46. Hochansteckend | Blogroman

Freche Mädchen küssen besser YA Young Adult Lesbian Romance Blogroman von Emma Escamilla

So, jetzt habe ich doch meine Meinung geändert. :D Ich habe ja letzte Woche angekündigt, dass jetzt drei Wochen lang kein neues Kapitel kommen wird. Da das eine ziemlich lange Zeit ist, habe ich kurzerhand beschlossen, bereits diese Woche das neue Kapitel hochzuladen, das eigentlich am 5. August (an dem ich ja nicht kann) dran gewesen wäre. Danach geht es wieder im Zwei-Wochen-Rhythmus weiter. Also gibt es jetzt anstatt einer langen Pause, ausnahmsweise zwei Kapitel in aufeinanderfolgenden Wochen.

Ich habe in letzter Zeit wieder sehr fleißig am Blogroman geschrieben (musste beim Camp NaNoWriMo dringend Wörter aufholen, haha). Es hat mir viel Spaß gemacht und ich bin gut weitergekommen. Die Rohfassungen bestehen jetzt bis zum 48. Kapitel. Ich finde es ganz gut, ein bisschen Puffer zu haben, vielleicht schaffe ich es dann irgendwann, wieder pünktlich zu posten. :D

Lob, Kritik, Fragen und Anmerkungen sind in den Kommentaren gerne gesehen. Scheue dich also nicht, mir Feedback zu geben. Ich antworte in der Regel auch darauf.

Du findest das Kapitel in Kürze auf WattpadSweek und FanFiktion.de.

Du hast die vorherigen Kapitel noch nicht gelesen? Dann kommst du hier zur Übersicht.

Nun viel Spaß beim Weiterlesen!

48. Kapitel: Hochansteckend

Ein Husten ertönt aus der Nachbarkabine. Ein hässliches, keuchendes Husten. Ich bekomme so einen Schreck, dass mir das Handy aus den feuchten Fingern gleitet und unten durch den Spalt in Claudias Kabine rutscht. Scheiße! Was ist los mit Claudia? Wieso hustet sie so komisch?
»Och, da ist aber jemand erkältet!«, bemerkt Oma Ingrid und gackert über ihren unlustigen Kommentar. Mir ist eher zum Heulen. Wieso erkältet? Claudia hat vorhin noch keine Krankheitssymptome gezeigt. Liegt es daran, dass sie keine Jacke getragen hat? Hat sie sich eine Lungenentzündung eingefangen?
»Claudia?«, flüstere ich, doch ich werde von einem erneuten Hustenanfall übertönt. Ich bin so durchgeschwitzt, dass mein Oberteil mir am Körper klebt. Gleichzeitig fröstle ich. Die Unwissenheit macht mich wahnsinnig. Wenn wir diese Sache hier überstehen, kann man mich anschließend geradewegs in die psychiatrische Abteilung einweisen.
»Dany?«, krächzt Claudia matt und beim Klang ihrer Stimme zucke ich zusammen. »Dany, bist du hier?«
»Ja, ich bin hier. Mensch, was ist los mit dir?« Meine Stimme zittert vor Angst und Aufregung.
»Ah, dann haben wir die vermisste Claudia ja gefunden. Ich sage ja immer, das Haus verliert nichts. Auch keine Menschen. Die schon erst recht nicht. Ich meine, wir sind ja in der Lage zu denken und-« Ein erneutes Husten und Schnappen nach Luft bringt Ingrid für einen Moment zum Schweigen.
»Geh besser, Dany.« Claudias Stimme ist nicht mehr als ein Keuchen.
»Natürlich nicht«, sage ich sofort. »Nicht bevor du mir gesagt hast, was mit dir lo-«
»Der Arzt war gerade bei mir. Es ist eine tückische Krankheit, hochansteckend. Es beginnt mit ein bisschen Halskratzen und dann, schwuppdiwupp, bekommst du keine Luft mehr, hustet nur noch Blut und erstickst irgendwann an deinen eigenen Körpersäften.«
»Was?«, rufe ich entsetzt. Panik ergreift mich und lässt mich an meine eigene Kehle fassen. Ich bekomme selbst Atemnot bei dem, was Claudia da beschreibt.
»Wie gesagt, es ist hochansteckend. Ich verteile die Viren beim Husten, deshalb geh bes-« Sie hustet wieder. »So viel Blut.«
Tränen steigen mir in die Augen. Meine ganze Welt steht plötzlich Kopf und ich bereue es bitter, dass ich vorhin noch schlecht über Claudia gedacht habe.
»Ich … ähm, geh dann mal. Schönen Tag noch«, verkündet Ingrid. Schritte entfernen sich und die Tür fällt ins Schloss.
Aus Claudias Kabine kommt ein Seufzen. »Endlich ist die alte Schachtel weg«, bemerkt sie mit völlig normaler Stimme.
Es dauert ein paar Sekunden, bis bei mir der Groschen fällt. »Moment mal!« Gefühlt mein gesamtes Blut schießt mir in den Kopf. »Du hast den Blödsinn nur erzählt, damit die Frau verschwindet?«
»Natürlich, was dachtest du denn? Hier dein Handy.« Mit einem schleifenden Geräusch schubst Claudia mein Smartphone in meine Kabine. Ich hebe es auf, stecke es in die Tasche und verlasse die Klokabine. Ich poche mit der Faust gegen die rechte Tür. »Komm raus, sofort!«
»Besser nicht. Du klingst, als wolltest du mir den Kopf abreißen.«
»Da liegst du richtig. Ich werde dir den Kopf abreißen und das Klo hinunterspülen.«
»Toll. Dann müssen die den Klempner holen.«
»Mach jetzt keine Witze!«, brülle ich.
»Bist du jetzt sauer oder was?«
»Oh ja, ich bin sauer. Stinksauer. Ich habe gerade gedacht, du bist ernsthaft krank. Ich habe mir verdammte Sorgen gemacht. Dabei hast du mich nur verarscht.«
»Sei lieber froh, dass ich die Alte verjagt habe. Ich habe schon gedacht, die schlägt hier Wurzeln.«
Ich beiße so fest die Zähne zusammen, dass mein Kiefer schmerzt. Wieder poche ich gegen die Tür, diesmal lauter. »Du bist so eine egoistische, eingebildete Kuh! Hast du auch nur einen Moment daran gedacht, wie ich mich dabei fühle?«
Mit einem Klacken schließt Claudia die Kabine auf und öffnet die Tür. »Nein, habe ich ehrlich gesagt nicht«, sagt sie. »Du hast ja keine Anstalten gemacht, den blubbernden Tattergreis loszuwerden. Hast du eine Ahnung, wie ich mich dabei gefühlt habe?«
»Scheiße, wie siehst du denn aus?«
Claudias Haar ist zerwühlt und klebt ihr in der Stirn. Schwarze Streifen zerflossener Wimperntusche verteilen sich über ihr fahles Gesicht und ihre Augen sind gerötet, als hätte sie stundenlang darin herumgerieben.
Sie schiebt mich auf die Seite und tritt ans Waschbecken. »Wie eine Vogelscheuche«, beantwortet sie meine Frage.
Ich schlucke, muss alles, was da gerade geschieht, erst einmal gedanklich ordnen. Claudia geht es offensichtlich schlecht. Trotzdem hat sie erfunden, dass sie schwerkrank sei und mir damit einen Heidenschrecken eingejagt, nur um die quatschende Oma zu vertreiben. Und sie wälzt mal wieder die Schuld auf mich ab. Ich bin wütend, verletzt und besorgt zugleich.
Claudia beugt sich über das Waschbecken und spritzt sich Wasser ins Gesicht. Sie tupft es mit ihrem Ärmel trocken und rubbelt an der zerlaufenen Schminke herum. Rote Flecken bilden sich auf ihrer Haut. Ihre Bluse ist unter den Achseln nass, dabei hat sie vorhin doch noch gezittert und gefroren. Aber weinen bringt einen bekanntlich zum Schwitzen. Weil ich meine Mutter vermisste, habe ich im Kindergarten einmal so sehr geweint dass ich Fieber bekam. Die Erzieherin musste mich daraufhin abholen lassen.
»Kannst du mir jetzt endlich sagen, was mit dir los ist?«, versuche ich es zum gefühlt hundertsten Mal. »Hat es irgendetwas mit diesem Krankenhaus zu tun?«
»Nicht direkt.« Claudia fährt sich mit den Fingern durch die Haare und ordnet ihren Scheitel. »Es sind Krankenhäuser generell, weißt du?«
»Du hast Angst vor Krankenhäusern? Das ist alles?«
Sie hält einen Moment inne und schaut mich böse an. »Hast du vor gar nichts Angst?«
»Doch. Spinnen und so«, gebe ich kleinlaut zu.
»Siehst du?« Claudia widmet sich wieder ihrer Frisur. »So wie du dich fühlst, wenn du eine Spinne entdeckst, fühle ich mich, wenn ich ein Krankenhaus betrete.«
»Na ja, aber wieso bist du dann mitgekommen? Ich habe mich deshalb sogar mit Uli gestritten. Er hätte mich doch einfach begleiten könnten, wenn du eine Krankenhausphobie hast.«
»Gehst du nie in den Keller? Obwohl du genau weißt, dass da Spinnen sitzen?«
»Nur wenn es sich nicht vermeiden lässt.«
»Genauso geht es mir auch. Und es war mir wichtig, dass wir reden und unseren Streit beilegen. Deshalb bin ich mitgekommen.«
»Aber wir hätten doch auch später reden können. Ich will doch nicht, dass du dich für mich opferst und dann total in Panik gerätst und dich heulend auf der Toilette einschließt.«
Claudia kaut auf ihrer Oberlippe herum. »Naja, das war noch nicht alles. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich – ihn wiedersehe.«
»Ihn?« Ich runzle die Stirn. Wir waren doch gar keinem Typen in unserem Alter begegnet. Oder saß da einer im Wartezimmer, den sie kannte? Ich versuchte, mich an die anderen Patienten zu erinnern, doch es kommt mir keiner in den Sinn, der Claudias Beuteschema entsprechen könnte.
»Na ja …« Claudia wirft einen letzten prüfenden Blick auf ihr Spiegelbild. Sie ist blass und ihre Augen sind immer noch rot, doch ansonsten schaut sie wieder einigermaßen Claudia-like aus.
Ich lehne mich gegen die Wand und verschränke die Arme. »Nun sag schon. Wen meinst du?«
Claudias Blick huscht auf dem Boden hin und her, als würde sie etwas suchen. Sie setzt sich halb auf den Waschbeckenrand und klammert sich daran fest.
Da kommt mir ein Geistesblitz. »Moment mal«, rufe ich. »Ist es etwa der junge Kerl an der Rezeption?«
Claudia sieht mich verwirrt an. »Hä? An der Rezeption saß doch so eine dicke Alte.«
»Nicht unten. Ich meine den in der Ambulanz.« Ich wackle grinsend mit den Augenbrauen, doch Claudia schüttelt den Kopf.
Ihre Miene verfinstert sich und ihre Lippen werden schmal. Ich denke schon, dass sie jetzt kein Wort mehr sagen wird, als ihre Augen die meinen suchen. »Dr. Siepers«, flüstert sie.


Zum vorherigen Kapitel

Hier kommst du zur Übersicht über alle bisher erschienen Kapitel, dem Klappentext und Hintergrundinfos zum Blogroman.

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