Blogroman | Freche Mädchen küssen besser | 43. Kapitel

Freche Mädchen küssen besser YA Young Adult Lesbian Romance Blogroman von Emma Escamilla

So, nicht ganz pünktlich um acht, aber wenigstens noch am Mittwoch kommt das neue Kapitel meines Blogromans. Ich habe mich in der letzten Woche ausführlich mit dem Projekt beschäftigt und mal eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte geschrieben, damit ich den Überblick behalte. Wie du vielleicht weißt, habe ich den Blogroman völlig ohne Plot begonnen (also quasi als „Pantser“), aber inzwischen weiß ich ungefähr, in welche Richtung es gehen soll und vor allem habe ich ein Ende im Kopf. Das Ende wird vielleicht nicht jedem gefallen, aber das ist das Risiko, das man eingeht, wenn man für andere Menschen schreibt. ;)

Die Figur von Claudia wird in diesem Kapitel weiter charakterisiert. Wir lernen eine Schwäche von ihr kennen, die Dany sehr ärgert, aber die wichtig für die kommende Handlung ist. Außerdem finden wir auch mehr über Uli und sein Selbstbild heraus. Genaugenommen sind es die beiden Figuren, die das Kapitel dominieren. Dany ist in diesem Fall nur die Person, die auf deren Verhalten reagiert – und in Schwierigkeiten gerät.

Wenn du möchtest, kannst du mir gerne dein Feedback dalassen. Da freue ich mich immer darüber (entweder in den Kommentaren oder per E-Mail).

Du findest das Kapitel auch in Kürze auf WattpadSweek und FanFiktion.de.

Du hast die vorherigen Kapitel noch nicht gelesen? Dann kommst du hier zur Übersicht.

43. Kapitel: Ausflüchte und Erklärungen

»Nun komm schon. So schwer dürfte dir die Entscheidung ja nicht fallen.« Uli tritt von einem Fuß auf den anderen und sieht mich durchdringend an. Sein rechtes Augenlid zuckt und ich weiß, dass er nicht so selbstsicher ist, wie er es in diesem Moment vorgibt. Ich würde ihn am liebsten in den Arm nehmen und fest drücken.
»Setz sie nicht unter Druck.« Claudia wirft Uli einen vernichtenden Blick zu.
»Ich setze sie nicht unter Druck. Ich will ihr nur bei ihrer Entscheidung helfen. Schließlich sind wir beste Freunde und ich bin mir sicher, sie will diese Freundschaft nicht riskieren.«
»Das ist unfair. Du beeinflusst sie. Sie soll sich aus freien Stücken entscheiden.«
Es wird Zeit, dass ich einschreite. Nicht, dass der Streit der beiden noch eskaliert. Wie ich mich entscheiden soll, weiß ich allerdings immer noch nicht. Ich räuspere mich. »Ganz ehrlich, am liebsten würde ich alleine gehen. Egal wie ich mich entscheide, einer ist immer beleidigt. Und ich möchte keinen von euch beiden verletzen.«
»Seit wann scheren dich die Gefühle von Claudia? Hat sie sich jemals um deine Gefühle gekümmert?«, fragt Uli.
Ich beiße mir auf die Unterlippe. Ja, das hat sie. Sie war da für mich, als Sam mit mir Schluss gemacht hat. Sie hat mich abgelenkt und mir das Gefühl gegeben, begehrenswert zu sein. Und nach diesem Gefühl bin ich süchtig.
»Uli-«, beginne ich und seine düstere Miene erhellt sich schlagartig.
»Yes!« Er reckt siegessicher die rechte Faust in die Luft. Feixend wendet er sich an Claudia: »Ich weiß ja nicht, woher dein plötzliches Interesse an Dany kommt, aber eine richtige Freundschaft zählt eben mehr.«
Claudias Gesichtszüge erstarren zu einer steinernen Maske. Sie lässt die Schultern sinken, kratzt sich am Ellbogen. Sie sieht mich mit Dackelaugen an, in denen eine tiefe Traurigkeit zu erkennen ist. Der Anblick versetzt mir einen Stich ins Herz.
»Uli, nein, du hast mich missverstanden«, sage ich schnell und mache einen Schritt auf meinen Kumpel zu. »Es tut mir leid, aber ich denke, wenn Claudia mir wirklich etwas Wichtiges zu sagen hat, sollte sie mich begleiten. Bitte glaub nicht, dass ich dich weniger mag. Du bist mir superwichtig und der verständnisvollste Mensch, den ich kenne. Aber ich glaube, Claudia hat eine Chance verdient, mit mir zu reden. Ist das okay für dich?«
Ulis Adamsapfel hüpft, als er schluckt. Die Enttäuschung ist ihm deutlich anzusehen.
»Bitte, Uli. Wir können ja heute Abend etwas zusammen machen.«
»Klar«, sagt Uli tonlos.
Eine warme Welle der Erleichterung durchflutet meinen Körper. »Danke, Uli. Ich wusste, dass du es verstehst. Du bist der beste Freund, den man sich wü-«
»Nein, Dany!«, brüllt Uli plötzlich. Erschrocken weiche ich zurück. Er ballt die Hände zu Fäusten und sein Gesicht wird knallrot. »Ist ja klar, dass der gutmütige, fette Uli wieder zurückstecken muss. Mit dem kann man es ja machen.«
»Was? Nein! So war das nicht gemeint. Du weißt doch, dass du mir viel bedeutest.«
»Erzähl keinen Scheiß, Dany. Ich bin dir genauso egal wie allen anderen auch. Du nutzt mich nur aus und wenn es darauf ankommt, entscheidest du dich für jeden anderen, nur nicht für mich. Ich habe das so satt. Ich dachte echt, unsere Freundschaft wäre mehr als das.« Für eine Sekunde glaube ich, Tränen in seinen Augen glitzern zu sehen. Dann dreht er sich um und stampft die Treppe hinauf.
»Uli, ich – es tut mir so leid!”, rufe ich ihm nach, doch er ignoriert mich.
»Armer Trottel«, sagt Claudia und grinst. »Er glaubte doch tatsächlich, dass du ihn magst.«
»Sei nicht so gemein«, fauche ich. »Ich mag Uli wirklich. Er ist ein um Welten besserer Freund, als du es jemals sein könntest. Ich bereue es bereits, dass ich nicht ihn ausgewählt habe. Du stiftest ja eh nur Unfrieden.«
Darauf weiß Claudia nichts mehr zu sagen und folgt mir mit etwas Abstand aus dem Schulgebäude.

Wenig später betrachte ich die Felder und Wiesen, an denen wir vorbeifahren. Bis zur nächstgrößeren Stadt mit Krankenhaus sind es etwa dreißig Kilometer. Der Schmerz in meiner Hand pulsiert zunehmend und ich verfluche mich dafür, dass ich keinen Umschlag mit Eis mitgenommen habe, um die Verletzung zu kühlen. Ich hoffe inständig, dass nichts gebrochen ist und ich nicht im Krankenhaus übernachten muss. Gedanklich füge ich den Vorsatz »Wut nicht mit Selbstverletzung abreagieren« auf der Liste mit Dingen hinzu, an denen ich arbeiten will. Ich bin so in meine eigene Grübelei versunken, dass ich Claudia gar nicht mehr wahrnehme. Erst als wir am Ortsschild der Stadt vorbeifahren, macht sie sich bemerkbar, indem sie meine unverletzte Hand nimmt und leicht drückt. Ich schaue auf.
Ihre Augen funkeln. »Ich wollte dir doch etwas sagen.« Ihre Stimme ist ungewohnt leise und sanft. Vielleicht will sie nicht, dass der Taxifahrer unser Gespräch belauscht.
»Leg los«, sage ich in normaler Lautstärke.
Ihre Lippen zucken und sie schaut auf unsere Hände. »Magst du mich noch?«, flüstert sie. »Ich weiß, ich bin ziemlich scheiße.«
Irritiert ziehe ich die Augenbrauen zusammen. »Du bist nicht scheiße. Aber dein Verhalten war nicht okay und hat mich wirklich verletzt.«
Claudia sieht mich noch immer nicht an. Sie streicht ihr langes Haar zurück und ihre Lippen zucken. »Wegen dem Rausschmiss vorhin – weißt du, ich wollte dich nur schützen. Du hast wegen Sam gerade so viel mitgemacht, da konnte ich es nicht verantworten, dich erneut dem homophoben Mobbing der anderen auszusetzen. Du hast es verdient, deine Ruhe zu haben. Verstehst du, was ich meine?«
Ich nicke. Ja, ich verstehe es und bin überrascht. Ich muss zugeben, dass ich die Situation noch nie aus dieser Perspektive betrachtet habe. Sie will mich schützen – ich komme mir schäbig vor, weil ich gedacht habe, dass sie sich nur um ihren guten Ruf kümmert.
»Was ist jetzt?« Claudia betrachtet mich wie eine Forscherin ihr Versuchsobjekt. »Magst du mich noch?«
»Ja, klar mag ich dich noch. Es ist nur – du hast mir wirklich wehgetan. Eine Entschuldigung muss schon sein.«
Claudia stöhnt und verzieht das Gesicht. »Was willst du von mir, hm? Soll ich auf die Knie fallen und dich um Vergebung anflehen?«
Erschrocken über ihren barschen Ton, lasse ich ihre Hand los. Mein Herz pocht schneller. Konflikt im Anmarsch. Tilgen, bevor es zum Wutausbruch kommt. Herz an Hirn: Das ist keine Übung! »Nein, nein. Ein einfaches ›Entschuldigung‹ reicht schon.«
»Das finde ich jetzt echt ätzend von dir. Ich habe dir doch erklärt, warum ich so gehandelt habe. Weißt du, Dany, ich bin doch Klassensprecherin und im Internat – na ja, sagen wir mal, ziemlich beliebt. Die Schüler beobachten mich. Ich bin für manche ein Vorbild. Deshalb möchte ich nicht, dass irgendwelche Lesbengerüchte herumgehen.«
»Lesbengerüchte?« Es geht ihr also doch um ihr Image. Sie möchte nicht, dass es durch mich irgendwelche Kratzer bekommt. Wütend verschränke ich die Arme vor der Brust und drehe den Kopf in Richtung Fenster. Ihre Ausflüchte und Erklärungen beeindrucken mich immer weniger. Mein Herz drückt den Alarmknopf, doch mein Hirn schaltet auf Durchzug. Ich habe keine Lust, weitere Versuche zu unternehmen, den Streit zu schlichten und dafür angemault zu werden. Claudia ist an der Reihe.
Eine Weile schweigen wir und mir gehen die düstersten Gedanken im Kopf herum. Ich vermisse Sam, fühle mich schlecht, weil ich sie mit Claudia betrogen habe. Claudia, die sich zu fein dazu ist, zu mir zu stehen. Was Sam wohl gerade macht? Der Schmerz meines Herzens überdeckt den meiner verletzten Hand. Meine Augen brennen, sodass ich heftig blinzeln muss. Wut und Verzweiflung vermischen sich.
»Ach, Dany. Ich bin eben noch nicht bereit für ein Outing.« Claudias Finger grabschen wieder nach meiner Hand, doch ich ziehe sie weg.
»Das ist ja okay«, sage ich in bemüht versöhnlichem Ton, obwohl meine Gefühle durcheinander wirbeln. »Alles was ich von dir will, ist eine anständige Entschuldigung.«
Schnaubend rückt Claudia von mir weg. »Dass du so nachtragend bist, ist echt nervig.«
Ich muss mich zwingen, nicht laut aufzulachen. Nachtragend? Ich bin ganz bestimmt nicht nachtragend. Ich möchte einfach nur, dass Claudia sich entschuldigt. Aber das scheint Madame ja nicht hinzukriegen. Ich ärgere mich über mich selbst, weil ich Claudia mitgenommen habe. Ich könnte jetzt entspannt mit Uli plaudern, stattdessen sitzt diese Zicke neben mir. Diese Zicke, die mich zur Weißglut bringt, weil sie mir nicht so egal ist, wie sie es sein sollte.


Zum vorherigen Kapitel

Hier kommst du zur Übersicht über alle bisher erschienen Kapitel, dem Klappentext und Hintergrundinfos zum Blogroman.

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