51 | Murphys Gesetz | Blogroman

Tadaaa, ein frischgebackenes Kapitel ist da! Ich bin total begeistert, wie mein Blogroman wächst und wächst. Nur noch wenige hundert Wörter und ich knacke die 80.000-Wort-Marke. Das ist der absolute Hammer und ich freue mich auch riesig über die kleine treue Leserschaft, die mir immer wieder Rückmeldung gibt. Scheue dich nicht, mir dein Feedback in den Kommentaren dazulassen, egal ob Lob oder (konstruktive) Kritik.

Die arme Dany tut mir gerade total leid. Es herrscht dicke Luft und sie versucht, alles wieder geradezubiegen. Doch gelingt ihr das auch?

In Kürze findest du das neue Kapitel auch auf WattpadSweek und FanFiktion.de.

Hier kommst du zur Übersicht über alle bisher erschienen Kapitel, dem Klappentext und Hintergrundinfos zum Blogroman.

Nun ganz viel Spaß beim Lesen! :)

51. Kapitel | Murphys Gesetz

»Bitte, Claudia, du musst mir glauben. Ich dachte wirklich, dass du dich darüber freust.« Claudia hat mir den Hinterkopf zugewandt und starrt aus dem Fenster. Ihre Hände zittern und ich weiß nicht, wie oft ich mich auf dieser Fahrt schon entschuldigt habe. Wenn sie wenigstens etwas dazu sagen würde. Irgendwas. Doch sie straft mich mit Schweigen. Ich habe alles total vermasselt. Fieberhaft zerbreche ich mir den Kopf, was ich noch sagen könnte, um ihr zu zeigen, dass ich es nicht böse gemeint habe.
Claudia schnieft. Sie führt ihre linke Hand zu ihrem Gesicht und ich glaube, dass sie Tränen wegwischt. Ich atme tief ein und lasse die Luft geräuschvoll aus den Lungen strömen. Was habe ich mir nur dabei gedacht, Claudias Geheimnis weiterzutratschen? Ich bin so wütend auf Dr. Siepers gewesen, dass ich Claudias Gefühle völlig missachtet habe. Kein Wunder ist sie jetzt sauer. Das wäre ich an ihrer Stelle vermutlich auch.
Aber es ist nicht nur das. Ich habe auch das Gefühl, ein furchtbarer Mensch zu sein. Ich versaue es mir mit jedem. Sam ist bereits in die USA abgehauen, Uli wird vermutlich kein Wort mehr mit mir reden und Claudia ist jetzt auch angepisst. Bin ich so eine Egoistin? Das Schlimme daran ist, dass ich eigentlich immer nur das Beste für meine Freunde will. Aber je mehr ich versuche, das ganze Chaos in den Griff zu bekommen, desto mehr Fehler passieren. Ich muss das alles wieder gutmachen, nur wie?
Claudia schluchzt. Ein ziehender Schmerz breitet sich in meiner Brust aus. Langsam und vorsichtig hebe ich die Hand und berühre ihren Rücken, will sie streicheln, trösten. Doch sie schüttelt sich sofort und macht mir damit deutlich, das sie nicht von mir berührt werden möchte. Ich ziehe die Hand zurück und lege sie in meinen Schoß. Vielleicht ist es das Beste, wenn ich Claudia einfach mal Zeit lasse. Vielleicht verzeiht sie mir ja, wenn Gras über die Sache gewachsen ist.

Das Taxi parkt vor dem Internat und wir steigen aus. Es ist bereits dunkel. Der Pausenhof und das Gebäude sind in schummeriges Licht getaucht und abgesehen vom Zirpen der Grillen, das vom Waldrand herüberzieht, ist es still. Claudia schlägt die Autotür so fest zu, dass ich erschrocken zusammenzucke. Ich will etwas sagen, aber da hastet sie schon zielstrebig auf den Haupteingang zu. May und Lis sitzen auf der Außentreppe und springen auf, als sie mich sehen. Claudia rennt an ihnen vorbei und würdigt sie keines Blickes. Lis verzieht genervt das Gesicht und folgt dann May, die auf mich zu kommt.
»Dany, da bist du ja endlich«, ruft May und bleibt vor mir stehen. »Wo wart ihr denn so ewig? Wir haben uns schon Sorgen gemacht.«
»Wir mussten lange warten. Es war viel los im Krankenhaus.« Das ist zwar nicht die ganze Wahrheit, aber so halb. Mehr müssen meine Zimmergenossinnen nicht wissen.
»Wie geht’s deiner Hand? Alles okay?«, will Lis wissen.
»Ja, alles gut. Nur eine Prellung.«
»Gott sei Dank!« Lis schenkt mir ein schwaches Lächeln, das ich als eine Mischung aus Erleichterung und Mitleid deute. May hingegen kaut auf ihrer Unterlippe herum und schaut immer wieder zum Haupteingang. Da ist doch irgendwas im Busch!
»Was ist los?«, frage ich. »Wieso schaut ihr so komisch?«
»Na ja. Uli, er …« May kratzt sich an der Nase.
»Was ist mit Uli? Geht es ihm gut?« Ich schaue von May zu Lis, doch die beiden weichen meinem Blick aus. Mein ganzer Körper spannt sich an. »Mädels, bitte, raus mit der Sprache!«
Lis räuspert sich. »Er hat mal wieder Mist gebaut.«
»Mist? Was für Mist?« Mein Puls wird schneller. Wieso muss man den Beiden alles aus der Nase ziehen? Das macht mich verrückt!
»Er hat einen Fünftklässler verprügelt«, sagt May.
Das ist nicht gut. Das ist gar nicht gut. »Wieso das denn?«
»Keine Ahnung.« Lis zuckt mit den Schultern. »Er war schon beim Mittagessen total aggro.«
»Ich will dir nicht zu nahe treten, aber – hast du vielleicht etwas damit zu tun?« May trippelt von einem Fuß auf den anderen. »Ich meine, er wollte doch eigentlich mit dir ins Krankenhaus fahren, oder nicht?«
Ich schlucke. Ja, wollte er. Und ich habe ihn abgewiesen. Dass er so mies drauf war, ist ganz allein meine Schuld. »Was ist jetzt mit ihm?«, weiche ich Mays Frage aus.
»Er ist beim Direktor«, sagt Lis und es klingt wie ein Vorwurf. »Herr Machandel war ziemlich aufgebracht über den Vorfall. Es sieht nicht gut aus für Uli.«
Verdammt! Heute bringe ich wirklich jeden in Schwierigkeiten. Ich muss die Sache ausbügeln, bevor es zu spät ist. »Ich geh dann mal rein«, sage ich und setze mich in Bewegung.
»Was hast du vor?«, ruft mir May nach.
»Uli retten!«

Wenig später eile ich die Treppen hinauf zum Büro des Direktors. Wenn ich ihm klarmache, warum Uli so aggressiv war, bekommt er vielleicht eine milde Strafe. Ich muss es schaffen, das bin ich Uli schuldig. Meine Schuhsohlen quietschen auf dem Linoleumboden, als würde ich mit jedem Schritt einer Maus auf den Schwanz treten. Ich biege um die Ecke. Das Direktorenzimmer ist bereits in Sicht. Ich bin fast dort, als die Tür aufgeht und Uli herausstürmt. Seine Augen sind gerötet und seine Haut aschfahl. Als er mich bemerkt, verfinstert sich sein Gesichtsausdruck.
»Uli! Alles okay?«, rufe ich.
Er spannt den Kiefer an und wird ganz rot im Gesicht.
»Uli, bitte, es tut mir leid, was vorhin-«
»Verpiss dich einfach, Dany, okay?«, brüllt er.
Ich stelle mich ihm in den Weg. »Nein, Uli. Hör mir bitte zu. Ich wollte nicht, dass du Ärger kriegst. Ich wollte auch nicht, dass es dir schlecht geht. Ich mag dich doch.«
»Das hättest du dir früher überlegen sollen. Jetzt lass mich durch!«
Als ich nicht freiwillig zur Seite gehe, versucht er, mich wegzuschieben.
Scheiße, ich habe es mir mit ihm wirklich verdorben. Hilflos stammle ich eine Entschuldigung nach der anderen, doch das scheint Uli nur noch wütender zu machen.
»Es tut mir so schrecklich leid. Wenn ich irgendetwas für dich tun kann, dann sag es.«
Er schafft es, sich an mir vorbeizudrängen, doch ich renne ihm nach und bekomme ihn an der Kapuze seines Hoodies zu fassen. Böser Fehler! Uli dreht sich um, packt mich am Kragen und drückt mich rückwärts gegen die Wand. Sein Gesicht ist so verzerrt, dass es mich an Karnevalsfratzen erinnert.
»Fass mich nie wieder an, Dany, oder ich kann für nichts garantieren.«
Mir wird heiß und kalt gleichzeitig. Er drückt so fest gegen meinen Brustkorb, dass ich kaum Luft bekomme. Was ist nur aus dem lieben Uli geworden, mit dem mich eine enge Freundschaft verbunden hat? Ich habe ihn verletzt, ja, aber diese Reaktion ist doch vollkommen überzogen. Ich keuche, versuche, ihn wegzudrücken. Sein Gesicht ist meinem so nah, dass ich seinen hitzigen Atem auf meiner Wange spüren kann.
»Uli, lass mich los!«
»Erst, wenn du mir versprichst, mich in Zukunft in Ruhe zu lassen. Ich will nichts mehr mit dir oder deiner beschissenen Claudia zu tun haben, verstanden?«, zischt er und ein Spucketröpfchen landet auf meiner Nase.
Ich will etwas sagen, doch ich bekomme kein Wort heraus.
»Verstanden?«, fragt Uli lauter.
Ich nicke schnell. Im Moment will ich einfach nur, dass er mich loslässt. Sein Verhalten macht mir riesige Angst.
»Ulrich? Was tust du da?«, hallt plötzlich die Stimme des Direktors durch den Gang.
Sofort rückt Uli von mir weg und streicht sein Hemd glatt. »Nichts, Herr Machandel«, sagt er und setzt eine Unschuldsmiene auf.
Der Direktor zieht die Augenbrauen zusammen und fährt sich mit dem Zeigefinger über seinen Schnauzer. Der Mann erinnert mich immer ein bisschen an ein Walross. »Daniela, hat er dir etwas getan?«
»Nein, wir haben uns nur umarmt, weil – weil, es meiner Hand gut geht. Nur eine Prellung.« Ich grinse und winke mit der eingebundenen Hand.
Der Direktor mustert mich kritisch, ehe er sich wieder Uli zuwendet. »Was stehst du hier so rum? Du solltest packen. Dein Vater kann jeden Moment hier sein.«
Uli senkt den Kopf. Es scheint, als wolle er etwas sagen, nickt dann aber nur und geht.
»Wieso packen?«, frage ich verwirrt.
»Ulrich wird für zwei Wochen von der Schule ausgeschlossen.«
Ich reiße die Augen auf. »Was? Nein, das dürfen Sie ihm nicht antun, Herr Machandel. Er hat es doch nicht so gemeint.«
»Wie kann man eine Schlägerei nicht so meinen?« Der Direktor verschränkt die Arme und seine Gesichtszüge werden hart. »Abgesehen davon war das nicht das erste Mal, dass Ulrich handgreiflich geworden ist.«
Panik steigt in mir auf. Heute ist wirklich ein Scheißtag. Alles was schiefgehen kann, geht auch schief. Murphys Gesetz lässt grüßen. Ich muss den Direktor irgendwie überzeugen, seine Entscheidung rückgängig zu machen. »Es ist allein meine Schuld. Ich habe ihn enttäuscht und deshalb ist er so aggressiv geworden. Eigentlich ist er ein ganz lieber Kerl.«
»Du verteidigst ihn, obwohl er sich dir gegenüber gerade überhaupt nicht nett verhalten hat?«
»Ja, er war wohl wütend, weil er meinetwegen ausgeschlossen worden ist. Das ist doch nachvollziehbar. Er hat mich ja nicht verletzt oder so.«
Herrn Machandels Blick ruht auf mir. Schließlich sagt er: »Du musst ihn ziemlich mögen, so wie er dich ziemlich mag. Wenn er zurück ist, solltet ihr euch zusammensetzen und in Ruhe miteinander reden.«


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