Blogroman | „Freche Mädchen küssen besser“ | 33. Kapitel

Soo, entschuldige, dass es heute ein bisschen später geworden ist, bis ich das Kapitel Emma Escamillahochgeladen habe. Ich werde versuchen, das nächste wieder pünktlich um 8 Uhr morgens online zu stellen.

In der heutigen Folge trifft Dany endlich, endlich, endlich wieder auf Sam. Warum hat diese ihr nicht auf ihre Nachrichten geantwortet? Hat ihre Liebe noch eine Chance?

Lasse mir gerne wieder Feedback in den Kommentaren oder per E-Mail da. Ich freue mich immer darüber.

Ich bin das Kapitel mehrmals durchgegangen und habe es überarbeitet – sollten dir dennoch Fehler auffallen, scheue dich nicht, mir das mitzuteilen.

Im Laufe des Tages erscheint die Geschichte auch wieder auf Wattpad, Sweek und FanFiktion.de.

Jetzt wünsche ich dir viel Spaß mit dem 33. Kapitel!

33. Kapitel: Konfrontation mit der Wahrheit

 

Mein Herz klopft mir bis zum Hals, als ich die Klinke unserer Zimmertür herunterdrücke. Was wird Sam sagen, wenn sie mich sieht? Werde ich gleich offiziell von ihr abserviert? Ich atme tief durch und schiebe die Tür auf. Zunächst erblicke ich May und Lis, die auf dem Boden sitzen und lernen oder Hausaufgaben machen. Mein Blick wandert zu Sams Bett. Sie liegt mit dem Rücken zu mir unter ihrer Decke und rührt sich nicht.
“Schläft sie schon?”, flüstere ich.
“Dany! Schön, dich zu sehen. Wir  wussten nicht, dass du heute noch kommst”, ruft Lis und springt auf. Sie umarmt mich stürmisch.
Unbeholfen tätschle ich ihr den Rücken. “Ja, ich war mir selbst nicht sicher, ob ich heute noch zurückkehren kann. Aber es hat geklappt. Mein Arzt hat mir grünes Licht gegeben.”
“Oh ja, die Verletzungen. Wie geht es dir?”, fragt Lis und schaut besorgt auf meine Füße, die in dunkelblauen Chucks stecken.
“Wieder gut. Die Verbrühungen sind fast verheilt.” Ich ziehe meine Jacke aus und werfe sie auf mein Bett. “Was macht ihr gerade?”
“Wir schreiben Aufsätze für Englisch. Ein kurzer Bericht darüber, was wir in den Ferien gemacht haben. Sam ist schon fertig.” May nimmt ihr Handy und tippt darauf herum. “Wir müssen ständig Vokabeln nachschlagen, deshalb brauchen wir doppelt so lange wie sie.” May seufzt.
Lis setzt sich wieder zu ihr und nimmt ihren Block zur Hand. “Wenigstens dürfen wir eine Wörterbuch-App benutzen. Das geht viel schneller, als die Vokabeln in einem Buch zu suchen.”
Ich werfe Sam nochmal einen Blick zu, doch sie scheint wirklich schon zu schlafen. Enttäuscht schlüpfe ich in meinen Pyjama und lasse mich dann mit einem Stift und Block bewaffnet zwischen May und Lis nieder. Ich überlege, was ich schreiben könnte, doch es will mir zunächst nichts Sinnvolles einfallen. Es ist viel passiert in den Ferien – doch will ich das wirklich der Klasse erzählen? Was zwischen Sam und meinem Vater vorgefallen ist, geht schließlich niemanden etwas an. Ich frage mich, was Sam wohl geschrieben hat. Ich würde so gerne ihren Aufsatz lesen. Ob ich darin gut wegkomme? Oder hat sie all ihren Frust von der Seele geschrieben? Ich könnte es ihr nicht verdenken. Ich beschließe, über Sams Besuch zu schreiben, aber nur die positiven Erlebnisse. Das einzig Negative, das ich erwähne, ist mein Unfall mit der Teetasse. Und den beschreibe ich mit so viel schwarzem Humor, dass man ihn nicht mehr als “negativ” bezeichnen kann.
Das Schreiben des Aufsatzes lenkt mich ein bisschen ab, doch immer wieder drängen sich schlimme Gedanken auf. Was ist mit Sam los? Ist sie mit Absicht früh schlafen gegangen, damit sie nicht mit mir reden muss? Oder ist das alles ein blöder Zufall? Ich werfe ihr immer wieder verstohlene Blicke zu, betrachte ihren Rücken und Hinterkopf. Die Bettdecke hebt und senkt sich gleichmäßig.
“Sie war heute Morgen schon um fünf wach.” Lis sieht mich mitleidig an. “Ich weiß auch nicht, was mit ihr los ist. Sie wirkt verändert.”
“Ich habe Angst”, flüstere ich.
“Wieso das denn?” May mustert mich mit kritischem Blick.
Lis sieht sie entschuldigend an und erklärt: “Die beiden haben sich gestritten und Sam ist einfach abgehauen.”
“In den Ferien?” May zieht die Augenbrauen hoch.
Ich nicke. Ein fetter Kloß steckt in meiner Kehle und nimmt mir beinahe die Luft zu atmen. Ich will Sam schütteln und aufwecken. Und dann will ich von ihr geküsst werden, voller Leidenschaft, so wie wir uns früher geküsst haben. Früher – so lange ist das noch gar nicht her. Doch es kommt mir vor wie eine Ewigkeit. Ich muss die Tränen zurückhalten, will vor May und Lis keine Schwäche zeigen. Ich beiße die Zähne zusammen und konzentriere mich wieder auf meinen Aufsatz.
Ich kann die ganze Nacht nicht schlafen, wälze mich von einer Seite auf die andere. Die Angst vor dem nächsten Morgen ist so übergroß, dass ich einfach nicht zur Ruhe komme. Ich greife nach meinem Handy, das auf dem Nachttisch liegt, und checke Twitter und Instagram, aber dadurch werde ich nur noch wacher. Erst gegen vier Uhr morgens werden meine Lider schwer und ich gleite in einen traumlosen Schlaf. Allerdings ist der von kurzer Dauer. Ungefähr eine Stunde später werde ich vom Rauschen der Klospülung geweckt. Ich blinzle ins Halbdunkel und erkenne, dass Sam nicht mehr in ihrem Bett liegt. Auf einen Schlag bin ich hellwach. Mein Puls beschleunigt sich und ich versuche, ruhig zu atmen. Die Badezimmertür geht auf und Sam kommt heraus. Sie trägt ihren Trainingsanzug und schlüpft in ein Paar Turnschuhe. Soll ich mich bemerkbar machen? Wäre jetzt nicht der ideale Moment, um mit ihr zu reden? Doch ehe ich mich entscheiden kann, ob ich ihr weiter die Schlafende vorspielen oder sie mit ihrem merkwürdigen Verhalten mir gegenüber konfrontieren soll, öffnet sie leise die Tür und schlüpft hinaus auf den Flur. Kaum ist Sam verschwunden, springe ich aus dem Bett und ziehe mich in Windeseile an. Ich muss mit ihr sprechen. Je früher desto besser. Vermutlich geht sie in den Wald um zu joggen. Dort werde ich sie abfangen. Ohne mir die Zähne zu putzen oder meine zotteligen Haare zu bändigen, verlasse ich as Zimmer und haste den Gang entlang. Ob sie um diese Uhrzeit wirklich joggen geht? Noch ist die Sonne nicht aufgegangen und im Wald gibt es keine Straßenlaternen. Ich mache mir ein bisschen Sorgen, dass sie im Dunkeln durch den Wald irren könnte. Als ich das Internat verlasse, sehe ich Sams schwarze Silhouette gegen das Eingangstor gelehnt eine Zigarette qualmen. Das ist meine Gelegenheit!
Ich nähere mich ihr langsam, rechne damit, dass sie mich jeden Moment sehen und die Flucht ergreifen könnte. Doch als Sam den Kopf in meine Richtung dreht, rührt sie sich nicht vom Fleck. Sie mustert mich schweigend, zieht an ihrer Kippe.
“Du solltest wirklich damit aufhören.” Ich bleibe vor Sam stehen und rümpfe die Nase, als sie mir den Qualm ins Gesicht bläst. “Lass das, das ist echt scheiße von dir.”
Sie antwortet nicht, nimmt nur noch einen Zug, ehe sie die Zigarette auf den Boden wirft und mit der Schuhspitze zerquetscht.
“Warum hast du nicht auf meine Nachrichten geantwortet?” Ich stemme die Hände in die Hüften und sehe sie direkt an.
Sie weicht meinem Blick aus, zuckt mit den Schultern.
“Verdammt, was ist los mit dir, Sam?” Meine Stimme zittert verräterisch und ich bin kurz davor, in Tränen auszubrechen. “Ist es wegen meinem Vater? Bist du immer noch sauer auf ihn?”
Sie blickt auf, schaut mir ins Gesicht. “Ja, in gewisser Weise.”
“Was soll das heißen?”, frage ich lauter als beabsichtigt. Es ist meine Panik, die mich beinahe schreien lässt.
“Ich hasse deinen Vater. Wie er mit mir umgegangen ist, war völlig daneben. Und das blockiert mich gerade total.”
“Aber jetzt sind wir doch wieder hier. In Sicherheit. Mein Vater ist weit weg und wir können wieder genauso weitermachen, wie vor den Ferien.”
“Nein, Dany. Das können wir nicht.”
“Warum nicht?”
“Weil ich die ganze Zeit die Gemeinheiten im Kopf habe, die dein Vater von sich gegeben hat. Ich erinnere mich daran, jedes Mal, wenn ich dich sehe. Hinzu kommt, dass ich weiß, dass du deinen Vater liebst und brauchst. Ich meine, er ist dein Vater. Und da er gegen unsere Beziehung ist, ist es besser, wenn wir die Sache sein lassen.”
“Sein lassen? Du meinst … nein, Sam! Das kannst du nicht machen. Klar liebe ich meinen Vater und klar ist er mir wichtig. Aber du bist mir viel wichtiger. Du bist die Liebe meines Lebens, ohne dich gehe ich ein wie eine Blume ohne Wasser.”
Sam zieht eine Schachtel Zigaretten und ein Feuerzeug aus der Hosentasche. Ohne auf meinen verzweifelten Blick zu achten, nimmt sie eine weitere Kippe heraus und zündet sie an.
“Die Liebe deines Lebens?”, fragt sie und bläst den Rauch in die Luft. “Das glaube ich nicht. Wir sind Teenager und gerade mal ein paar Monate zusammen. Du wirst über mich hinwegkommen.”
“Nein, Sam. Tu das nicht”, keuche ich mit erstickter Stimme. “Liebst du mich denn gar nicht mehr?”
Sie schnaubt, nimmt einen weiteren Zug von ihrer Zigarette. “Keine Ahnung.”
“Keine Ahnung?”, wiederhole ich ungläubig.
“Ich werde natürlich auch Zeit brauchen, um über dich hinwegzukommen. Du bedeutest mir viel, aber so wie dein Vater gegen uns ist, kann eine glückliche Beziehung nicht funktionieren.”
“Sam! Bitte! Wir sind hier für uns. Mein Vater ist nicht hier.”
“Aber es werden wieder Ferien und Feiertage kommen. Dein Geburtstag, Weihnachten, Neujahr. Ich habe keinen Bock, mich ständig von deinem Vater terrorisieren zu lassen.”
Heiße Tränen kullern mir über die Wangen. “Sam, wir werden einen Weg finden. Zusammen.” Ich packe ihren Arm. “Bleib bei mir!”
Sie blickt zu Boden und schüttelt langsam den Kopf. “Dany, bitte verstehe mich. Es ist besser, wenn wir uns trennen. Du wirst mich bald vergessen haben.”
“Wie denn?”, rufe ich. “Ich sehe dich doch jeden Tag!”
Sam schaut mich traurig an, setzt wieder ihre Kippe an die Lippen. “Ich werde wegziehen.”
“Was? Wohin?”
“Nach New York. Meine Eltern haben einen Vertrag am Broadway unterschrieben und werden die nächsten Jahre dauerhaft dort verbringen. Ich werde zu ihnen ziehen.”
Ich will etwas sagen, doch es kommt nur ein Keuchen aus meinem Mund. Das kann unmöglich ihr Ernst sein. Erst als sie sich losreißt merke ich, dass ich noch immer ihren Arm festgehalten habe. “Tut mir leid, Dany. Aber es ist für uns beide das Beste.”
Damit läuft sie los, der Morgendämmerung entgegen.

Hier kommst du zur Übersicht über alle bisher erschienen Kapitel, dem Klappentext und Hintergrundinfos zum Blogroman.

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