Wo steckt Claudia? | Blogroman | 44. Kapitel

Freche Mädchen küssen besser YA Young Adult Lesbian Romance Blogroman von Emma Escamilla

Es ist endlich daaaa … das 44. Kapitel zu meinem Blogroman „Freche Mädchen küssen besser“. Es tut mir leid, dass es wieder eine Verspätung gab. In letzter Zeit läuft bei mir nichts, wie es sollte. Mir geht es psychisch wieder schlechter, ich ziehe mich viel zurück und habe kaum Antrieb (und die Hitze macht es nicht gerade einfacher). Aber trotzdem habe ich noch das neue Kapitel geschrieben und es ist laaaang geworden (über 2k Wörter haha). Ich hoffe, du hast beim Lesen so viel Spaß wie ich beim Schreiben.

Dany und Claudia sind mittlerweile am Krankenhaus angekommen – doch Claudia verhält sich plötzlich total komisch. Was ist los mit ihr? Hat sie sich verletzt, als sie einem Ball ausgewichen und dabei unter Dany auf dem Boden gelandet ist? Oder ist es etwas anderes? Du darfst gerne in den Kommentaren mitraten. Ich bin gespannt auf deine Gedanken. :)

Du findest das Kapitel auch in Kürze auf WattpadSweek und FanFiktion.de.

Du hast die vorherigen Kapitel noch nicht gelesen? Dann kommst du hier zur Übersicht.

Nun viel Spaß beim Weiterlesen!

44. Kapitel: Wo steckt Claudia?

Die Klinik befindet sich in einem modernen Gebäude mit Glasfassade. Um zum Eingang zu gelangen, müssen wir einen kleinen Park passieren. Während ich die spärlichen Sonnenstrahlen genieße, die durch die Wolken brechen, trottet Claudia missmutig neben mir her. Ich atme tief durch und beobachte die Menschen um mich herum. Patienten verweilen mit ihren Angehörigen auf den zahlreichen Sitzbänken, unterhalten sich, nehmen sich in die Arme, lachen. Unter einer alten Kastanie sitzt ein junges Paar. Der Mann trägt einen Gips am Bein und seine Krücken lehnen am Stamm des Baumes. Zärtlich schlingt die Frau die Arme um den Hals des Mannes und küsst ihn auf die Lippen. Ich weiß nicht warum, aber ich muss sofort an Sam denken. Das Paar dort so glücklich zu sehen, erinnert mich daran, wie glücklich ich mit ihr gewesen bin. Warum ist nur alles kaputt gegangen? War es meine Schuld? Hätte ich irgendetwas an ihrer Entscheidung ändern können? Sie hat mir das Herz zerfetzt und mich völlig hilflos zurückgelassen. Ich bereue so vieles. Dass ich sie nicht vor meinem Vater geschützt habe. Dass ich nicht mehr um sie gekämpft habe. Dass ich mich nicht ordentlich von ihr verabschiedet habe. Dass ich mit Claudia …
»Achtung!«, schreit diese plötzlich und zieht mich zur Seite. Ich erschrecke so sehr, dass ich auf dem Kies ausrutsche. Hilfesuchend greifen meine Hände nach Claudia. Doch anstatt stabilen Halt zu finden, reiße ich sie mit mir um und wir landen auf dem Schotterweg. Die spitzen Steinchen bohren sich in meine Handflächen, als ich versuche, mich abzufangen und durch meine verletzte Hand jagt ein stechender Schmerz. Ich ächze und fluche. Keine zwei Sekunden später schlägt ein Fußball genau an der Stelle auf, an der ich gerade noch gestanden habe. Claudia liegt auf den Rücken, die Augen weit aufgerissen. Ich bin auf ihr gelandet, unsere Gesichter sind nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Ihr schneller Atem wärmt meine kühlen Wangen. »Hast du dich verletzt?«, keucht sie.
Ich fühle in mich hinein. Obwohl mein Herz so schnell schlägt, dass ich es wummern hören kann, scheine ich unverletzt zu sein. Von ein paar leichten Schrammen an den Handinnenflächen und dem pochenden Schmerz in meiner verletzten Hand abgesehen. Also schüttle ich den Kopf, bleibe aber auf Claudia liegen und schaue in ihre dunkelgrünen Augen. Sie schimmern wie zwei geschliffene Smaragde. Für einen Moment verliere ich mich darin und bin kurz davor, Claudia in der Öffentlichkeit zu küssen. Ihre Lippen ziehen mich magisch an. Mir wird warm, ja sogar heiß. Langsam nähert sich mein Mund dem ihren.
»Ich, ähm-«, beginnt sie, bricht dann aber ab, drückt mich von sich und sieht an mir vorbei. Ein Kind kommt angerannt und schnappt sich den Ball. Es ist kahl und seine dunklen Augen bilden einen starken Kontrast zu seiner bleichen Haut. »Tut mir leid«, japst es. »Ich wollte euch nicht abschießen.«
»Kannst du nicht aufpassen?«, keift Claudia. »Du hast Glück gehabt, dass uns nichts passiert ist.« Ach ja, jetzt weiß ich wieder, warum ich auf Claudia sauer war und Sam zurück wollte. Die gesamte Romantik ist futsch.
Das Kind klammert sich an seinen Ball und senkt betreten den Blick. Seine Unterlippe zittert und es ist den Tränen nah. »Schon gut«, sage ich schnell und schenke ihm ein freundliches Lächeln. »Wie heißt du denn?«
»Janine.« Das Mädchen lächelt schwach, doch als Claudia seufzt, wird es sofort wieder ernst.
»Pass nächstes Mal einfach ein bisschen besser auf, ja?«, sage ich so sanft wie möglich. »Uns ist nichts passiert, aber es hätte auch einen anderen Patienten treffen können.«
Das Mädchen nickt schuldbewusst und drückt den Ball noch fester an sich.
»Jani, kommst du?«, ruft ein Mann, der ein Stück weit entfernt auf dem Rasen steht.
»Dein Papa?«, frage ich.
Das Mädchen nickt abermals, schaut zu ihrem Vater hinüber und dann wieder zu uns.
»Na, dann lauf zu ihm. Hab noch einen schönen Tag, ja?«
Janine lächelt und ihr ist die Erleichterung anzusehen. Ohne zu zögern rennt sie zu dem Mann, der etwas sagt, was ich nicht verstehen kann.
»Musstest du das Mädchen so anzicken?« Ich funkle Claudia wütend an.
Sie ignoriert mich und stemmt ihre Hände gegen meinen Oberkörper. Dabei berührt sie meine Brust und ein warmes Kribbeln breitet sich für einen Augenblick in meinem Bauch aus, doch ich ignoriere es. 

»Ich glaube, es wäre an der Zeit, dass du von mir runtergehst«, sagt sie. »Nicht, dass ich deine körperliche Nähe nicht genießen würde, aber du wirst langsam schwer.«
»Oh, natürlich …« Ich rapple mich auf und klopfe mir den Staub von der Jeans.
Claudia tut es mir gleich und zupft an ihrem Oberteil herum. »Das war sauteuer«, höre ich sie murmeln und ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.

»Hast du ne Ahnung, wo wir hinmüssen?«, frage ich meine Begleiterin, als wir das Krankenhaus betreten. Der Geruch von Desinfektionsmittel zieht mir in die Nase, gemischt mit einem leichten Kaffeeduft, der von der Cafeteria herüberzieht. Claudia antwortet nicht. Ich sehe mich suchend um und entdecke eine Rezeption. »Am besten fragen wir da mal nach, oder?« Claudia starrt geradeaus. Ihre Finger zittern, als sie sich die Haare aus dem Gesicht streicht. »Claudia? Alles okay?«
Sie reagiert noch immer nicht. Ich folge ihrem Blick, kann aber nichts entdecken, das ihren Zustand erklären könnte. »Erde an Claudia!« Ich wedle mit der Hand vor ihrem Gesicht herum. Sie blinzelt, zieht die Augenbrauen zusammen und schaut mich an. »Was ist?«»Das würde ich gerne von dir wissen.«
»Nichts. Wieso?«
»Hast du dich bei deinem Sturz vorhin doch verletzt, oder wo warst du mit dem Kopf?«
Claudia verzieht das Gesicht, senkt den Blick und macht eine wegwerfende Handbewegung. »Nein, alles okay. Ich … hab nur gedacht, ich hätte jemanden gesehen, den ich kenne. Aber ich hab mich wohl geirrt.«
»Und das hat dich so in Angst und Schrecken versetzt, dass du zitterst?«, frage ich und deute auf ihre Hände.
Sie lacht. »Ach so, nein, mir ist nur ein bisschen kalt. Ich hätte ne Jacke mitnehmen sollen. Aber ich wärme mich hier drin sicher schnell auf.«
»Ja, du hast recht, draußen ist es echt frisch geworden und du mit deiner dünnen Bluse … da würde ich mir auch den Arsch abfrieren.« Ich lächle ihr freundlich zu, doch sie scheint schon wieder geistig abwesend zu sein.
»Sollen wir an der Rezension mal fragen, wo die Notfallambulanz ist?«, frage ich. Claudia nickt, doch ich werde das Gefühl nicht los, dass sie mir überhaupt nicht zugehört hat. Ich atme tief durch, dann steuere ich auf die Empfangstheke zu. Claudia folgt mir langsam und mit etwas Abstand.

Am Tresen sitzt eine kleine, gedrungene Frau mit rundem Gesicht und kinnlangem Bob. Sie starrt in ihrem Bildschirm und nimmt keine Notiz von mir. Irgendwie scheint mich hier jeder zu ignorieren. Ich räuspere mich. Die Frau reagiert trotzdem nicht. 
»Guten Tag!«, sagt Claudia laut und klopft auf die Theke. 
Erst jetzt bemerkt die Frau, dass sie Kundschaft hat. »Oh, entschuldigen Sie, ich war so vertieft. Wissen Sie, wir haben ein neues Computerprogramm bekommen und jetzt finde ich mich hier überhaupt nicht mehr zurecht. Ich war ja so froh, als ich das alte Programm verstanden hatte, aber jetzt ist wieder alles anders und-«»Meine Freundin muss dringend zu einem Arzt. Können Sie uns sagen, wie wir in die Ambulanz kommen?«, unterbricht sie Claudia.
»Ach du liebe Zeit, das sieht ja schlimm aus.« Die Frau betrachtet mitleidig meine blaue Hand. »Da schicke ich Sie gleich zu Dr. Siepers. Sie finden die Ambulanz im zweiten Stock gegenüber der Babystation.«
Claudia schnappt nach Luft. »Ich, ähm-«
»Haben Sie noch Fragen?«, erkundigt sich die Frau. 
»Ähm ja, gibt es auch eine Ärztin? Meine Freundin würde sich lieber von einer Frau behandeln lassen.«
Ich sehe Claudia überrascht an. Wie kommt sie denn auf diese komische Idee? Mir ist es egal, ob ich von einem Mann oder einer Frau behandelt werde.
Die Rezeptionistin zuckt mit den Schultern. »Tut mir leid, Frau Dr. Kaiser hat heute ihren freien Tag. Aber Sie werden sehr zufrieden mit Dr. Siepers sein. Er ist ein hervorragender Arzt und sehr nett.«
Claudia macht ein Gesicht, als ginge die Welt unter.
Ich bedanke mich bei der Frau, nehme vorsichtig Claudias Hand und ziehe sie zu den Aufzügen. »Was ist den los mit dir?«, frage ich, als wir außer Hörweite der Rezeptionistin sind. »Du bist die ganze Zeit über schon so komisch.«
»Wieso komisch?« Claudia drückt den Knopf, um den Aufzug zu holen.
»Weshalb sollte ich mich lieber von einer Frau untersuchen lassen wollen? Das ist mir egal, welches Geschlecht mich untersucht. Hauptsache, die Person ist kompetent.«
»Na, ich dachte eben, weil du lesbisch bist, magst du lieber zu einer Frau.«
Ich ziehe die Stirn kraus. Was hatte das denn damit zu tun? Ich kann nicht verstehen, wie sie auf diesen irren Gedanken kommt. Während wir auf den Lift warten, beobachte ich, wie Claudia an ihren Nägeln kaut. Es ist mir noch nie aufgefallen, dass sie das tut – schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Hat sie das bisher immer heimlich gemacht? Oder hat sie erst damit angefangen? Die Aufzugtüren schwingen auf und wir steigen ein. Claudia drückt auf die Taste mit der Zwei und die Türen schließen sich. Langsam und mit einem leisen Surren setzt sich der Lift in Bewegung. Claudia zittert immer noch. Müsste sie nicht mittlerweile aufgewärmt sein? Oder hat sie mich angelogen und es geht ihr in Wirklichkeit nicht gut? Steckt ihr der Schreck von unserem kleinen Unfall im Park noch in den Knochen?
Die Türen öffnen sich wieder und wir werden von Babygeschrei empfangen. Am liebsten würde ich meinen Arztbesuch sausen lassen und stattdessen auf die Säuglingsstation gehen. Aber das Pochen in meiner Hand, erinnert mich jedes Mal, wenn ich meine Finger bewege, daran, warum ich eigentlich hier bin. Trotzdem hege ich die Hoffnung, vielleicht später noch einen Blick auf die süßen Neugeborenen werfen zu können.

Wir finden die Ambulanz auf Anhieb. Auch dort gibt es eine Theke und diesmal stelle ich mich selbst vor und beschreibe kurz, was passiert ist. Der junge Mann an der Rezeption liest meine Krankenversicherungskarte ein. Anschließend schickt er mich in den Wartebereich und meint, es könnte ein bisschen dauern. Tatsächlich sitzen hier noch fünf weitere Patienten. Ich hole tief Luft und stelle mich auf eine halbe Ewigkeit ein. Claudia schnappt sich sofort ein Klatschmagazin aus dem Zeitschriftenständer und ich wähle eine Ausgabe der National Geographic aus. Stumm nehmen wir nebeneinander Platz und vertiefen uns in unseren Zeitschriften. Claudia hält sich das Magazin dabei so dicht vor die Nase, dass ihr Gesicht dahinter verschwindet. Komisch, komisch. Was ist bloß mit ihr los? Ich versuche, mich auf den Bericht über Buckelwale zu konzentrieren, doch immer wieder beschäftigt mich Claudias merkwürdiges Verhalten. Als sich die Tür zum Behandlungszimmer öffnet und eine ältere Frau herausgehumpelt kommt, springt Claudia wie von der Tarantel gestochen auf und ruft viel zu laut: »Ich muss mal kurz auf die Toilette.« Ich presse den Finger auf die Lippen und will leise entgegen, dass das nicht das ganze Wartezimmer wissen muss, doch da ist sie schon davongespurtet. Ratlos widme ich mich wieder den Buckelwalen.

Ein Patient nach dem anderen wird ins Behandlungszimmer gerufen. Schließlich sind nur noch eine junge Frau mit einem kleinen Jungen, der mit einem Spielzeugauto spielt und vor sich hinbrabbelt, und ich übrig. Claudia ist noch immer nicht von der Toilette zurück, dabei ist bestimmt schon eine halbe Stunde vergangen. Langsam mache ich mir Sorgen. Was, wenn ihr auf der Toilette was zugestoßen ist? Vielleicht musste sie sich ja übergeben oder sie ist umgekippt? Ich trommle mit den Fingern auf mein Knie, versuche, mich weiter auf meine Zeitschrift zu konzentrieren, doch die Sorge ist zu groß. Mein Gehirn kann an nichts anderes denken, als daran, was mit Claudia los ist. Mein Handy vibriert und ich ziehe es hoffnungsvoll aus der Tasche. Enttäuscht stelle ich fest, dass Lis mir geschrieben hat und fragt, wie es so läuft. Ich fange an, ihr eine Antwort zu tippen, als der Rezeptionist mich unterbricht. »Entschuldigen Sie, junge Dame. Handys sind hier im Haus verboten.« Er deutet auf ein Schild mit einem durchgestrichenen Handy, das am Eingang hängt.
Peinlich berührt stecke ich es zurück in die Tasche und murmle eine Entschuldigung. Das ungute Gefühl in mir wird dadurch aber nicht besser. Ganz im Gegenteil. Die Möglichkeit, Claudia eine Nachricht zu schicken und zu fragen, wo sie steckt, ist vertan. Ich rutsche auf meinem Sitz herum, schaue immer wieder zur Tür und hoffe inständig, dass Claudia hereinkommt. Doch es passiert nicht. Minuten verstreichen. Mein Darm grummelt und ich habe plötzlich das Gefühl, gleich selbst zur Toilette zu müssen. Ich halte es nicht länger aus, ich muss wissen, ob Claudia etwas passiert ist. Kurzerhand beschließe ich, den jungen Mann an der Rezeption zu fragen, ob ich nach ihr sehen könne. Doch als ich aufstehe, kommt der Patient, der vor mir an der Reihe war, aus dem Behandlungszimmer und Dr. Siepers bittet mich zu sich herein.


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