Das Geständnis | KW09/2020 #WritingFriday

Hallihallo,

schön, dass du bei mir vorbeischaust. Heute mache ich mal wieder mit einer Kurzgeschichte beim #WritingFriday mit. Ich hatte gestern ein bisschen Zeit, mir etwas auszudenken und es hat richtig Spaß gemacht, wieder dabei zu sein. Ich möchte unbedingt versuchen, wieder regelmäßiger bei der Aktion teilzunehmen, weil ich sie wirklich spitze finde und auch das Gefühl habe, dass sie mich als Autorin sowohl fordert, als auch fördert. Dadurch, dass ich mir immer relativ spontan eine Geschichte oder einen kleinen Text einfallen lassen muss, lerne ich, meine Fantasie und Kreativität fließen zu lassen. Das ist sehr schön und das möchte ich unbedingt beibehalten.

Die Aktion wird immer freitags von Elizzy von read books and fall in love gehostet. Schau gerne mal bei ihr vorbei. Wie die Aktion funktioniert? Ganz einfach: Elizzy gibt uns jeden Monat mehrere Schreibaufgaben an die Hand, von denen wir uns immer freitags eines aussuchen und darüber schreiben dürfen.

Folgende Themen stehen für den Februar 2020 zur Auswahl:

writing friday 2020

Mein Thema heute: Schreibe eine “Streit-Szene” – egal ob zwischen einem Paar, Geschwistern oder Freunden – wichtig ist hierbei das Üben eines Dialoges. Lasse aber Beschimpfungen aus und versuche den Konflikt am Ende zu beseitigen.

Das Geständnis

Ihr Herz polterte ihr gegen die Rippen, als sie die Stufen zu seiner Tür hochstieg. Sie wischte sich die feuchten Handflächen an der Jeans ab, zögerte einen Augenblick. Durchatmen, dachte sie und nahm ein paar tiefe Atemzüge. Doch ihr Pulsschlag wollte sich nicht beruhigen. Sie biss auf die Zähne und drückte den Klingelknopf. Ein blechernes Schellen war zu hören. Ihr ganzer Körper schlotterte und am liebsten hätte sie auf dem Absatz kehrt gemacht und wäre davongelaufen. Doch das wäre verdammt feige gewesen. Hinter dem Glas der Tür konnte sie einen herannahenden Schemen erkennen. Ihr wurde übel. Was, wenn sie gleich umkippen würde? Sie trat von einem Fuß auf den anderen. Der Schemen erreichte die Tür und öffnete sie.

„Du?“ Er riss die Augen auf. Seine wunderschönen meerblauen Augen, in denen sie schon so oft versunken war. Doch diesmal waren sie nicht liebevoll, sondern panisch. „Was machst du hier?“

„Ich muss mit dir reden.“ Ihre Stimme klang heiser und rau.

„Ich kann jetzt nicht. Meine Frau ist da. Verschwinde, sie darf uns nicht zusammen sehen.“

„Es ist aber wichtig.“

Er stöhnte. „Hat das nicht bis morgen Abend Zeit? Da ist Marietta nicht da und wir könnten uns treffen.“

„Nein, hat es nicht. Ich muss es dir SOFORT sagen!“

„Schrei doch nicht so!“ Er trat aus der Tür und zog sie zu. „Was gibt es denn so Wichtiges?“

Sie sah zu Boden. Tränen sammelten sich in ihren Augen. „Ich bin schwanger.“

„WAS?“

„Jetzt bist du’s aber, der schreit.“

Er packte sie am Arm und zog sie die Stufen hinunter in Richtung Garage. Das Tor stand offen und obwohl sein roter Fiat darin parkte, fanden sie Platz. Er schloss das Garagentor hinter ihnen, versperrte jeden Fluchtweg. Sie fühlte sich eingesperrt und ihre Brust schnürte sich zu. Er baute sich vor ihr auf, die Hände in die Seiten gestützt, und funkelte sie wütend an. „Das ist nicht dein Ernst.“

„Meinst du, ich mache über sowas Witze?“, rief sie mit erstickter Stimme.

„Aber du hast doch gesagt, dass du die Pille nimmst.“

„Tue ich ja auch.“

„Dann kann das doch gar nicht möglich sein.“

„Na ja, vielleicht hab ich ein paar Mal vergessen, sie zu nehmen.“

Er schnaubte, fuhr sich durch sein schwarzes Haar, das sie so gerne durchwuschelte. „Das darf doch nicht wahr sein! Weißt du, was das für eine Riesenscheiße ist? Ich bin verheiratet. Seit zehn Jahren. Wenn Marietta erfährt, dass wir … das kann ich ihr nicht antun.“

„Glaubst du, das ist mir nicht bewusst? Glaubst du, mir fällt die Situation leicht? Ich bin neunzehn! Verdammt nochmal, ich war vor zwei Jahren selbst noch ein Kind. Und ich mache meinen Bachelor. Ich habe keine Zeit, mich um ein Kind zu kümmern und kann es mir nicht leisten, im Studium auszufallen. Ganz zu schweigen davon, dass ich von meinem Minilohn als Kellnerin wohl kein Kind großziehen kann.“

Er presste seine Lippen so fest zusammen, dass sie nur noch eine dünne Linie bildeten. Sein Unterkiefer zuckte, die Augen bohrten sich in ihren Bauch. „FUCK!“ Er trat gegen einen Kanister, der scheppernd in die Ecke unter ein Regal flog.

Erschrocken wich sie ein paar Schritte zurück. Sie fuhr sich über die feuchten Augen und schluckte die Tränen hinunter. In ihrem Hals bildete sich ein Kloß, so groß wie ein Tennisball. Sie sah ihm dabei zu, wie er in der Garage auf und ab hastete. Seine Unruhe machte sie völlig verrückt.

„Es tut mir leid.“

„Es tut dir LEID?“ Er blieb stehen und in seinem Blick lag so viel Hass, dass ihr Herz in tausend Stücke zersprang. „Das ist die größte Scheiße, die mir je in meinem Leben passiert ist. Ich hätte mich nie darauf einlassen sollen.“

„Hast du aber …“

„Ja, weil ich mich von deinem verdammten Charme hab einwickeln lassen!“

Sie ging langsam auf ihn zu. Er rührte sich nicht von der Stelle, als sie seinen Oberarm berührte. „Bitte. Beruhige dich. Wir finden schon eine Lösung.“

Er stieß einen lauten Lacher aus. „Es gibt dafür nur eine Lösung.“

„Und die wäre?“

„Du musst abtreiben.“

Sie schluckte. Sie hatte ja mit vielem gerechnet, aber nicht damit. „Das verlangst du jetzt nicht wirklich von mir, oder?“

„Doch, tue ich. Du bist dran schuld, also sorgst du auch dafür, dass das Problem gelöst wird.“

„Du kannst nicht die ganze Schuld auf mich abwälzen. Du bist dreißig und hast eine Affäre mit einer Neunzehnjährigen. Du hängst da genauso mit drin, wie ich.“

Er verzog das Gesicht, senkte den Kopf und starrte auf seine Füße, die in Birkenstocks steckten. Eine ganze Weile sagte er kein Wort.

Diese Stille war noch schlimmer zu ertragen, als seine Wut. In ihr krampfte sich alles zusammen. Sie hörte ihren eigenen Herzschlag in ihren Ohren donnern. Gerade, als sie dazu ansetzen wollte, etwas zu sagen, hob er den Kopf und sah sie durchdringend an.

„Du hast recht. Tut mir leid, dass ich … na, du weißt schon.“

„Ist okay.“ Sie kaute auf ihrer Unterlippe herum, schlang die Arme um ihren Oberkörper.

Seine Augen glänzten, als er mit sanfter Stimme fragte: „Was machen wir denn jetzt?“

Sie zuckte mit den Schultern. „Wenn ich das bloß wüsste. Aber töten werde ich mein Baby auf keinen Fall. Lieber werde ich eine hochverschuldete Alleinerziehende und breche mein Studium ab.“

„Auf keinen Fall. Ich bin für dich da. Wir schaffen das schon … irgendwie.“

„Danke.“ Ihre Stimme versagte und die Tränen liefen ihr über die Wangen.

Er breitete die Arme aus und zog sie sich. „Alles wird gut.“

In diesem Moment öffnete sich das Garagentor und die Frau, die sie von den Familienfotos in seinem Haus kannte, stand vor ihnen. „Was ist denn hier los?“


Vielleicht interessiert dich auch das?

Achtung!

Beim Kommentieren dieses Beitrags werden Daten (z. B. Name, E-Mail, Website, IP-Adresse) erhoben und gespeichert. Mit dem Absenden deines Kommentars erklärst du dich mit der Datenschutzerklärung einverstanden.

4 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s