Blogroman | „Freche Mädchen küssen besser“ | 31. Kapitel

Heyho!

Wie bereits angekündigt, gibt es die neuen Kapitel meines Blogromans ab sofort 14-tägig Emma Escamillamittwochs, anstatt sonntags, da ich mir das Wochenende so gut es geht freihalten möchte. Heute geht es also endlich mit der Geschichte um Dany und Sam weiter.

Wenn du die vorherigen Kapitel noch nicht kennst, kommst du hier zur Übersicht. Dort findest du auch weitere Informationen zum Blogroman, sowie eine Art Klappentext.

Natürlich geht das Kapitel in Kürze auch wieder auf Wattpad, Sweek und FanFiktion.de  online.

Über Feedback freue ich mich immer, also scheu dich nicht, den Beitrag zu kommentieren oder mir eine E-Mail zu schicken.

31. Kapitel: Funkstille

Mein Herz pocht wild, als ich mich in Richtung Wohnzimmer bewege, aus dem dramatische Musik dringt. Im Türrahmen bleibe ich stehen und checke die Lage. Papa und Sabine schauen den Tatort. Sabines Beine liegen auf Papas Schoß und er massiert ihre Füße. Es versetzt mir einen Stich, die beiden so vertraut zu sehen. Ich muss an Sam denken, die sich noch immer nicht gemeldet hat. Schnell vertreibe ich die Gedanken an sie und hole tief Luft. Innerlich zähle ich bis drei, dann klopfe ich gegen den Türrahmen und räuspere mich.
Papa und Sabine drehen gleichzeitig die Köpfe in meine Richtung.
„Dany“, sagt mein Vater. „Was hast du auf dem Herzen?“
„Wie kommst du darauf, dass ich etwas auf dem Herzen habe?“ Ich versuche, möglichst unschuldig zu gucken, doch mein Vater durchschaut mich sofort.
„Na, wenn du nichts auf dem Herzen hättest, würdest du uns nicht beim Fernsehen stören.“
„Ich störe euch?“ Mein ganzer Körper versteift sich.
Mein Vater schüttelt den Kopf und macht meine wegwerfende Handbewegung. „War nicht so gemeint, Kleines.“
Ich schlucke. Er hat mich schon ewig nicht mehr „Kleines“ genannt. Meine Mutter hat das früher immer getan, als sie noch da war. In meiner Kehle bildet sich ein Kloß.
„Also, was ist los, Dany?“, fragt Papa und macht den Fernseher leiser.
„Sabine hat gesagt, dass du entscheiden sollst, ob ich morgen wieder ins Internat darf oder nicht.“ Ich warte einen Moment, doch als er nichts sagt, fahre ich fort: „Bitte, Papa. Ich vermisse meine Freunde so schrecklich. Außerdem sind meine Füße schon so gut wie verheilt.“
„Du vermisst deine Freunde?“ Er zieht die Augenbrauen hoch. „Oder deine Freundin?“
„Beides“, sage ich wahrheitsgemäß und schaue auf meine bandagierten Füße. „Bitte hab Verständnis. In der Schule können wir auch nicht miteinander schlafen oder so. Da stehen wir ja ständig unter Beobachtung.“
„Was sagst du dazu?“ Papa wendet sich an Sabine, die mit den Schultern zuckt.
„Ich finde, sie sollte noch zu Hause bleiben. Aber ich verstehe auch, dass ihr Sam und ihre Freunde wichtig sind und sie soll ja auch nicht zu viel in der Schule verpassen.“
„Eben!“, rufe ich und stemme die Hände in die Hüften. „Ich würde eine Menge verpassen. Dabei schreiben wir demnächst eine Mathearbeit und …“
Papa mustert mich stirnrunzelnd. „Von dieser Mathearbeit höre ich gerade zum ersten Mal. Hast du dafür gelernt?“
„Ja … ich meine, nein. Aber ich habe noch genug Zeit um …“
„Gut!“ Papa stellt den Ton des Fernsehgeräts wieder lauter.
„Was ist denn jetzt?“, frage ich irritiert. Er ist mir noch immer eine Antwort schuldig.
„Wenn das so ist, dass du noch genügend Zeit für die Mathearbeit hast, dann hast du auch genügend Zeit, um dich auszukurieren. Hier. Zu Hause.“
„Nein, so habe ich das nicht gemeint“, rufe ich verzweifelt. „Ich brauche nämlich Unterstützung. May muss mir noch ein paar Sachen erklären.“
„Ich kann dir Mathe auch erklären“, sagt Vater, ohne vom Bildschirm aufzublicken.
„Aber nicht so gut wie May“, beharre ich.
Mein Vater seufzt, dann herrscht eine ganze Weile Stille zwischen uns. Ich grüble fieberhaft darüber nach, was ich tun könnte, um ihn doch noch zu überzeugen, mich zurück ins Internat zu lassen. Ich muss zu Sam. Ich halte es nicht mehr länger ohne sie aus. Wenn sie nicht zu mir kommt, dann muss ich eben zu ihr kommen. Ich muss an den Ort, an dem sie sich aufhält. Und das wird ab morgen das Internat sein. Seit sie weg ist, habe ich jede Sekunde an sie gedacht. Auch wenn sie an mir vermutlich bereits das Interesse verloren hat. Auch wenn unsere Beziehung gerade den Bach runtergeht. Ich muss morgen ins Internat, um die Scherben zu kitten. Um zu retten, was noch zu retten ist. Denn wenn ich es nicht tue, wird es nichts mehr zu retten geben. Ich atme durch, dann nähere ich mich meinem Vater und knie mich vor ihm nieder.
Irritiert sieht er mich an. „Was wird das jetzt? Ein Heiratsantrag?“ Er lacht über seinen Witz.
„Nein, ich flehe dich auf Knien an, mich morgen ins Internat zu lassen. Bitte! Es ist mir so wichtig!“ Meine Stimme zittert leicht und ich nehme seine Hand. Sie ist rau und warm. „Bitte!“, sage ich nochmal mit Nachdruck.
Er wiegt den Kopf hin und her, verdreht die Augen. Dann entzieht er mir seine Hand, um damit in die Schüssel mit gesalzenen Erdnüssen zu greifen, die auf dem Couchtisch steht. „Na schön“, brummt er. „Du darfst zurück ins Internat.“
Ich strahle ihn an. „Wirklich?“
„Aber nicht morgen.“
Meine Begeisterung verfliegt so schnell, wie sie gekommen ist. „Wann denn dann?“, frage ich verwirrt.
„Übermorgen. Vorausgesetzt Dr. Anders stimmt morgen zu.“
Ich verziehe das Gesicht. „Dann muss ich doch nochmal zum Arzt?“
„Natürlich. Mit deiner Verletzung ist nicht zu spaßen. Wenn Dr. Anders dafür ist, dass du wieder ins Internat gehst, dann bin ich auch damit einverstanden.“
Ich schöpfe Hoffnung. Noch ist nichts entschieden. Vielleicht habe ich Glück und der Hausarzt gibt grünes Licht. Dann kann ich Sam am Dienstag endlich wieder in meine Arme schließen. Vorausgesetzt, sie möchte von mir noch in die Arme geschlossen werden.

Am nächsten Morgen ruft Sabine beim Hausarzt an und vereinbart einen Termin. Sie bekommt erst einen um sechzehn Uhr, weshalb ich den ganzen Tag auf glühenden Kohlen sitze. Immer wieder checke ich mein Handy, doch von Sam kommt noch immer keine Antwort. Langsam mache ich mir ernsthaft Sorgen, weshalb ich gegen Mittag Lis anschreibe und frage, ob mit Sam alles in Ordnung sei. Tatsächlich kommt prompt eine Antwort: „Sam geht‘s gut. Aber sie hat dich mit keinem Wort erwähnt. Ich habe mich nicht getraut zu fragen, aber … habt ihr immer noch Streit?“
Panik überfällt mich, als ich die Nachricht lese. Ist Sam also immer noch sauer auf mich? Hat sie mich aufgegeben? Ich zittere, als ich eine Antwort für Lis tippe: „Ich weiß nicht. Ich habe ihr gestern geschrieben, aber sie meldet sich nicht bei mir.“
Wenig später trudelt eine weitere Nachricht von Lis ein: „Mach dir mal keine Sorgen. Das renkt sich schon wieder ein.“
Ich hoffe es. Inständig. Ich möchte Sam nicht verlieren. Sie ist meine erste große Liebe und es würde mir das Herz zerschmettern, wenn sie mit mir Schluss macht. Ich überlege hin und her, ob ich Sam nochmal eine Nachricht schicken soll, doch da übermannt mich die Verzweiflung. Ich schleudere mein Handy aufs Bett, vergrabe mein Gesicht im Kissen und lasse meinen Gefühlen freien Lauf.

„Hallo, Dany. Was verschafft mir die Ehre?“ Dr. Anders mustert mich neugierig, während ich mich auf die Liege setze.
„Ich möchte morgen gerne wieder ins Internat zurück. Aber meine Eltern sind dagegen, weil sie glauben, dass meine Füße noch nicht ausreichend verheilt sind.“
„Na, dann wollen wir uns deine Verbrühungen doch mal anschauen.“ Dr. Anders wickelt meine Verbände ab und betrachtet meine Füße. „Hast du noch Schmerzen?“
„So gut wie gar nicht mehr.“
„Die Rötungen sind auch sehr zurückgegangen.“
„Ja, eben. Bitte – lassen Sie mich wieder zurück ins Internat.“
„Dir scheint es ja zu Hause nicht zu gefallen.“ Dr. Anders bedenkt mich mit einem milden Lächeln.
„Das ist es nicht. Meine feste Freundin ist im Internat und wir hatten in den Ferien einen Streit und ich habe Angst sie zu verlieren und …“
„Halt, halt!“ Dr. Anders hebt die Hände. „Ganz langsam. Eins nach dem anderen.“
„Tut mir leid, ich bin nur so aufgewühlt. Ich muss morgen unbedingt zu ihr und fragen, was los ist. Sonst ist unsere ganze Beziehung im Arsch.“
„Möchtest du dir vielleicht etwas von der Seele reden?“ Dr. Anders verteilt kühlendes Aloe-Vera-Gel auf meinen Füßen und es tut nicht weh.
Ich hole tief Luft, dann erzähle ich ihm die ganze Geschichte. Je länger ich erzähle, desto wütender werde ich und am Ende fluche ich so heftig, dass ich befürchte, dass Dr. Anders mich rauswerfen wird. Doch nichts dergleichen passiert. Stattdessen hört er sehr verständnisvoll zu, nickt hin und wieder und gibt zustimmende Geräusche von sich.
Als ich aufgehört habe, zu reden, sagt er: „Es scheint, als ob es dir wirklich wichtig ist, wieder in dieses Internat zurückzukehren. Ich verstehe deine Situation. Versprichst du mir, regelmäßig deine Füße mit dem Aloe-Vera-Gel einzureiben und Sport in den nächsten Wochen zu meiden?“
„Natürlich“, rufe ich. „Alles, was Sie wollen. Nur lassen Sie mich wieder zu Sam.“
Er tippt etwas in seinen Computer. „Wenn das so ist, dann möchte ich deinem Liebesglück nicht im Wege stehen.“
„Heißt das, Sie verlängern die Krankschreibung nicht?“
„Genau das heißt es.“ Er lächelt.
Ich springe von der Liege und falle dem völlig verdutzen Arzt um den Hals. „Danke, Dr. Anders. Sie sind der Beste.“
Er tätschelt mir unbeholfen den Rücken. „Bitte, bitte. Keine Ursache. Ich kann doch nicht zulassen, dass meinetwegen eure Beziehung in die Brüche geht.“


Hier kommst du zur Übersicht über alle bisher erschienen Kapitel, dem Klappentext und Hintergrundinfos zum Blogroman.

Achtung!

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