Blogroman | „Freche Mädchen küssen besser“ | 34. Kapitel

Schön, dass du vorbeischaust. Heute geht es mit meinem Blogroman „Freche Mädchen Emma Escamillaküssen besser“ weiter und ich habe soeben auf Wattpad gesehen, dass die Geschichte dort schon über 35.000 Aufrufe verzeichnet. Das macht mich wahnsinnig glücklich. Obwohl ich auch fast 350 Kommentare bekommen habe, ist leider nur wenig konstruktives Feedback dabei. Deshalb noch einmal eine Bitte an dich: Wenn du meinen Blogroman liest und dich irgendetwas stört oder du einen Verbesserungsvorschlag hast, lass es mich bitte wissen. Wenn du nicht öffentlich kommentieren möchtest, kannst du das auch gerne per E-Mail machen.
Im heutigen Kapitel muss Dany mit der Trennung von Sam fertigwerden. Sie sieht nur noch schwarz und weiß nicht mehr weiter – wie gut, dass sie auf dem Internat Freude hat, die ihr zur Seite stehen. Und Uli verrät ihr heute sogar ein Geheimnis – was das ist, erfährst du im 34. Kapitel.
Im Laufe des Tages erscheint die Geschichte auch wieder auf Wattpad, Sweek und FanFiktion.de.
Jetzt wünsche ich dir viel Spaß beim Lesen und hoffe, dass dir das Kapitel gefällt.

34. Kapitel: Ulis Geständnis

“Ach, Süße. Das tut mir so leid.” Lis breitet die Arme aus und drückt mich so fest an sich, dass ich kaum Luft bekomme. Sie riecht nach Vanille, was mich sofort an Sam erinnert. Ich schluchze hemmungslos und vergrabe das Gesicht an Lis’ Schulter. Sie tätschelt mir den Rücken und redet leise auf mich ein, doch ihre Worte verschwimmen und immer wieder kann ich Sam vor mir sehen und ihren entschlossenen Gesichtsausdruck, als sie mir sagt, dass es mit uns vorbei ist.
“Ich kann nicht verstehen, warum sie mir das antut. Wir waren doch so glücklich. Was ist passiert, dass Sam … dass sie …” Meine Stimme versagt und ich heule wie ein Baby. May reicht mir ein Päckchen Taschentücher und ich nehme es schniefend an. Geräuschvoll putze ich mir die Nase und stopfe das Taschentuch in meine Hosentasche. Wie benommen starre ich ins Leere. Mein Herz tut so schrecklich weh, ich war mir gar nicht bewusst, dass ein Herz so wehtun kann. Einen ähnlichen Schmerz habe ich bisher nur einmal erlebt: Als meine Mutter starb. Erneut einen Verlust zu erleiden, macht mich völlig fertig. Auch wenn Sam nicht tot ist, würde sie für immer aus meinem Leben verschwinden und ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte.
“Vielleicht beruhigt sich Sam ja wieder”, sagt May und wirft mir einen scheuen Blick zu.
Ich will etwas darauf antworten, aber ich kann nichts sagen. In mir toben tausend Gefühle und mir ist klar, dass Sams Entscheidung feststeht. Daran gibt es nichts zu rütteln. Trotzdem stelle ich mir ständig die Frage, ob wirklich mein Vater die Schuld an der Trennung trägt oder ob das nur eine Ausrede war. Hatte ich etwas falsch gemacht? Hatte ich Sam nicht genügend beigestanden, als mein Vater sie verurteilt hat?
“Deine Nase läuft”, bemerkt May, nimmt mir das Päckchen Taschentücher aus der Hand, zieht ein Tuch heraus und will meine Nase damit abwischen, doch ich schlage blitzschnell ihre Hand weg.
Erschrocken weicht May zurück. Sie reißt die Augen auf und hebt die Hände. “Sorry! Ich wollte nur helfen.”
Ich schüttle mit dem Kopf. “Mir kann man nicht helfen”, flüstere ich und bin mir nicht sicher, ob Lis und May mich überhaupt verstanden haben. Das ist aber auch egal, denn genau in diesem Augenblick geht die Tür auf und Sam kommt herein. Sie wirft mir einen kurzen Blick zu, verzieht das Gesicht und murmelt: “Wir sollten uns beeilen. Der Unterricht fängt gleich an.” Sie verschwindet mit ein paar frischen Klamotten im Bad. May packt ihren Rucksack, während Lis noch immer mit mitleidigem Blick neben mir steht.
“Kannst du mitkommen?”, fragt sie. “Oder sollen wir sagen, dass du krank bist?”
Ich atme tief durch und wische mir über die feuchten Augen. “Schon gut, ich komme mit.”
Der Unterricht ist eine Qual. Obwohl ich versuche, zuzuhören und Uli sich in den Pausen alle Mühe gibt, mich zu trösten, schaue ich immer wieder zu Sam. Ich sehe nur ihren Hinterkopf, da sie sich die ganze Zeit nicht umdreht, aber das reicht, um die Wunde in meinem Herzen immer weiter aufzureißen. Ich blinzle, um meine Tränen zurückzuhalten. Meine Finger ballen sich unter dem Tisch zu Fäusten. Ich bin wütend und gleichzeitig verletzt. Ich fühle mich ungerecht behandelt und genauso schuldig. Was Frau Pätzold vorne an der Tafel erzählt, klingt weit weg, als wäre ich nicht mehr im selben Raum. Sam beugt sich zu Thomas hinüber, flüstert ihm etwas zu und die beiden lachen. Das bringt das Fass zum Überlaufen. Ich springe auf und renne aus dem Klassenzimmer. Ich will nur noch weg, weit weg. Weg von Sam und all den anderen. Ich will nichts mehr sehen, nichts mehr hören. Ich laufe die Treppen hinunter, stoße beinahe mit dem Hausmeister zusammen, der mir irgendetwas hinterherschreit, und stürze zur Eingangstür hinaus. Hastig überquere ich den Pausenhof und verlasse das Schulgelände. Meine Füße laufen wie von selbst. Ich weiß nicht, wo ich hin soll, doch meine Beine tragen mich in den Wald. Ich renne und renne, bis ich nicht mehr kann und mich völlig außer Puste auf einen Baumstumpf niederlasse. Mein Atem geht laut und stoßweise. Ich halte mir die Seite, weil ein heftiges Stechen sich bemerkbar macht. Mein Körper zittert, obwohl mir heiß ist. Mein Pulli klebt mir am Körper und ich wische mir ein paar verirrte Haarsträhnen aus der Stirn. Erst jetzt merke ich, dass meine Wangen von Tränen nass sind. Ich schlage die Hände vors Gesicht und weine. Der innere Schmerz ist unerträglich und irgendwann schreie ich all meine Wut und Verzweiflung heraus. Ich schreie, als hätte mir jemand ein Messer ins Herz gebohrt. Es tut genauso so weh.
“Da bist du ja.”
Ich zucke zusammen. Ich habe Uli gar nicht kommen gehört. Er geht vor mir auf die Knie und drückt mich an sich. Obwohl er wieder ein bisschen nach Schweiß riecht, tut mir die Umarmung gut und sein Geruch beruhigt mich. Wenigstens kein Vanilleduft. Als er sich von mir löst, schimmert Sorge in seinen Augen.
“Es tut mir so leid, was passiert ist. Ich kann Sam nicht verstehen. Ich meine, ihr habt immer den Eindruck gemacht, dass nichts und niemand euch auseinanderbringen kann.”
“Das dachte ich auch immer.” Meine Stimme klingt vom Weinen und Schreien ganz heiser und kratzig.
“Was ist den Ferien vorgefallen, dass sie so eine drastische Entscheidung getroffen hat?”
“Das frage ich mich auch”, flüstere ich. “Ich dachte, unsere Liebe sei stark genug, dem Widerstand zu trotzen.”
“Welchem Widerstand?”
Ich starre auf meine Schuhspitzen und presse die Lippen aufeinander.
“Du musst es mir nicht erzählen, wenn es zu sehr schmerzt.” Uli tätschelt mir den Oberarm.
“Doch. Wir sind befreundet und du hast ein Recht darauf, es zu erfahren.” Ich hole tief Luft und erzähle Uli alles, was passiert ist. Wie ich Sam vermisst habe, wie sie zu uns kommen durfte, wie mein Vater sie behandelt hat und abschließend, wie Sam abgereist war und mich voller Angst und Unsicherheit zurückließ. “Ich hatte die ganze Zeit ein schlechtes Gefühl”, beende ich meinen Bericht. “Ich habe aber nicht wahrhaben wollen, dass es mir die Wahrheit sagt.”
“Unsere Intuition sagt uns oft, was richtig ist. Ob wir es hören wollen oder nicht.”
“Es tut so scheiße weh.”
“Das glaube ich dir.”
“Ich weiß nicht, wie ich ohne sie weitermachen soll. Vor allem – weil sie wegziehen will. Nach Amerika. Dann sehe ich sie nie wieder.” Ich schluchze laut auf und wische mir eine Träne aus dem Augenwinkel.
“Das ist schrecklich. Ich werde sie auch vermissen.”
“Ja, aber es ist nicht dasselbe. Du bist nicht in sie verliebt, also wirst du leichter darüber hinwegkommen.”
Er zuckt die Schultern. “Das stimmt. Aber sie ist eine gute Freundin, natürlich wird sie mir auch fehlen.”
“Hast du jemals jemanden verloren und geglaubt, dass du ohne diese Person nicht überleben kannst?”
Uli neigt den Kopf und betrachtet mich nachdenklich. “Ja, meinen Opa. Wir standen uns sehr nahe. Er ist vor zwei Jahren gestorben.”
“Das tut mir leid. Aber ich meinte eher, eine Person, in die du verliebt warst.”
Ulis Wangen erröten. Er weicht meinem Blick aus und steht auf. “Ich war noch nie verliebt.”
“Was? Noch nie? Wirklich?”
“Ja. Ich weiß nicht, wie sich das anfühlt – romantische Liebe. Ich glaube seit einiger Zeit, dass ich aromantisch bin.”
Ich runzle die Stirn. Den Begriff hatte ich noch nie gehört. “Was ist das denn? Sowas wie Asexualität?”
“Ja, so ähnlich.” Er tritt von einem Fuß auf den anderen. “Asexualität bedeutet, dass man keinerlei sexuelle Anziehung verspürt. Aber romantische Liebe schon. Aromantik hingegen heißt, dass man sich nicht verlieben kann. Ich weiß, wie sich starke platonische Liebe anfühlt. So etwas, was ich für meinen Opa empfunden habe. Aber von Romantik habe ich keine Ahnung.”
“Das tut mir leid.”
Er stößt ein lautes Lachen aus. “Das ist mir ehrlich gesagt egal. Und wenn ich sehe, wie schmerzvoll romantische Liebe sein kann, bin ich ganz froh, das nicht erleben zu müssen.”
“Das kann ich verstehen”, sage ich und beneide Uli insgeheim.
“Aber bitte erzähle das nicht weiter, ja? Du bist die Erste, der ich das anvertraut habe.”
Ich erwidere seinen flehenden Blick mit einem sanften Lächeln. “Natürlich. Danke für dein Vertrauen.”
Er nickt. “Es hat sich gut angefühlt, es jemandem zu sagen. Du willst doch trotzdem noch mit mir befreundet sein, oder?”
Ich stehe auf und nehme seine Hände. “Natürlich, Uli. Natürlich möchte ich mit dir befreundet sein. Nach diesem Geständnis sogar noch mehr als vorher. Du bist ein ganz besonderer Mensch und ich bin froh, dass wir uns begegnet sind.”
Jetzt erscheint auch auf seinen Lippen ein Lächeln. “Danke, Dany. Mir geht es ganz genauso.”

Hier kommst du zur Übersicht über alle bisher erschienen Kapitel, dem Klappentext und Hintergrundinfos zum Blogroman.

Achtung!

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