Valentinstag | KW07/2020 #WritingFriday

Schön, dass du bei mir vorbeischaust. Heute ist endlich Freiiiitag und das Wochenende steht vor der Tür. Ich bin gerade etwas nervös, denn der Lieblingsmensch hat am Montag mündliche Prüfungen für seinen Bachelor und ich leide mit ihm. Es heißt zwar, dass er sich dort eigentlich nur noch verbessern kann, aber man weiß ja nie. Deshalb meine Bitte: Drückt ihm die Daumen, ja?

Doch nun kommen wir zum eigentlichen Anlass dieses Blogposts: dem #WritingFriday, einer Aktion von Elizzy von read books and fall in love. Hierbei werden uns jeden Monat mehrere Schreibaufgaben vorgegeben, aus denen wir uns immer freitags eine aussuchen und darüber schreiben dürfen.

Da heute Valentinstag und dies der Blog einer Liebesromanautorin ist, gibt es natürlich auch eine Valentinstaggeschichte. Ich hoffe, sie gefällt euch.

Folgende Themen stehen für den Februar 2020 zur Auswahl:

  • Eine rote Rose erzählt aus ihrem Alltag, berichte davon.
  • Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Gänsehaut, Libelle, rundherum, aufgeschrieben, 5 Jahre
  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Die Uhren liefen rückwärts, als…” beginnt.
  • Welches Buch hat dich als Teenager (von 13 – 18) begeistert? Magst du es heute auch noch?
  • Schreibe eine “Streit-Szene” – egal ob zwischen einem Paar, Geschwistern oder Freunden – wichtig ist hierbei das Üben eines Dialoges. Lasse aber Beschimpfungen aus und versuche den Konflikt am Ende zu beseitigen.

writing friday 2020

Diese Woche habe ich mir folgendes Thema ausgewählt: Eine rote Rose erzählt aus ihrem Alltag, berichte davon.

Valentinstag

Ich lehnte mit einer kleinen Gruppe anderer roter Rosen in einem Wassereimer und wartete gespannt auf Kundschaft. Die Blumenhändlerin stand am Fenster und sah auf die Straße hinaus. Eine feine Schneeschicht hatte den Asphalt wie Puderzucker überzogen. Sie schien gedankenverloren. So früh am Morgen hatte sie selten Kunden, obwohl heute Valentinstag war. Doch der große Ansturm würde wohl erst später kommen.

Ich flirtete ein bisschen mit einer Gerbera, die mir ihren süßen Duft herüberschicke. Ihre Blütenblätter leuchteten in so einem kräftigen Gelb, dass sie mich beinahe blendeten. Sie war wunderschön. Ob sie mich genauso anziehend fand?

Das Schrillen der Glocke über dem Eingang riss mich aus den Gedanken. Eine junge Frau kam herein und sah sich um.

Die Blumenhändlerin lächelte ihr zu. „Guten Morgen, wie kann ich Ihnen helfen?“

Die Frau erwiderte das Lächeln schüchtern. „Ich hätte gerne einen Strauß für meinen Freund.“

„Ah, Valentinstagblumen? Was für Blumen dürfen es denn sein?“

„Rosen. Rote Rosen, seine Lieblingsblumen.“

„Der Klassiker.“ Die Blumenhändlerin nickte, eilte auf uns zu und holte ein paar von uns aus dem Eimer. Als sie mich ergriff, kribbelte mein ganzer Stängel vor Aufregung. „Mit ein bisschen Grün?“, fragte sie.

Die junge Frau nickte. „Gerne.“

Die Blumenhändlerin zauberte aus ein paar Blättern und uns Rosen ein fantastisches Valentinstaggeschenk. Sie wickelte rosafarbenes Papier um unsere Stängel und reichte der Frau den Strauß. „Das macht 18,90 Euro.“

Die Kundin kramte in ihrem Portemonnaie und reichte der Verkäuferin einen Zwanzig-Euro-Schein. Diese gab ihr das Rückgeld und verabschiedete sich mit den Worten: „Einen schönen Valentinstag Ihnen und Ihrem Freund.“

Die Frau bedankte sich, doch irgendetwas an ihrem Ton verunsicherte mich. Ich konnte aber nicht recht benennen, was es war.

Als uns die Frau in den Kofferraum ihres schwarzen Kleinwagens packte, ahnte ich noch nicht, wohin mich die Reise führen würde.

Die Frau schloss den Kofferraum und es wurde dunkel um uns herum. Die Luft war stickig und stank nach Schweiß, Benzin und muffigen Textilien. Ich hörte, wie die Fahrerin einstieg. Kurz darauf heulte der Motor auf und das Auto setzte sich in Bewegung. Nach einer Weile schaltete die Frau das Radio ein. Es dudelte leise vor sich hin und die Frau summte einen Song mit. Ich kuschelte mich an die anderen Rosen und war gespannt, was mich erwarten würde. War ich eine Überraschung? Oder rechnete er mit mir? Würde ich Zeugin einer romantischen Liebesnacht oder eines Candle-Light-Dinners?

Ein leises Schluchzen riss mich aus den Gedanken. Erschrocken spitzte ich die Ohren. Kein Zweifel, die Frau weinte. Ich wünschte mir in diesem Moment, dass ich einen Mund hätte und die Frau fragen könnte, was mit ihr los sei oder sie zu trösten. Das Auto kam zum Stehen. Ich wartete darauf, dass die Autotür aufging und die Frau uns aus dem Kofferraum holte, doch es war alles still. Hätte ich ein Herz gehabt, hätte es in dieser Minute wohl schneller geschlagen. Was war los?

Ein lautes Schnäuzen erklang. Dann hörte ich die Frau mehrmals tief durchatmen. Schließlich öffnete sie wirklich die Autotür und wenige Minuten später wurde es hell. Die Frau stand vor uns, die Augen gerötet und so voller Trauer, dass es mir richtig wehtat, sie anzusehen. Sie griff nach uns und wir verließen endlich den stickigen Kofferraum. Jetzt sah ich auch, wo wir uns befanden und ich begriff, warum die Frau geweint hatte.

Sie trug uns den Weg entlang. Überall sah ich Kollegen: Akeleien, Chrysamthemen, Nelken, Vergissmeinnicht, Lilien, Stiefmütterchen und Tulpen. Sogar ein paar weiße und rote Rosen hier und da. Schließlich bog sie ab auf einen schmalen Pfad. Ihre Hand, mit der sie uns umklammerte, zitterte. Erst nur ein bisschen, dann immer stärker. Die Frau blieb stehen.

Sie ging in die Hocke und legte uns Rosen auf die feuchte Erde zwischen ein paar Veilchen, direkt am Fuße des Grabsteins.

„Frohen Valentinstag, mein Schatz“, sagte sie mit erstickter Stimme.


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