Traumprinz Förster | #WritingFriday

Heute mache ich wieder beim #WritingFriday von der lieben Elizzy von read books and fall in love mit. Bei dieser Mitmachaktion bekommt man jeden Monat fünf Schreibaufgaben an die Hand, aus denen man sich immer freitags eine aussuchen und darüber schreiben darf.

Pünktlich zum September gab es wieder neue Schreibthemen. Mein Thema heute:

Eine Kräuterhexe mixt einen besonderen Tee, für wen ist dieser und welche magische Wirkung hat er? Verpacke das Ganze in eine kleine Geschichte.

#WritingFriday 2020

Traumprinz Förster

„Ich sage dir, er oder keiner.“
„Ja, ja, die jungen Leute und die Liebe.“ Großmütterchen Hedwig kicherte und schielte über den Rand ihrer Brille zu ihrer verliebten Enkelin hinüber.
Margarete saß im Schneidersitz auf dem Teppich und hatte ihre Kristallkugel auf ihrem Schoß platziert. Darin beobachtete sie den Förster, der gerade sein Mittagessen kochte. Spaghetti mit Tomatensoße. Margarete seufzte. Was für ein Prachtkerl! Sie schloss die Augen und stellte sich vor, wie es wäre, ihn zu küssen. In ihrer Fantasie roch er nach Moos und Tannenzapfen. Sein Oberlippenbärtchen kitzelte ihr Gesicht, während seine Lippen sanft an den ihren knabberten. Ach, was würde sie dafür geben, das nur einmal wirklich zu erleben!

„Mag er dich denn auch?“, riss Großmütterchen Hedwig Margarete aus ihren Träumen.
Margarete seufzte wieder. Ihre Gedanken gingen zu jenem Tag zurück, als sie ihm zum ersten Mal begegnet war.

Großmütterchen Hedwig und sie hatten das kleine Waldhäuschen gerade erst bezogen, als sein Dackel sich in ihrem Kräutergarten verirrte. Verwundert über das Hundegebell war sie nach draußen gegangen, um nachzuschauen, was dort vor sich ging. Der Dackel war wohl einem Karnickel nachgerannt und schließlich mitten in ihrem Basilikum gelandet. Margarete versuchte, den Hund zu verscheuchen, als der Förster plötzlich neben ihr stand. Großgewachsen mit breiten Schultern und ernster Miene. Ein Blick aus seinen silbergrauen Augen und um Margarete war es geschehen! Tausend Babyspinnen stoben in ihrem Bauch auseinander und sie hatte das Gefühl, ein paar Zentimeter über den Boden zu schweben.
Er beäugte sie kritisch – oder wohl eher die gigantische Warze auf ihrer Nase – und rief seinen Dackel zu sich. „Max, komm her! Sofort!“
„Guten Tag, der Herr“, säuselte Margarete. „Was treibt einen so stattlichen Mann wie Sie in diese abgelegene Gegend?“
„Die Arbeit“, antwortete er knapp, leinte seinen Hund an und wandte sich zum Gehen.
„So warten Sie doch! Wollen Sie nicht hereinkommen? Ich habe frischen Pflaumenkuchen gebacken.“
„Ich mag keine Pflaumen. Davon bekomme ich Sodbrennen.“
„Aber ein Tässchen Tee vertragen Sie doch, oder? Ich mache den Tee selbst. Er ist ziemlich gut und-„
„Ich habe keine Zeit!“, brummte der Förster. „Ich muss weiter.“
„Ich will Sie doch nur kennenlernen“, rief Margarete ihm verzweifelt nach, doch da war er schon zwischen den Bäumen verschwunden.

Seit diesem Tag beobachtete sie ihn durch ihre Kristallkugel. Sie kannte seinen ganzen Tagesablauf, wusste, was er morgens um Frühstück aß und wann er abends zu Bett ging. Wenn er sich im Wald aufhielt, schlich sie ihm manchmal heimlich nach, nur um ihm nah zu sein. Sie würde alles für eine Nacht mit ihm geben. Doch er hatte kein Interesse an ihr. Es war aussichtslos, doch Margarete wollte sich nicht geschlagen geben. Sie liebte ihn und wusste, dass er sie ebenfalls lieben würde, wenn er sie nur richtig kennenlernte. Sie war noch jung und – bis auf die Warze auf ihrer Nase – ganz hübsch anzusehen. Außerdem hatte sie Charme, Humor und einen Einser-Abschluss von der Hexenakademie.

„Ja, ich glaube, er mag mich auch“, beantwortete Margarete schließlich die Frage ihres Großmütterchens. „Er weiß es nur noch nicht.“

Großmütterchen Hedwig stöhnte. „Ach Kind, weißt du, die Liebe kann man nicht erzwingen. Wenn der gute Mann nicht weiß, dass er dich liebt, dann tut er es vermutlich auch nicht.“

Margarete ballte die Hände zu Fäusten und biss sich so fest auf die Unterlippe, dass sie Blut schmeckte. Er musste sie einfach lieben und wenn nicht, würde sie ihm mit einem Liebestrank auf die Sprünge helfen. Sie wusste, wie man so etwas braute. Doch was sie nicht wusste, war, wie sie ihn dazu bringen sollte, den Trank zu trinken. Sie könnte ihn als Tee tarnen, doch würde er sich darauf einlassen? Das letzte Mal, als sie ihm einen Tee angeboten hatte, ließ er sie einfach im Garten stehen.
Sie erhob sich. „Ich muss nachdenken.“ Margarete trottete mit ihrer Kugel von dannen.

Wenig später hastete Margarete in ihrem Hexenlabor auf und ab. Nachdenken funktionierte am besten, wenn sie sich bewegte. Doch sie konnte noch so lange hin- und her rennen, heute wollte ihr einfach nichts einfallen. Um sich inspirieren zu lassen, nahm sie das dicke Hexenbuch aus dem Regal und schlug es auf. Sie blätterte eine Weile darin herum, doch sie fand die erhoffte Lösung nicht.

Die uralte Standuhr schlug zweimal. Margarete horchte auf. Um diese Zeit war der Förster immer im Wald unterwegs. Sie ging zu ihrer Kristallkugel, beugte sich darüber und berührte sie mit den Fingerspitzen. Nebel leuchtete auf, wabernd und dicht. Als das Bild klar wurde, sah sie, dass der Förster ganz in ihrer Nähe war. Wenn sie sich beeilte, konnte sie ihn abfangen. Flugs verließ sie ihr Hexenlabor und rannte zur Tür.

„Wohin denn so eilig?“, fragte Großmütterchen Hedwig und sah von ihrem Strickzeug auf.
„Den Förster verführen!“
„Wie willst du das denn machen?“
„Das weiß ich selbst noch nicht.“ Margarete riss die Haustür auf und stürzte hinaus. Großmütterchen Hedwig rief ihr noch irgendetwas hinterher, doch das verstand Margarete schon gar nicht mehr.

Während sie den schmalen Waldpfad entlang eilte, zerbrach sie sich den Kopf, was sie zu dem Förster sagen könnte, um ihn in ihr Haus zu locken. Ihr Herz schlug wild in ihrer Brust und mit jedem Schritt fühlte sie sich unsicherer.

Der Knall eines Schusses ließ sie zusammenzucken. Er musste ganz in ihrer Nähe sein. Margarete blieb stehen und lauschte. Kläffte da ein Hund? Sie folgte ihrem feinen Gehör quer durch den Wald. Zweige verfingen sich in ihren feuerroten Locken und sie stolperte über Wurzeln und Baumstümpfe. Schließlich erreichte sie eine Lichtung. Der Förster kniete über ein totes Reh gebeugt am Boden. Sie verlangsamte ihre Schritte, zog sich an den Waldrand zurück und ging hinter einem Baum in Deckung. Was sollte sie jetzt tun? Ihn einfach anquatschen? Aber was, wenn er wieder Reißaus nahm?

Ein paar Stechmücken schwirrten ihr um den Kopf, setzten sich auf ihre nackten Arme und Beine und piesackten sie. Margarete schlug um sich, versuchte, die Insekten zu vertreiben. Sie hasste den Sommer. Warum konnte es nicht kalt sein? Dann würden diese Mistviecher sie nicht belästigen.

„Moment mal!“ Margarete hielt inne. Das war die Lösung! Sie starrte in den azurblauen Himmel empor und ein teuflisches Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Leise murmelte sie einen Hexspruch und schnippte dreimal mit den Fingern. Dann nahm sie all ihren Mut zusammen und trat auf die Lichtung.

Der Hund bemerkte sie als erstes und kam bellend auf sie zu gerannt. Hechelnd schnüffelte er an ihren Beinen und Füßen.
„Grüß Gott!“, rief Margarete dem Förster zu und ihre Stimme zitterte leicht. „Wie schön, Sie an diesem wunderbaren Tag wiederzusehen.“
Der Mann drehte den Kopf in ihre Richtung und kniff die Augen zusammen. „Ach, die Kräuterhexe“, murmelte er und hob kurz grüßend die Hand.
„Ein stolzes Reh haben Sie da geschossen. Das gibt bestimmt einen Festtagsbraten.“
„Wohl kaum“, brummte der Förster. „Das Tier war krank.“
„Verstehe.“ Margarete verstummte und überlegte fieberhaft, was sie als nächstes sagen könnte. Immer wieder schaute sie zum Himmel empor, doch bis auf ein paar Wattewolken war keine Änderung in Sicht. Hatte der Hexspruch nicht funktioniert?
„Ich war hier gerade in der Gegend und da habe ich Sie bemerkt“, plapperte Margarete weiter. „Ich dachte, wir könnten vielleicht ein bisschen plaudern und uns kennenlernen.“
Der Jäger reagierte nicht auf sie und hatte nur Augen für das tote Reh.
„Schönes Wetter heute, nicht wahr? Es ist eigentlich viel zu trocken. Ich habe Angst, dass wir einen Waldbrand kriegen“, sagte Margarete und wurde sich gleich darauf bewusst, was für einen Blödsinn sie da von sich gab. Doch wovon sollte sie sonst reden? Sie war einfach nicht für Smalltalk gemacht.

Just in dem Moment traf ein Regentropfen ihre Nasenspitze.
Der Förster schien ebenfalls einen abbekommen zu haben. Er stand auf und pfiff nach seinem Hund. „Komm, Max. Machen wir uns auf den Rückweg. Die Ricke können die Wölfe haben.“
„Hier gibt es Wölfe?“ Margarete runzelte die Stirn.
„Ja, gehen Sie besser nach Hause. Nicht, dass Sie noch angegriffen werden.“
„Wollen Sie nicht mitkommen?“
„Wohin?“
„Na, zu mir nach Hause.“
Der Förster runzelte die Stirn und fuhr über seinen Bürstenschnitt. „Nein, danke. Ich habe ein eigenes Haus.“
„Aber es fängt an zu regnen und mein Haus ist gleich dort vorne um die Ecke. Wir könnten gemütlich einen Tee trinken und …“
„Wieso lassen Sie mich nicht einfach in Ruhe? Ich habe weder Zeit, noch Lust auf ein Teekränzchen mit einer-“
Weiter kam er nicht, denn von einem Moment auf den anderen schüttete es, als hätte Petrus die Himmelsschleusen geöffnet. Donner grollte und immer wieder zuckten Blitze über den pechschwarzen Himmel. Ein Sturm kam auf, fegte über die Lichtung und brachte die Bäume zum Schwanken.
„So eine Scheiße. Wir sollten bei dem Wetter nicht im Wald sein.“ In seinen silbergrauen Augen war plötzlich Furcht zu erkennen und der Dackel spielte vollkommen verrückt.
„Kommen Sie, das Waldhaus ist nicht weit. Ich will Ihnen nur helfen“, versuchte es Margarete erneut.
Der Förster sah in die Richtung der Stadt, zwischen der ein kompletter Wald lag, und dann in die des Waldhäuschens, dessen dunkelrotes Dach hinter ein paar Bäumen zu erkennen war. „Gut“, willigte er schließlich ein. „Aber nur, bis das Unwetter weitergezogen ist.“
Margaretes Herz machte einen Salto. „Natürlich“, rief sie durch den Regen. „Sie werden es nicht bereuen.“

„Ach herrje, wie seht ihr denn aus?“ Großmütterchen Hedwig schlug die Hände über dem Kopf zusammen, als Margarete mit dem Förster und seinem Dackel das Waldhaus betrat. Die nassen Klamotten klebten den beiden am Körper und ihre Haare tropften. Der Hund schüttelte sich, was dem Großmütterchen ein amüsiertes Quieken entlockte, und machte es sich auf dem Teppich bequem.
„Wollen Sie sich frisch machen?“, fragte Margarete den Förster. „Das Bad ist dort.“ Sie deutete auf die Tür links neben der ihres Hexenlabors.
„Ja … das ist wohl nötig. Danke.“ Der Förster nickte ihr zu und verschwand im Badezimmer. Kurz darauf war Wasserrauschen zu hören.
„Ich würde ihn so gerne dabei beobachten“, bemerkte Margarete mit verträumtem Blick.
„Wage es nicht!“, rief Großmütterchen Hedwig entsetzt. „Der Mann braucht seine Privatsphäre. Schlimm genug, dass du ihn hierher gelockt hast. Das mit dem Unwetter warst doch du, oder?“
„Schuldig!“ Mit einem frechen Grinsen huschte Margarete in die Küche. Es war Zeit, den Liebestee zuzubereiten.

Während sie den Tee aufbrühte, summte sie ein Lied. Sie war bestens gelaunt, denn sie war sich sicher: Heute würde sie endlich bekommen, wonach sie sich schon so lange sehnte. Sie öffnete die Keksdose und platzierte ein paar Schokoladencookies auf einem Teller. Als sie hörte, wie die Badezimmertür ins Schloss fiel und die Stimme des Försters erklang, schnappte sie die Teekanne, eine Tasse und die Cookies und kehrte in die Wohnstube zurück. Der Anblick des Försters raubte ihr den Atem. Oberkörperfrei und nur mit einem Handtuch um die Lenden gewickelt stand er am Ofen und hängte seine nasse Kleidung über die Lehnen der Stühle, die er davor gerückt hatte. Margaretes Blick wanderte über seine behaarte Brust bis zu dem leicht gewölbten Bäuchlein. Er war eine Augenweide! Beinahe hätte sie die Kanne und das Geschirr fallen lassen, doch sie konnte sich gerade noch beherrschen. Zitternd stellte sie die Sachen auf dem Tisch ab. Ihre Wangen glühten wie die Holzscheite im Ofen.
„Ich – ich habe Ihnen einen Tee gemacht. Zum Aufwärmen. Ich hoffe, Sie mögen Kräutertee. Ich war mir nicht sicher, ob Sie lieber Früchtetee mögen oder vielleicht Schwarztee, aber ich -„
„Der Tee riecht köstlich. Danke.“ Der Förster lächelte. Er lächelte! Zum ersten Mal sah sie ihn lächeln! Ihr Herz machte einen Salto mortale.
Der Förster setzte sich an den Tisch und goss sich Tee ein. Er führte das dampfende Getränk zu seinen Lippen, pustete und nahm einen Schluck.
Margaretes Anspannung stieg. Der Liebestee war dafür bekannt, schnell zu wirken. Es konnte sich nur noch um Minuten handeln, bis der Förster sich in sie verliebte. Und dann würde sie ihn mit in ihr Schlafzimmer nehmen und … Sie schluckte. Sie war überhaupt nicht dafür vorbereitet! Sie sollte sich ebenfalls kurz unter die Brause stellen und ihre Haare waschen. Und das eine oder andere Körperhaar entfernen. Und Make-up auftragen. Und …
„Ich muss schnell ins Bad!“, rief Margarete und verließ fluchtartig das Wohnzimmer.

Sie sprang unter die Dusche, rasierte sich, wusch ihre Haare und machte sich zurecht. Um ihn besonders heiß zu machen, wickelte sie ebenfalls nur ein Handtuch um ihren Körper, allerdings so, dass sowohl der Schambereich, als auch ihre Brüste bedeckt waren. Mit klopfendem Herzen stand sie vor dem Spiegel und betrachtete ihr Gesicht. Sie sah schön aus. Sie hatte sich noch nie so schön gefühlt. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen und sie atmete tief durch. „Waidmannsheil, Frau Försterin! Die Jagd ist eröffnet.“

Aus dem Wohnzimmer war ein leises Kichern zu hören. Sie drückte die Klinke hinunter und trat aus dem Bad. „Ich bin jetzt fertig und wir können-“ Sie blieb wie angewurzelt stehen und der Mund klappte ihr auf.

Der Förster saß freudestrahlend auf dem Sofa, Großmütterchen Hedwig auf seinem Schoß. Er drückte ihr ein Küsschen auf die Wange und rief: „Margarete, wie gut, dass du kommst. Wir haben uns gerade verlobt!“


Du möchtest mehr von mir lesen? Hier findest du alle meine Beiträge zum #WritingFriday.

Achtung!

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