50 | Konfrontation mit der Vergangenheit | Blogroman

Wuhuuu, heute haben wir etwas zu feiern: Das 50. Kapitel ist da!

Ich kann gar nicht glauben, dass ich schon so viele Kapitel zu „Freche Mädchen küssen besser“ verfasst habe. Insgesamt zählt die Geschichte bereits fast 77.700 Wörter. Wie dankbar ich doch bin, das Projekt letztes Jahr wieder aufgenommen zu haben. Es macht mir so viel Spaß und das Feedback, das ich bisher bekommen habe, hat mich enorm weitergebracht.

Deshalb: Wenn du Anregungen, Kritik oder natürlich auch gerne Lob hast, dann ab damit in die Kommentare. Alternativ kannst du mir auch gerne eine E-Mail schicken.

Im heutigen Kapitel treffen Claudia und Dr. Siepers nach vier Jahren wieder aufeinander. Wird die Konfrontation mit der Vergangenheit so laufen, wie Dany sich das erhofft?

Du findest das Kapitel in Kürze auf WattpadSweek und FanFiktion.de.

Du hast die vorherigen Kapitel noch nicht gelesen? Dann kommst du hier zur Übersicht.

Nun viel Spaß beim Weiterlesen!

50. Kapitel: Konfrontation mit der Vergangenheit

Auf dem Weg in die Cafeteria sprechen wir kein Wort. Dr. Siepers folgt mir mit ein paar Metern Abstand. Es ist offensichtlich, dass ihm die Sache unangenehm ist, aber das juckt mich nicht die Bohne. In meinem Inneren juble ich, denn ich habe meine Schüchternheit endlich einmal überwunden und einem Fremden meine Meinung ins Gesicht gesagt. Ich glaube, es war mir deshalb leichter gefallen, weil es dabei nicht um mich selbst ging, sondern einen Menschen, der mir wichtig ist. Und die Wut hat mich zusätzlich mutig gemacht. Ich beschleunige meine Schritte, denn ich kann das Zusammentreffen von Claudia und Dr. Siepers kaum erwarten. Claudia wird mir ewig dankbar dafür sein.

Bis auf einen alten Mann und den Barista ist Claudia allein. Sie hat den Kopf auf eine Hand gestützt und rührt in ihrer Tasse. Als sie mich sieht, lächelt sie und nimmt einen Schluck Kaffee.
Mein Herz klopft schneller und auf meinen Lippen breitet sich ein Grinsen aus. »Rate mal, wen ich-«, beginne ich, doch in diesem Moment biegt Dr. Siepers bereits um die Ecke.
Claudias Augen werden groß. Sie will nach Luft schnappen, verschluckt sich und spuckt den Kaffee in hohem Bogen aus. Ein paar Spritzer landen auf meiner Hose.
Erschrocken weiche ich zurück und hebe die Hände. »Langsam, langsam!«
Claudia hustet und röchelt, presst sich die Hand vor den Mund.
»Ich hab doch gesagt, dass das keine gute Idee ist«, bemerkt Dr. Siepers nüchtern und bleibt mit verschränkten Armen neben mir stehen.
Wegen des Hustens treten Claudia Tränen in die Augen. »Dany«, krächzt sie. »Was soll das? Was will der Kerl hier?«
»Du brauchst dir keine Sorgen zu machen«, sage ich mit einem breiten Lächeln. »Dr. Siepers ist nur mitgekommen, um sich zu entschuldigen.«
Claudia wischt sich die Augen trocken und räuspert sich mehrmals. Mir fällt auf, dass ihre Finger wieder zittern. Bestimmt ist sie aufgeregt. Ich sehe Dr. Siepers an und raune ihm zu: »Das ist der Moment, in dem Sie ihr sagen dürfen, dass es Ihnen Leid tut.«
Dr. Siepers verzieht das Gesicht, als hätte er versucht, sich mit Seife die Zähne zu putzen.
Claudia windet sich auf ihrem Stuhl. »Dany, ganz ehrlich, ich-«
»Warte, er soll es erst aussprechen«, unterbreche ich sie.
»Nein, ich-«, versucht es Claudia nochmal, doch ich hebe nur die Hand, und sie verstummt. Erwartungsvoll starre ich Dr. Siepers an, nicke ihm auffordernd zu.
Er seufzt, weicht meinem Blick aus. Ich glaube schon, dass er einen Rückzieher macht, als er plötzlich doch die Lippen auseinander bekommt. »Estutmirleid.«
»Was?«, fragen Claudia und ich gleichzeitig.
»Es. Tut. Mir. Leid.« Er streckt Claudia die Hand hin, doch diese ergreift sie nicht, weshalb er sie wieder unverrichteter Dinge zurückzieht.
»Sie müssen sich schon ein bisschen mehr bemühen«, sage ich. »Was genau tut Ihnen Leid?«
Er schließt einen Moment die Augen, atmet tief durch und sagt: »Es tut mir leid, dass ich dich einfach so abgegeben habe, Claudia. Ich war damals mit der Situation vollkommen überfordert.« Er schlägt die Lider auf und schaut mich an. »Ist das jetzt so in Ordnung?«
Ich wende mich Claudia zu. »Nimmst du die Entschuldigung an?«
Sie ist kreidebleich und zittert, als stünde sie unter Strom. Ihre Augen schwimmen. Es entlockt mir erneut ein Lächeln, sie so gerührt zu sehen. Ich fühle mich großartig, den Mut gehabt zu haben, zwischen den beiden zu vermitteln. Jetzt würde alles gut werden.
Claudia springt auf und stößt dabei ihre Tasse um. Der restliche Inhalt verteilt sich auf der Platte des kleinen, runden Tisches. »Wollt ihr mich eigentlich veräppeln?«, brüllt sie und funkelt mich wütend an.
Ich zucke zusammen. Meine inneren Alarmglocken schrillen. Da läuft etwas gewaltig schief! So habe ich mir die Sache nicht vorgestellt.
»Mir ging es wegen Ihres unsensiblen Verhaltens damals so verdammt schlecht. Ich habe mich selbst infrage gestellt, habe all die Schuld auf mich geladen. Dabei war ich einfach nur ein zerbrechliches Mädchen, das für einen Menschen schwärmte, der ihm endlich mal so etwas wie Geborgenheit vermittelt hatte. Dass Sie mich dermaßen abgewiesen haben, nur weil ich Sie mochte, können Sie mit ein paar daher gesagten Worten nicht wieder gutmachen.«
Dany an Hirn, bitte kommen! Wir haben ein Problem! Panisch schaue ich zu Dr. Siepers.
Sein Kiefer ist sichtbar angespannt und sein Blick huscht unruhig im Raum umher. Erst, als er bemerkt, dass ich ihn anstarre, bemüht er sich um einen neutralen Gesichtsausdruck. Er fährt sich durch die Haare, seufzt. »So habe ich das nie gesehen. Für mich war das eine Gefahr, meinen Job zu verlieren. Und das in einer ohnehin schwierigen Situation in meinem Leben. Ich konnte mir einen Jobverlust nicht leisten.«
»Aber mich fürs Leben zu zeichnen, das konnten Sie sich leisten?« Claudia ist knallrot, was ihr, zusammen mit ihren zerzausten Haaren, etwas Wildes, ja fast schon Unheimliches verleiht.
Dany an Hirn, Deeskalationsmodus starten! Am liebsten würde ich einfach davonlaufen, aber ich habe die Situation herbeigeführt, also muss ich sie auch wieder lösen.
»Dr. Siepers, vielleicht sollten Sie Claudia die genauen Gründe für Ihr Verhalten sagen. Sie erwähnten eben, dass auch Ihr Leben damals schwierig war. Was haben Sie damit gemeint?« Hoffnungsvoll klammere ich mich an dieses dünne Stück Treibholz mitten in einer stürmischen See der Gefühle. Vielleicht kann er Claudia damit ja beruhigen und sie ist nicht ganz so sauer auf mich.
Dr. Siepers fährt sich übers Kinn. »Na ja, also ich – ich, steckte mitten in einer Scheidung. Meine Frau wollte mich nach elf Jahren Ehe verlassen und unsere Tochter mitnehmen, die mein Ein und Alles war. Linda war damals in deinem Alter, aber leider hat sie sich auf die Seite ihrer Mutter gestellt. Das brach mir das Herz. Abgesehen davon, hatte ich die Scheidung zu finanzieren und-«
»Hören Sie auf!« Claudia wedelt mit den Händen in der Luft herum. »Ihre Frau und Ihre Tochter hatten ganz recht, Sie zu verlassen. Es interessiert mich einen feuchten Dreck, ob Sie private Probleme hatten. Sie haben Ihren Job nicht richtig gemacht und sich unprofessionell verhalten. Was wäre gewesen, wenn ich nochmal versucht hätte, mich umzubringen, hm? Wäre das leichter zu ertragen gewesen, als sich weiterhin mit mir auseinanderzusetzen? Sie hätten es mir wenigstens erklären können, anstatt mich einfach abzugeben.«
Dr. Siepers kratzt sich am Hinterkopf und sieht zu Boden. »Ich wollte nur, dass du dir keine falschen Hoffnungen machst«, murmelt er.
Claudia schnaubt. »Ich war zwar erst zwölf, aber nicht doof. Mir war schon bewusst, dass ein erwachsener Mann keine Romanze mit mir beginnen würde. Sie waren für mich einfach nur eine Vaterfigur, für die ich ein bisschen geschwärmt habe. Nicht mehr.« Claudia stellt die umgefallene Tasse auf den Unterteller zurück. Sie hat einen Sprung. »Und was dich betrifft, Dany – ich habe dir die Sache im Vertrauen erzählt. Ich dachte, du würdest sie für dich behalten. So kann man sich in Menschen täuschen.« Sie dreht sich um und geht mit der leeren Tasse auf die Theke zu.
Betreten starre ich auf meine Füße. Das war ja mal komplett schiefgelaufen. Ich hatte gedacht, ihr helfen zu können, doch in Wirklichkeit habe ich ihr Vertrauen gebrochen und sie mit meiner Aktion überrumpelt. Ich bin wirklich die mieseste Freundin, die man sich vorstellen kann. Erst vergraule ich Sam, jetzt auch noch Claudia.
Dr. Siepers räuspert sich. »Ähm, ich geh dann mal zurück in die Ambulanz.«
Ich sehe auf. »Ja, ich – tut mir leid, dass ich Sie in diese Situation gebracht habe.«
»Passt schon.« Er winkt ab und schüttelt den Kopf. »Du wirst daraus deine Lehre ziehen.« Als er sich zur Tür wendet, fügt er leise hinzu: »Und ich auch.«


<< Zum vorherigen Kapitel

Zum nächsten Kapitel >>

Hier kommst du zur Übersicht über alle bisher erschienen Kapitel, dem Klappentext und Hintergrundinfos zum Blogroman.

Achtung!

Beim Kommentieren dieses Beitrags werden Daten (z. B. Name, E-Mail, Website, IP-Adresse) erhoben und gespeichert. Mit dem Absenden deines Kommentars erklärst du dich mit der Datenschutzerklärung einverstanden.

5 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s