Blogroman | „Freche Mädchen küssen besser“ | 32. Kapitel

Es geht weiter mit der Geschichte um Dany und Sam und mit diesem Kapitel Emma Escamillaüberschreiten wir die magische 50.000-Wörter-Grenze. Ich freue mich riesig darüber und bin auch ein bisschen stolz auf mich, dass ich den Blogroman nicht völlig aufgegeben habe – trotz langer Pause zwischen 2017 und 2019.

Neulich bekam ich von jemandem total tolles Feedback und daraufhin habe ich beschlossen, nochmal den gesamten Blogroman von vorne bis hinten durchzulesen und mit dem bisher gesammelten Feedback zu überarbeiten. Daran sitze ich momentan, wenn ich nicht gerade mit anderen Dingen beschäftigt bin. Bitte verzeih mir, wenn ich in der Vergangenheit immer wieder Fehler reingehauen habe – der Blogroman ist alles andere als perfekt. Er ist ein Rohdiamant, den ich mit deiner Hilfe schleifen und zu einem wunderschönen, funkelnden Edelstein machen möchte.

Dabei wird der Blogroman IMMER kostenlos bleiben, selbst wenn er abgeschlossen ist und ich ihn – ganz vielleicht – als E-Book veröffentliche. Da muss ich mir aber noch Gedanken dazu machen. Das ist bisher nur so ein Hirngespinst, das mir vorschwebt.

Deshalb: Lass mir dein Feedback da! Die Geschichte lebt davon und nur, wenn du mir sagst, was dir gefällt oder nicht gefällt, kann ich sie besser machen. Scheu dich nicht, den Beitrag zu kommentieren oder mir eine E-Mail zu schicken.

Im Laufe des Tages erscheint die Geschichte auch wieder auf Wattpad, Sweek und FanFiktion.de.

Jetzt viel Spaß mit dem 32. Kapitel – und einer wahrhaft unerwarteten Begegnung.

32. Kapitel: Sinneswandel

Noch am selben Abend bringen Sabine und Papa mich ins Internat. Ich knete die ganze Fahrt über meine feuchten Hände und male mir die schlimmsten Horrorszenarien aus. Dass Sam mir sagt, dass sie jetzt mit Emily zusammen sei. Dass sie sagt, dass sie mich nicht mehr liebe. Dass mein Vater mit seiner Feindseligkeit ihr gegenüber alles zerstört hat. Ich bin noch aufgeregter, als damals an meinem ersten Tag auf St. Lucia. Wieder starre ich aus dem Fenster, doch da es dunkel ist, sehe ich nicht viel. Nur die Lichter der Ortschaften in der Ferne und die leuchtenden Reflektoren der Leitpfosten am Straßenrand. Ich schließe die Augen und versuche ein wenig zu schlafen, doch mein Herz schlägt schnell und mein Magen krampft sich zusammen. Ich kann es nicht erwarten, endlich im Internat zu sein und die Sache mit Sam zu klären. Hoffentlich hat sie mich noch nicht abgeschrieben.
Sabine und mein Vater unterhalten sich. Ihre Worte prallen an mir ab, genauso wie die Musik, die das Radio spielt. Als ein Lied der Beatles angekündigt wird, dreht Papa lauter. Es ist “Love Me Do” und er singt laut und schief mit. Ich werde in meine Kindheit zurückkatapultiert. Ich sehe Mama an der Stelle von Sabine, wie sie ebenfalls in das Lied miteinstimmt. Früher hat sie immer gesungen, sobald ein Lied im Radio erklang, das ihr gefiel. Papa hat damals nie mitgesungen. Er hat erst damit angefangen, als sie gestorben war. Als würde sie das zurückbringen. Es ist merkwürdig, wie sich manche verändern, wenn sie einen geliebten Menschen verlieren. Für mich war nach Mamas Tod klar, dass ich niemals eine andere Frau an Vaters Seite akzeptieren würde. Doch dann kam Sabine. Erst war sie mir ein Dorn im Auge, doch ich bin froh, dass wir uns mittlerweile gut verstehen. Auch wenn sie meine Mutter natürlich nie ersetzen wird. Ich bin froh, dass sie Teil unserer Familie ist und es tut mir leid, wie blöd ich mich ihr gegenüber lange Zeit verhalten habe. Es gab viele Missverständnisse zwischen uns und ich hoffe inständig, dass wir das irgendwann aufarbeiten können.
Wir biegen in den Kiesweg zum Internat ein und das Geräusch der Kieselsteinchen, die gegen das Auto trommeln, löst Bauchschmerzen bei mir aus. Gleich würde ich Sam gegenübertreten müssen. Hatte ich mich gestern noch darauf gefreut, so bin ich jetzt voller Zweifel und Angst. Am liebsten würde ich aus dem Auto  springen und davonlaufen. In den Wald, irgendwo hin, wo mich niemand mehr findet. Aber dazu ist es jetzt zu spät. Ich hatte ins Internat gewollt und jetzt muss ich mich auch mit meinen Problemen konfrontieren.
Tannenwedel gleiten über das Fenster und mein Vater wirft mir einen Blick im Rückspiegel zu. “Jetzt sind wir gleich da”, sagt er. “Freust du dich?”
Ich weiß nicht, was ich antworten soll. Dass ich am liebsten wieder mit nach Hause fahren würde? Dass ich solche Bauchkrämpfe habe, dass ich mich auf der Toilette einschließen möchte? Dass ich Angst vor dem habe, was mich hinter den Mauern von St. Lucia erwartet? “Ja, klar freu ich mich”, sage ich, doch ich klinge nicht überzeugend.
Trotzdem lässt Vater die Sache auf sich bewenden und bohrt nicht weiter nach, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Er passiert das Tor zum Innenhof und hält vor dem Haupteingang. “Da wären wir.” Er schaltet den Motor ab und öffnete seine Autotür. Auch Sabine steigt aus.
Ich bleibe noch einen Moment sitzen, schließe die Augen und atme tief durch. Am Ende wird alles gut, denke ich. Und wenn es nicht gut wird, dann ist es noch nicht das Ende. Das hatte meine Mutter gesagt, wann immer ich verzweifelt war oder mir Sorgen gemacht habe. In diesem Augenblick tröstet es mich, an ihre Worte zu denken.
Ich verabschiede mich von meinem Vater und Sabine und schleife dann, ohne noch einmal zurückzublicken, den Koffer die Treppen hoch. Kaum habe ich das Internat betreten, strömt mir sofort der Geruch entgegen, an den ich mich so gewöhnt hatte. Eine Mischung aus frischem Kaffee, staubigen Büchern und altem Gemäuer. Am schwarzen Brett steht eine Schülerin und studiert den Vertretungsplan. Mir sticht ihre Frisur ins Auge: schwarzes langes Haar mit blutroten Spitzen. Das sieht ziemlich cool aus.
Ich nähere mich dem schwarzen Brett und werfe ebenfalls einen Blick auf den Vertretungsplan. “Du hast tolle Haare. Bist du neu hier?”, frage ich so beiläufig wie möglich.
Ich ernte ein glucksendes Lachen. “Was soll die Frage, Weißmann?”
Ich zucke zusammen und schaue mir die Person genauer an. “Claudia?”, stoße ich hervor. “Du hast dir die Haare gefärbt?”
“Wie du siehst.” Meine Erzfeindin kichert. “Ich hatte keine Lust mehr auf blond. Das ist langweilig.”
“Verstehe.” Aus Angst, gleich einen blöden Spruch zu kassieren, will ich mich aus dem Staub machen, doch Claudia folgt mir. Ich gehe schneller, keuche, weil mein Koffer viel zu schwer ist.
“Bleib doch mal stehen, Weißmann”, ruft Claudia mir hinterher.
“Ich hab keinen Bock auf deine Hänseleien”, fauche ich zurück.
“Ich werde dich nicht hänseln, versprochen. Jetzt warte doch auf mich.”
Widerwillig bleibe ich stehen und drehe mich zu ihr um. Sie holt mich schnell ein und grinst mich an. “Ich wollte mal mit dir reden. So von Frau zu Frau, verstehst du?”
“Von Frau zu Frau?” Ich muss ziemlich dumm aus der Wäsche schauen, denn Claudia lacht laut auf, dann bedeutet sie mir, ihr in die Bibliothek zu folgen. Ich zögere einen Moment, doch die Neugier siegt und auch wenn ich Claudias Sinneswandel nicht traue, laufe ich ihr nach. Ich erwarte dort ihre Freundinnen, doch tatsächlich ist die Bibliothek um diese Zeit ziemlich leer. Lediglich an den Internet-PCs sitzen ein paar Schüler. Claudia huscht an ihnen vorbei und führt mich zu einer der Sitzecken, die sich wie Inseln zwischen den Regalen befinden. Sie lässt sich auf einem der Stühle nieder und legt die Beine auf den Tisch. Mir ist ein bisschen mulmig, als ich mich ebenfalls setze. Claudia war nie besonders nett zu mir und dass wir hier völlig unbeobachtet in der Bibliothek sitzen, lässt bei mir sämtliche Alarmglocken schellen. Doch ich bleibe trotzdem, schiebe meinen Koffer unter den Tisch und verschränke die Arme.
“Was willst du, Claudia?”, frage ich und betrachte sie kritisch.
Sie fährt sich durch ihr glattes Haar und wirft es über die Schulter. “Ich wollte mit dir reden.”
“Warum?”
“Ist das verboten, oder was?” Sie zieht eine Augenbraue hoch und kneift die Lippen zusammen.
“Nein, natürlich nicht. Aber du konntest mich doch nie leiden, warum willst du jetzt auf einmal mit mir reden?”
Claudia seufzt und schließt die Augen einen Moment. Dann sieht sie mich an und sagt: “Es tut mir leid, wie ich mich benommen habe.”
Ich glaube, mich verhört zu haben. Claudia Enzminger entschuldigt sich bei mir? Einfach so? Da war doch etwas im Busch. “Das nehme ich dir nicht ab. Was willst du wirklich?”
“Mich entschuldigen.” Sie rutscht auf ihrem Stuhl hin und her, fährt sich wieder durchs Haar. “Mir ist in den Ferien bewusst geworden, dass ich dich nicht immer fair behandelt habe.”
Ich lache laut auf. “Nicht immer fair behandelt?” Ich schüttle den Kopf. “Nein, das hast du wirklich nicht.”
“Wie gesagt, es tut mir leid.” Sie verzieht das Gesicht. “Ich finde es eigentlich gar nicht schlimm, dass du lesbisch bist.”
“Ach!” Ich reiße die Augen auf. Was um Himmels Willen ist passiert? Wer hat Claudia solch eine Gehirnwäsche unterzogen?
“Um ehrlich zu sein, finde ich das sogar ziemlich cool. Ich meine, du machst es mit Mädchen. Wie geil ist das denn?”
Ich sehe sie sprachlos an. Diese Worte hätte ich niemals von ihr erwartet und trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass die Entschuldigung nicht ohne Grund kam.
“Du findest das geil?”, wiederhole ich und weiß nicht, ob ich die Nase rümpfen oder laut lachen soll.
“Ja, natürlich. Ich meine, ich hatte viel mit Jungs und so. Also Beziehungen, Affären, One-Night-Stands oder alles gleichzeitg. Aber inzwischen nervt es mich. Ich meine, Kerle können ziemlich anstrengend sein. Und Sex mit ihnen ist immer das Gleiche. Rein, raus, rein, raus – bis er irgendwann kommt und du unbefriedigt zurückbleibst.” Sie rollt mit den Augen und seufzt.
Ich bin völlig baff. So viel Offenheit mir gegenüber habe ich Claudia niemals zugetraut. Doch so langsam durchschaue ich, was sie will. Und es gefällt mir gar nicht.
“Jedenfalls habe ich gedacht, ich sprech dich mal darauf an. Ich meine – ich hätte auch gerne mal was mit einer Frau.”
Ich schlucke. “Willst du mich etwa angraben?”, frage ich. “Das kannst du gleich bleiben lassen. Ich bin mit Sam zusammen und ihr treu.”
Claudia lacht nervös und winkt sofort ab. “Nein, das hast du falsch verstanden. Ich wollte eignetlich nur ein paar Tipps, wie ich an Frauen herankomme. Ich meine, wie ich eine Frau finde, die sich mit mir … vergnügen will.” Sie grinst und ihre Wangen erröten.
Ich schüttle den Kopf. “Tut mir leid, aber da fragst du die Falsche. Ich kenne mich damit so gut wie gar nicht aus. Dass das mit Sam geklappt hat, war ein Glücksgriff. Davor hatte ich noch nie etwas mit einem Mädchen.”
Die Enttäuschung steht Claudia ins Gesicht geschrieben. “Dann eben nicht”, brummt sie, nimmt die Füße vom Tisch und steht auf.
“Wenn du willst, kann ich Sam fragen, ob sie ein paar Tipps für dich hat”, sage ich schnell, denn aus irgendeinem Grund möchte ich ihr helfen.
Claudia schüttelt den Kopf. “Nein, ich will nicht, dass Sam davon erfährt.”
“Wieso nicht?”
“Ich mag sie nicht.” Damit ist für Claudia das Gespräch beendet und sie verschwindet zwischen den Regalen. Ich sehe ihr verwirrt nach. Warum hat Claudia sich ausgerechnet mich für das Thema ausgesucht? Sam hat doch viel mehr Erfahrung. Und wieso vertraut sie mir plötzlich an, dass sie bi-curious ist? Ich verstehe die Welt nicht mehr.
“Entschuldigung?”
Ich sehe auf. Vor mir steht die Schulbibliothekarin und deutet auf das Zifferblatt ihrer goldenen Armbanduhr. “Die Bibliothek schließt gleich. Wenn du dir noch etwas ausleihen möchtest, solltest du es jetzt tun.”
Ich springe auf und schnappe meinen Koffer. “Ich bin schon weg, Frau … ähm …”
“Erler”, sagt die Bibliothekarin und lächelt mit freundlich an. “Ich wollte dir nur Bescheid geben.”
“Danke, Frau Erler.” Ich erwidere ihr Lächeln, dann mache ich mich auf den Weg zu unserem Zimmer. Zu Sam.

Hier kommst du zur Übersicht über alle bisher erschienen Kapitel, dem Klappentext und Hintergrundinfos zum Blogroman.

Achtung!

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4 Kommentare

  1. Hallo Emma,

    deinen Blogroman verfolge ich auf wattpad, wo ich auch angemeldet bin. Ich lese ihn sehr gerne und finde kleine Fehler nicht schlimm, wobei Du sicherlich Recht hast, dass Editieren nie schaden kann. Wer weiss schon so genau, ob es nicht doch Leser gibt, die sich daran stören.

    ich hätte nur mal eine grundsätzliche Frage, was das Veröffentlichen angeht. Lädtst Du die Kapitel zuerst auf Deinem Blog hoch und danach bei wattpad – oder umgekehrt?

    Ich wollte nur sichergehen, dass ich nichts falsch mache, bevor ich bei wattpad mehr von meinen eigenen Sachen veröffentlichen möchte. Nicht, dass es dort dann Probleme gibt.

    LG
    Ulrike

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Ulrike,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich, dass du den Blogroman verfolgst. :) Ja, auch wenn ich jedes Mal nochmal mehrmals drüberlese, bevor ich ein Kapitel hochlade, rutschen doch hier und da Fehlerchen rein. Aber gut, dass du da Verständnis hast.

      Ich lade die Kapitel tatsächlich erst hier auf dem Blog hoch, in der Regel morgens um 8 Uhr. Und dann im Laufe des Tages auf Wattpad, Sweek und FanFiktion.de. Ich denke, das kann aber jeder so machen, wie er es gerne möchte. Da gibt es kein Richtig oder Falsch.

      Liebste Grüße
      Emma

      Gefällt 1 Person

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