45. Damenklofiasko | Blogroman

Freche Mädchen küssen besser YA Young Adult Lesbian Romance Blogroman von Emma Escamilla

Schon wieder ist der Blogroman einen Tag zu spät. Es tut mir so leid, dass ich in letzter Zeit so unzuverlässig bin. Das geht mir momentan mit allem so. Ich bekomme fast gar nichts mehr gebacken, muss mich richtig zwingen, nicht den ganzen Tag nur herumzuliegen und durch Instagram zu scrollen. Ich glaube, ich bin einfach auch Matsch wegen der ständigen Hitze hier im Süden, aber vielleicht kriege ich das in den nächsten Wochen ja endlich geregelt. Ich hoffe es sehr.

Allerdings möchte ich auch ankündigen, dass ich Anfang August eine Auszeit einlegen werde und das nächste Kapitel somit voraussichtlich erst in drei Wochen erscheint. Da gibt es dann zwei aufeinanderfolgende Wochen ein neues Kapitel.

Das letzte Kapitel war ja ziemlich lang, dafür ist dieses Kapitel deutlich kürzer. Ich habe mich darin geübt, Spannung aufzubauen und ich hoffe, das ist mir geglückt. Auch wenn Dany dadurch nicht immer Sympathiepunkte bekommt.

Übrigens hat der Blogroman mit diesem Kapitel die 70.000 Wörter geknackt, worüber ich mich riesig freue!

Lob, Kritik, Fragen und Anmerkungen sind in den Kommentaren gerne gesehen. Scheue dich also nicht, mir Feedback zu geben. Ich antworte in der Regel auch darauf.

Du findest das Kapitel in Kürze auf WattpadSweek und FanFiktion.de.

Du hast die vorherigen Kapitel noch nicht gelesen? Dann kommst du hier zur Übersicht.

Nun viel Spaß beim Weiterlesen!

45. Kapitel: Damenklofiasko

Dr. Siepers ist ein großgewachsener Mann, den ich auf Mitte Vierzig schätze. Seine schwarzen Locken reichen ihm bis knapp über die Ohren. Mit seiner gebräunten Haut und den dunklen Augen hätte er gut in eine Werbung für mediterranen Wein gepasst. Natürlich mit einer hübschen Partnerin, die voller Genuss das Weinglas an die Lippen setzt. Mein Blick streift seine rechte Hand und den goldenen Ring an seinem Finger. Vielleicht ist er sogar mit einem Model verheiratet. Es heißt ja, gleich und gleich gesellt sich gern. Wobei man das bei mir und Claudia nicht gerade sagen könnte. In diesem Fall gilt eher, dass sich Gegensätze anziehen. Claudia! Ich muss die Sache mit ihr irgendwie zur Sprache bringen.
»Wie kann ich Ihnen helfen?«, reißt mich Dr. Siepers aus den Gedanken. Er lächelt mich freundlich an und kleine Grübchen bilden sich in seinen Wangen. Ich bin überrascht, dass er mich siezt. Obwohl es komisch ist, fühlt es sich gleichzeitig gut an. Ich komme mir erwachsen und ernstgenommen vor. Etwas, das ich in letzter Zeit vermisst habe.
»Ich habe mir vielleicht die Hand gebrochen.« Ich hebe sie hoch und versuche, die Finger zu bewegen.
Sein Lächeln verschwindet und er verzieht das Gesicht, als würde er den Schmerz, der in meiner Hand pulsiert, selbst spüren. »Oje, hatten Sie einen Unfall?«
»Ähm, ja. Gewissermaßen.«
»Na, dann werde ich Sie mal untersuchen.«
Ich schiele auf die Wanduhr. »Wird das lange dauern?«
»Nun ja, ein bisschen Zeit haben Sie hoffentlich mitgebracht.«
»Genaugenommen schon, nur – meine Freundin ist seit Ewigkeiten auf der Toilette und ich mache mir Sorgen um sie. Sie war vorhin schon so seltsam. Könnte ich vielleicht vorher kurz nach ihr sehen?«
Dr. Siepers fährt sich über sein stoppeliges Kinn. »Nun, ich könnte die Patientin, die nach Ihnen dran ist, vorziehen. Dann haben Sie Zeit, nach Ihrer Freundin zu schauen.«
»Das wäre sehr lieb.« Ein Felsbrocken fällt mir vom Herzen.
»Gut, dann bis gleich.« Er gibt mir ein Zeichen, gehen zu können, und ich haste sofort zur Tür.

Ich laufe den Flur ab, doch die Toiletten finde ich nicht. Schweiß bildet sich auf meiner Haut, mein Herzschlag beschleunigt sich und meine Panik, dass Claudia etwas passiert sein könnte und niemand ihr hilft, steigert sich ins Unermessliche. Ich ärgere mich, dass ich nicht den Typen an der Rezeption oder Dr. Siepers nach dem Weg zu den Toiletten gefragt habe. Ich will bereits umdrehen und zur Ambulanz zurückkehren, als mir eine Krankenschwester entgegenkommt, die einen Essenswagen in Richtung Säuglingsstation schiebt. Ich hasse es, Leute anzusprechen, weil ich mir dabei immer vorkomme, als würde ich sie stören. Doch meine Nerven sind dermaßen angespannt, dass mich ein Anflug von plötzlichem Selbstbewusstsein überkommt.
»Entschuldigen Sie«, japse ich und meine Stimme klingt so hoch und piepsig wie die von Bernadette bei The Big Bang Theory. »Können Sie mir sagen, wie ich zu den Toiletten komme? Meine Freundin wollte da hin und sie ist verschwunden und ich weiß nicht, was ihr passiert ist und-«
»Langsam, langsam!« Die Krankenschwester hebt die Hände. »Was meinst du mit ›verschwunden‹?«
Ich erzähle ihr im Eiltempo, wie Claudia sich merkwürdig benommen hat, aufs Klo wollte und nicht wieder zurückgekommen ist. »Ich muss unbedingt nach ihr sehen. Was, wenn ihr etwas zugestoßen ist?«
»Beruhige dich, Mädchen. Wir sind hier im Krankenhaus und überall sind Leute. Wenn ihr etwas passiert wäre, hätte sicher schon irgendwer das Pflegepersonal informiert. Jetzt atme mal tief durch.«
Ich tue, was die Frau sagt, doch selbst mit ruhigen Atemzügen normalisiert sich mein Zustand nicht. »Wo sind denn nun die Toiletten?«
Die Schwester dreht sich um und deutet den Gang hinunter. »Ganz hinten links. Kannst du eigentlich nicht verfehlen, aber ich gebe zu, das Gebäude ist etwas verwinkelt.«
Ich renne los. Dass ich vergessen habe, mich zu bedanken, fällt mir erst ein, als ich die Tür zur Damentoilette aufstoße. »Claudia? Bist du da?« Die Kabinen sind beide abgeschlossen. Ich gehe auf die linke zu und poche gegen die Tür. »Claudia, bist du da drin? Ist alles in Ordnung mit dir?«
»Ich bin nicht Claudia, sondern Ingrid.« Eine Spülung rauscht und die Kabinentür öffnet sich. Eine alte Dame kommt heraus und lacht mich an. Knallroter Lippenstift klebt auf ihren Schneidezähnen. »Ich nehme mal an, dass du mich nicht suchst, Schätzchen.«
»Ähm, nein.«
»Würdest du einen Schritt zur Seite machen? Ich muss mir die Hände waschen.«
Ich weiche zurück und mache ihr den Weg zum Waschbecken frei. Als sie den Wasserhahn anstellt, vernehme ich ein ganz leises Schluchzen. Es kommt aus der rechten Kabine und ich bin mir sofort sicher, dass es sich dabei um Claudia handelt. Mein Gefühl hat mich also nicht betrogen. Es ist ihr etwas zugestoßen.
Die Frau namens Ingrid braucht ewig, bis sie sich die Hände eingeseift und abgespült hat. Als sie nicht kapiert, wie der Handföhn funktioniert, reißt mir der Geduldsfaden. »Sie müssen die Hände direkt unter den Trockner halten.« Ich bemühe mich, ruhig und freundlich zu klingen, doch in Wirklichkeit möchte ich einfach nur, dass sie endlich das Damenklo verlässt.
Sie versucht es nochmal und ich verdrehe von ihr unbemerkt die Augen. Sie braucht ein paar Versuche, bis der Föhn endlich anspringt. Wieder dringen Geräusche aus der Kabine. Ein Schniefen und lautes Schnaufen, als würde jemand nicht richtig Luft bekommen. Mir wird heiß und kalt gleichzeitig.
Die alte Dame bekommt davon nichts mit. Als der Handtrockner verstummt, ist es auch hinter der Tür wieder still.
»Wieso können die nicht einfach Papiertücher anbieten? Da hat das Krankenhaus wieder an falscher Stelle gespart«, murmelt Ingrid und streckt die Hand nach dem Türgriff aus.
Ich atme auf. Gleich kann ich mich endlich um Claudia kümmern. Die Unwissenheit macht mich völlig verrückt.
Ingrid drückt die Klinke hinunter, dann hält sie plötzlich inne und dreht sich zu mir um. »Wissen Sie, eigentlich möchte ich gar nicht wieder in dieses Krankenzimmer. Mein Willi ist so übel dran, es tut mir im Herzen weh, ihn so zu sehen.« Traurig schüttelt sie den Kopf. »Die Ärzte geben ihm nicht mehr lange und so sehr ich ihn auch liebe, bin ich froh, wenn er es endlich geschafft hat.«
»Das tut mir leid«, sage ich und bereue meine Worte sofort, denn offenbar hält Ingrid sie für eine Einladung, mir ihre ganze Lebensgeschichte zu unterbreiten.
»Prostatakrebs. So eine ekelhafte Krankheit. Mein armer Willi hat das nicht verdient. Er hat sein ganzes Leben lang hart geschuftet, nur um seinen Ruhestand genießen zu können. Und nun ist er gerade einmal zwei Jahre in Rente und schon geht es dem Ende zu. Was für eine Ungerechtigkeit! Wir wollten doch noch so viel unternehmen. Ständig haben wir zurückgesteckt, Zeit und Geld gespart. Und jetzt wird uns die Möglichkeit, das Leben zu genießen, einfach so genommen. Ich frage mich-«
»Ich muss aufs Klo!«, unterbreche ich sie und verschwinde in die freie Kabine. Doch das scheint die alte Frau gar nicht zu stören. Sie redet einfach weiter, erzählt irgendetwas von ihren Enkeln und dass der Älteste jetzt angefangen habe, Bauingenieurwesen zu studieren. Ich blende ihr Gerede aus und zücke mein Handy. Schnell tippe ich Claudia eine Nachricht und frage sie, was mit ihr los ist. Kaum habe ich die Nachricht abgeschickt, höre ich ein leises Vibrationsgeräusch aus der Nachbarkabine. Claudia ist also definitiv da drin. Doch sie liest die Nachricht nicht. Kein kleiner Haken erscheint neben meiner Nachricht. Ich warte eine Minute, dann schicke ich ihr eine zweite Nachricht. Wieder die leise Vibration nebenan. Ich starre gebannt auf mein Handy, höre ein leises Rascheln aus Claudias Kabine. Dann erscheint ein Haken hinter meiner Nachricht und kurz darauf die Meldung, dass Claudia etwas tippt. Endlich! Ich brenne so darauf zu erfahren, was mit ihr ist, dass ich mir auf die Zunge beiße, bis es wehtut. Meine Anspannung ist fast nicht mehr auszuhalten. Während Ingrid bei ihrer Hochzeit anno 1973 angekommen ist, gleitet mir beinahe das Handy aus den feuchten Fingern. Das Warten bringt mich um den Verstand. Ich muss mich ständig daran erinnern, zu atmen, da ich immer wieder die Luft anhalte. Claudia hört auf zu tippen. Ich hole tief Luft und mein Herz setzt für einen Moment aus. Gleich weiß ich, was mit ihr los ist. Ich warte darauf, dass ihre Nachricht auf meinem Display erscheint.
Doch dazu kommt es nicht. Sie verlässt, ohne die Nachricht abzuschicken, den Chat.


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Achtung!

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8 Kommentare

      • Ja, da hast du allerdings recht. Ich fühle mich halt immer gleich schlecht, wenn ich einen Termin nicht einhalte. Egal ob privat oder nicht. Ich muss lernen, das lockerer zu sehen.
        Glücklicherweise hatte ich in letzter Zeit die Motivation, ein paar Kapitel vorzuschreiben. Das nimmt auch den Druck raus. :)

        Liebe Grüße
        Emma

        Liken

      • So habe ich das mit meinen Beiträgen für das Projekt #writing friday (und den Kapiteln zu meinm roman) gemacht: ich habe sie zu Beginn des Monats geschrieben und dann auch gleich auf mein Blog geladen – anstatt auf „sofort veröfentlichen“ habe ich die option „planen“ gewählt – dann erscheinen sie automatisch zum geplanten Termin.

        Hat bis jetzt gut funktioniert

        Gefällt 1 Person

      • Ah okay. Also, ich nutze die „Planen“-Funktion ja auch, aber ich schaffe es meist erst ein, zwei Tage vorher, das neue Kapitel zu schreiben. Ich mache den Beitrag dann am Abend vorher fertig und plane den Upload auf 8 Uhr morgens. Da das mit dem Planen bei Sweek, Wattpad und FanFiktion.de nicht geht, muss ich es dort aber ohnehin manuell hochladen.

        Liebe Grüße

        Gefällt 1 Person

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