok. Die Angst vor dem, was Uli geschrieben haben könnte, wächst von Sekunde zu Sekunde. Bestimmt kündigt er mir die Freundschaft. Verstehen könnte ich es. Er war wie ausgewechselt gewesen und ich habe vorhin wirklich Angst bekommen, als er mich gegen die Wand gedrückt hat. Er ist sonst so ein guter Freund, aber meine Entscheidung für Claudia hat ihn zu einem anderen Menschen gemacht. Ich kann nur hoffen, dass er sich einkriegt und mir verzeiht, bis er wieder ins Internat kommt. Vielleicht tut uns der Abstand ja gut. Da haben wir beide Zeit, uns Gedanken zu machen, wie wir unsere Freundschaft retten können – falls er das überhaupt noch will.
Mein Handy brummt wieder. Auch ohne nachzusehen, weiß ich, dass Uli erneut geschrieben hat. Ein flaues Gefühl breitet sich in meiner Magengegend aus. Bestimmt lässt er seinen ganzen Frust raus. Oh Mann, ich habe als beste Freundin so versagt. Meine Augen werden feucht, doch ich reiße mich zusammen und schlucke den aufkommenden Heulkrampf hinunter. Ein Kloß in der Größe einer Orange sitzt in meiner Kehle und drückt unangenehm. Je länger ich gegen das Weinen ankämpfe, desto schmerzhafter wird es. Schließlich halte ich es nicht mehr aus, ziehe die Decke über den Kopf und lasse die Tränen fließen. Obwohl ich versuche, leise zu weinen, dröhnen meine Schluchzer in meinen Ohren. Ich kauere mich zusammen, ziehe die Knie an meinen Körper und schlinge meine Arme darum. Wie ein Embryo liege ich im Bett und wünsche mich in den Bauch meiner Mutter zurück – damals hatte ich wenigstens noch keine Probleme.
Plötzlich geht das Licht an. »Mensch, Dany! Wie soll man denn bei dem Krach schlafen?«, schimpft Lis und ich höre Schritte, die sich meinem Bett nähern.
Schnell wische ich mir die Augen trocken, strecke meine Beine wieder aus und schlüpfe unter der Decke hervor. »Tut mir leid. Ich wusste nicht, dass ihr mich hört.«
Lis‘ genervter Gesichtsausdruck weicht erst Verwunderung und dann Sorge. »Ach du Schande, du weinst ja!« Sie setzt sich auf meine Bettkante. »Was ist los mit dir?«
»Ich wollte dich mit meinem Geheule nicht aufwecken. Sorry!«
»Nein, nein, das hast du nicht. Dein Handy hat die ganze Zeit so laut gesurrt.«
»Oh!« Ich greife nach meinem Smartphone. Zwei Anrufe in Abwesenheit.
»Wer ruft dich denn um diese Uhrzeit noch an?«, will Lis wissen.
Ich senke den Kopf. »Uli.« Kaum habe ich seinen Namen ausgesprochen, vibriert mein Handy erneut. 
»Ist er das wieder?« Lis lugt auf mein Display. 
»Ja. Er ist sehr hartnäckig, wie mir scheint.«
»Willst du nicht rangehen? Vielleicht ist es wichtig.«
Ich schüttle den Kopf. »Ich habe Angst, dass er mich zur Schnecke macht.« Ich drücke den Anruf weg. Mir ist übel und ich atme tief durch, um mich zu beruhigen.
Lis lächelt mir aufmunternd zu und sagt: »Na, dann versuche, ein bisschen zu schlafen. Morgen 
sieht die Welt wieder ganz anders aus.« 
»Das hat meine Mutter auch immer gesagt«, bemerke ich. Mein Handy kündigt mit einem Brummen an, dass ich eine weitere Nachricht erhalten habe. Ich ignoriere es und rolle mich zusammen.
Lis kehrt in ihr Bett zurück und löscht das Licht. Wenig später höre ich gleichmäßige Atemzüge aus ihrem Bett. May scheint ebenfalls selig zu schlafen. Nur ich platze fast vor Anspannung. Verzweifelt versuche ich es mit Schäfchen zählen, doch das bringt überhaupt nichts. Im Gegenteil, die Schäfchen bekommen plötzlich Ulis Gesicht und blöken mich vorwurfsvoll an. Ich reiße die Augen auf. So geht das nicht weiter. Ich muss wissen, was Uli von mir will. Sind seine Nachrichten vernichtend, wird mir das vermutlich den Schlaf rauben, aber wenn ich sie ignoriere, kann ich auch nicht einschlafen. Von daher ist es eigentlich gehopst wie gesprungen. Ich schnappe mein Handy, entsperre es und öffne Ulis Nachrichten. Die erste lautet: »Dany! Können wir reden?« Hm, das klingt ja gar nicht nach Vorwurf. Ich bin ehrlich überrascht. Ich scrolle weiter zur zweiten Nachricht. »Bitte! Es ist wichtig!!!« Die drei Ausrufezeichen machen mir ein schlechtes Gewissen. Warum habe ich die Nachrichten nicht früher gelesen? Vielleicht wollte er sich nur entschuldigen. Ich muss ihm morgen unbedingt antworten. Jetzt fühle ich mich nicht in der Lage dazu. Ich bin völlig durch den Wind und brauche erstmal eine Mütze voll Schlaf. Die Anspannung fällt von mir ab und ich werde ruhiger. Die Freundschaft zwischen mir und Uli ist noch nicht dahin, wir können sie vielleicht wieder kitten. Alles wird gut! 
Die dritte Nachricht ist eine Benachrichtigung meiner Mailbox, dass Uli mir draufgesprochen hat. Erst will ich das Abhören auf morgen verschieben, aber dann siegt die Neugier. Mit dem Handy am Ohr ziehe ich mir wieder die Decke über den Kopf, um sicherzugehen, dass May und Lis nichts davon mitbekommen. Eine Computerstimme kündigt an, dass ich eine neue Nachricht habe und die Eins drücken soll, um sie abzuhören. Ich folge der Anweisung. Es piept, dann erklingt Ulis Stimme. Gehetzt. Weinerlich. Ja, sogar panisch. »Dany, ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Ich – du musst dafür sorgen, dass die mich wieder ins Internat lassen. Ich werde hier verrückt!« Es raschelt, etwas scheppert und dumpfes Gebrüll ist im Hintergrund zu hören. Uli senkt die Stimme und flüstert: »Hilf mir, Danny. Bitte!« Ein lautes Rumpeln ertönt, als wäre ihm das Handy aus der Hand gefallen. Das tiefe Brüllen wird lauter. Dann reißt die Verbindung ab.


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