Blogroman | „Freche Mädchen küssen besser“ | 38. Kapitel

Huhu,

sooo, ich bin zurück aus meiner Osterpause und habe tatsächlich KEINEN EINZIGEN TAG davon geschrieben. Erst heute habe ich mich wieder an den Laptop gesetzt und obwohl ich die Pause sehr gebraucht und genutzt habe, bin ich irgendwie froh, mich wieder in meine Alltagsroutine einzugliedern (zumal ich beim Camp NaNoWriMo auch ein bisschen zurückgefallen bin).

Heute geht es weiter mit meinem lesbischen YA Blogroman „Freche Mädchen küssenFreche Mädchen küssen besser YA Young Adult Lesbian Romance Blogroman von Emma Escamilla besser“. Im letzten Kapitel hat Dany beschlossen, sich an Sam zu rächen, indem sie ihr genau das antut, was Sam ihr angetan hat. Wie geht es ihr damit? Und was sagen ihre Freundinnen dazu? Das erfährst du in diesem Kapitel.

Weil es ein Jugendroman ist, der hauptsächlich von Minderjährigen gelesen wird, habe ich explizite Sexszenen weggelassen. Ich denke, was zwischen Sam und Claudia vorgefallen ist, kann sich jeder selbst zusammenreimen.

Natürlich gibt es das Kapitel im Laufe des Tages auch wieder auf Wattpad, Sweek und FanFiktion.de. Über konstruktives Feedback freue ich mich immer. Viel Spaß beim Lesen! :)

38. Kapitel: Herzpflaster

»Na, das hat sich doch gelohnt, oder?« Claudia knöpft ihre Bluse zu und verdeckt ihre wohlgeformten Brüste, die ich eben noch liebkost habe. Ich schlüpfe in meine Hose und grinse. Ja, es war der Hammer. Wenn ich ganz ehrlich sein soll, war es fast noch besser, als der Sex mit Sam, weil ich so mit Adrenalin vollgepumpt war, dass ich all meine Hemmungen verloren habe. Es gab für einen Augenblick nur Claudia und mich. Obwohl ich weiß, dass ich etwas Furchtbares getan habe – nämlich genau das, wofür ich Sam Vorwürfe gemacht habe – fühlt es sich gut an. Als habe ich ein Stück meiner Würde zurückbekommen. Es ist wie ein Befreiungsschlag und es hilft wirklich gegen den Liebeskummer. Jedenfalls bin ich immer noch so aufgedreht, dass der Schmerz keinen Platz in meinem Inneren findet, um sich auszubreiten.
»Und wie sich das gelohnt hat.« Ich zwinkere Claudia zu und diese kichert.
»Hätte nie gedacht, dass es tatsächlich mal dazu kommt.« Sie schließt ihre Jeans und lächelt mir verführerisch zu.
Ich fühle mich großartig, weil sie offensichtlich den Sex mit mir genossen hat. Dabei hat sie viel mehr Erfahrung als ich.
»Wollen wir das mal wiederholen?«, fragt Claudia und dreht den Schlüssel im Schloss, um den SMV-Raum wieder zu öffnen.
»Klar, warum nicht?« Ich bin selbst überrascht über diese Antwort. Eigentlich bin ich nicht der Typ für sowas, doch es hat mir gefallen und es macht mich insgeheim ein bisschen stolz, dass ich offensichtlich Claudias Objekt der Begierde bin. Auch wenn es rein um Sex geht. Warum soll ich nicht ein bisschen Spaß haben? Sam wird sich in den USA sicher auch mit anderen vergnügen. Der Gedanke daran jagt einen stechenden Schmerz durch mein Herz, doch ich lenke mich schnell ab, indem ich Claudia über die Wange streichle und ihr einen kurzen Kuss auf die Lippen drücke. Ihr klebriger Lipgloss hat sich inzwischen verabschiedet, doch der Geschmack nach Himbeere ist noch immer da.
Claudia öffnet die Tür und schiebt mich hinaus. »Geh du zuerst. Damit man uns nicht zusammen sieht und sofort Verdacht schöpft.«
Es macht mich ein bisschen traurig, dass sie die Sache geheim halten möchte, denn ich würde es am liebsten in die Welt hinausposaunen. Doch ich akzeptiere es und verlasse den Raum.
***
Sam liegt bereits im Bett, mit dem Gesicht zur Wand, und atmet gleichmäßig. Ich bin ein bisschen enttäuscht, dass sie schläft, denn ich hätte es ihr zu gerne auf die Nase gebunden, was ich eben getan habe. May liegt ebenfalls im Bett, allerdings ist ihre Nachttischlampe noch an und sie schmökert in einem Buch. Lis sitzt auf dem Boden und drückt auf ihrem Handy herum. Sie sieht auf und runzelt die Stirn. »Hast du dich beruhigt?«
»Ja, habe ich.«
»Was grinst du denn so?«, forscht Lis weiter und lässt ihr Handy sinken. »Hattest du Sex?«
Ich kann mir ein Kichern nicht verkneifen. »Ja, hatte ich.«
»Ja, klar. Und ich bin der Weihnachtsmann.« May rollt mit den Augen, schlägt ihr Buch zu und legt es auf ihren Nachttisch.
»Nein, wirklich.«
»Jetzt erzähle nicht so einen Mist. Dafür bist du doch viel zu schüchtern«, sagt Lis. Ihr Handy vibriert und sie wischt mit dem Daumen über das Display.
»Das ist kein Mist. Ich habe es eben mit Claudia im SMV-Raum getrieben. Schade, dass Sam schläft. Ich hätte zu gerne ihr Gesicht gesehen.«
Lis und May tauschen verwirrte Blicke, dann fragt May: »Im Ernst? Du gleichst Liebeskummer mit Sex aus?«
»Ja, und es fühlt sich verdammt gut an.«
»Moment mal«, Lis erhebt sich, »du machst Sam Vorwürfe, weil sie sich auf Claudia eingelassen hat und jetzt machst du es selbst? Was bist du denn für ein Kameradenschwein?«
Hitze breitet sich in mir aus. Es fühlt sich an, als würde glühende Lava durch meine Venen fließen. Mein ganzer Körper spannt sich an. Ich ziehe die Augenbrauen zusammen und verschränke die Arme vor der Brust. »Ich bin kein Kameradenschwein. Sam hat mich so verletzt, da werde ich mich ja wohl noch rächen dürfen.«
Lis macht ein genervtes Gesicht und schüttelt den Kopf. »Ich finde das nicht richtig, was du getan hast.«
»Ach, und was Sam macht ist absolut okay? Du kannst mich mal, Lis!«, keife ich.
»Schhh! Nicht so laut.« May presst den Finger auf die Lippen und deutet auf die schlafende Sam. »Wenigstens seid ihr jetzt quitt.«
Ich sehe ein, dass es keinen Sinn macht, noch weiter mit meinen Freundinnen zu reden. Deshalb schnappe ich mir meinen Pyjama und verschwinde ins Bad. Ich brauche dringend eine Dusche. Als ich mich ausziehe, denke ich daran, wie Claudia mich ausgezogen hat. In ihren Augen lag dieser hungrige Blick, den ich bisher nur aus Filmen gekannt hatte. Nicht einmal Sam hat mich jemals so angeschaut. Ich steige in die Dusche und drehe sie auf. Dabei lasse ich die Brause in der Verankerung an der Wand und das Wasser prasselt auf mich herunter, wie ein warmer Sommerregen. Je länger ich dort stehe, desto mehr entspannen sich meine Muskeln. Meine Wut auf Lis und May wird weggespült. Doch an die Stelle, wo eben noch die pulsierende Wut saß, schleicht sich jetzt eine bleierne Schwere der Traurigkeit. Morgen geht Sam und … Ich beiße mir auf die Unterlippe, um nicht zu weinen. Stattdessen lenke ich meine Aufmerksamkeit auf das, was heute Abend geschehen war. Sanft berühre ich meinen Schambereich und erinnere mich daran, wie Claudia mich dort angefasst hat. Ich hatte zuvor gedacht, dass Claudia ziemlich wild im Bett sei, aber in Wirklichkeit war sie ganz zärtlich und einfühlsam. Gleichzeitig erweckte sie in mir eine Leidenschaft, die ich so noch nicht gekannt habe. Im Gegensatz zum Sex mit Sam, war ich bei Claudia nicht nervös. Ich konnte es zu hundert Prozent genießen und sorgte mich nicht ständig, etwas falsch zu machen. Vielleicht, weil wir uns den SMV-Raum eingeschlossen haben und mein Vater oder sonst wer uns nicht erwischen konnte?
Ich stelle das Wasser ab, steige aus der Dusche und trockne mich ab. Ich trete ans Waschbecken und wische den angelaufenen Spiegel mit dem Handtuch frei. Ein Mädchen mit zerzausten, langen Haaren schaut mir entgegen. Ich streiche mir ein paar nasse Strähnen hinters Ohr und betrachte mein Gesicht von allen Seiten. Meine Haut ist pickelig, gezeichnet von zu viel Stress und Schokolade. Meine Augen sind leicht gerötet, meine Lippen schmal und blass. May hat zwar gesagt, dass Sam und ich jetzt quitt sind, aber ich möchte mich damit nicht zufrieden geben. Im Gegensatz zu Sam kann ich nämlich kein neues Leben in Amerika beginnen. Ich muss hier bleiben, wo mich alles an sie erinnert. Deshalb muss ich etwas tun, das mich ablenkt. Etwas, das mir persönlich guttut. Und das ist, mich weiter mit Claudia zu treffen. May und Lis werde ich davon nichts erzählen, die verstehen das sowieso nicht. Vermutlich hat noch nie jemand ihnen dermaßen das Herz gebrochen. Auch wenn Lis vor einiger Zeit so ein Theater wegen Sven gemacht hat. Sie hat ihn offensichtlich nicht so sehr geliebt, wie ich Sam. Für mich ist Sam die große Liebe und hinterlässt ein riesiges Loch in meinem Herzen. Es ist unmöglich, es zu stopfen, aber Claudia klebt zumindest ein Pflaster darüber, damit das Loch nicht mehr zu sehen ist.
***
Als ich das Bad verlasse, ist es dunkel im Zimmer. May und Lis sind offensichtlich auch schlafen gegangen. Ich schließe die Badtür so leise ich kann und husche auf Zehenspitzen zu meinen Bett. Da höre ich es: Ein leises Schluchzen. Zuerst bin ich irrtiert. War ich zu hart zu Lis gewesen? Ich schäme mich, dass ich meine Wut an meinen Freundinnen ausgelassen habe. Ich hatte einfach nicht gewusst, wie ich mit ihrem Unverständnis umgehen soll. Ich schleiche mich näher an Lis’ Bett heran, will ihr zuflüstern, dass es mir leidtut. Doch dann wird mir bewusst: Es ist nicht Lis, die weint. Das Schluchzen kommt aus dem Bett über ihr.
»Sam?«, wispere ich.
Sofort verstummt das Schluchzen.
»Sam? Ist alles okay?«
Stille. Ich hebe in Zeitlupe die Hand und nähere mich ihrem Rücken, den sie mir zugewandt hat. Doch wenige Millimeter davor halte ich inne und ziehe die Hand zurück. Sam schnarcht leise. Hat sie im Schlaf geweint? Oder schauspielert sie, um nicht mit mir reden zu müssen? In meiner Brust macht sich ein nagendes Gefühl der Schuld breit. Es schwillt rasend schnell an und ich muss meine Tränen zurückhalten. Obwohl ich weiß, dass mein schlechtes Gewissen und mein innerer Schmerz mich die ganze Nacht wachhalten werden, schlüpfe ich in mein Bett und drehe mich von Sam weg. Ich will nicht, dass es jemals Morgen wird. Ich will nicht, dass der Tag kommt, an dem ich mich für immer von meiner großen Liebe verabschieden muss.

Hier kommst du zur Übersicht über alle bisher erschienen Kapitel, dem Klappentext und Hintergrundinfos zum Blogroman.

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