Blogroman | „Freche Mädchen küssen besser“ | 30. Kapitel

Soo, mit etwas Verspätung kommt das neue Kapitel online. Ist es nicht krass, dass dies Emma Escamillabereits Kapitel 30 ist und die Geschichte bereits über 48.000 Wörter zählt? Ich bin total happy darüber, vor allem auch, weil mir das Schreiben an „Freche Mädchen küssen besser“ immer noch Spaß macht.

Mit dem heutigen Kapitel bin ich mir noch nicht so ganz sicher, ob rüberkommt, warum Dany am Ende ihre Meinung ändert. Lass mir gerne dein Feedback in den Kommentaren da.

Natürlich geht das Kapitel in Kürze auch wieder auf Wattpad, Sweek und FanFiktion.de  online.

Nun wünsche ich dir viel Spaß mit dem letzten Kapitel von 2019. :) Im neuen Jahr geht’s weiter.

30. Kapitel: Die Klügere gibt nach

Ich verbringe die restlichen Ferien hauptsächlich vor dem Fernseher oder in meinem Bett. Immer wieder checke ich mein Handy, doch Sam meldet sich nicht und ich selbst möchte ihr nicht schreiben. Sie ist einfach abgehauen und hat mich im Stich gelassen, also soll sie sich gefälligst zuerst melden. Ab und zu ertappe ich mich dabei, wie ich im Kopf Nachrichten an sie formuliere, doch es kommt nie dazu, dass ich sie auch tatsächlich in mein Handy tippe.
Am Montag geht Sabine mit mir zum Hausarzt und dieser empfiehlt uns Aloe Vera für die Verbrühungen, was auch wirklich Wunder wirkt. Die Schmerzen werden dadurch gelindert und auch die Rötungen klingen ab. Nach einer Woche geht es mir schon viel besser, nicht nur, was meine Verletzung anbelangt, sondern auch meinen psychischen Zustand. Die Ferien sind vorbei und ich freue mich riesig darauf, Sam wiederzusehen – wobei ich ehrlich gesagt auch ein bisschen Angst davor habe. Was, wenn sie mich nicht mehr will? Was, wenn zwischen und wirklich Schluss ist? Mein Bauch grummelt und tut weh. Trotzdem packe ich meinen Koffer. Da klopft es an meine Zimmertür und Sabine kommt herein.
„Dany? Ich möchte nur kurz deine Verbände wechseln.“ In den Händen hält sie das Erste-Hilfe-Kit, das sie bei der Apotheke erstanden hat, als wir das Aloe-Vera-Gel gekauft haben.
Ich lasse mich auf dem Bett nieder und lege die Beine hoch. Sabine setzt sich mir zu Füßen und wickelt den Verband ab. Meine Füße sind immer noch rosa und ohne Verband brennen sie ein bisschen, aber längst nicht mehr so schlimm wie noch vor einer Woche.
Sabine schaut meine Füße an, dann schüttelt sie den Kopf. „Tut mir leid, Dany, aber so kann ich dich morgen nicht ins Internat lassen.“
„Was soll das denn heißen?“, rufe ich. „Meine Verletzungen sind doch fast verheilt.“
„Sie sind immer noch wund und … tut das weh?“ Sie tippt mit der Fingerspitze auf meine gerötete Haut. Ich jaule auf und beiße mir sofort auf die Zunge.
„Na, siehst du? Du hast noch Schmerzen. Wir gehen morgen nochmal zu Dr. Anders. Der soll dich eine weitere Woche krankschreiben.“
„Ich will aber nicht krankgeschrieben werden“, wehre ich mich. In mir brodelt es. Wut und Verzweiflung liegen so eng beieinander, dass ich nicht mal weiß, worauf ich wütend bin. Auf Sabine oder meine Tollpatschigkeit?
„Dany, sei doch vernünftig.“
Ich schließe die Augen einen Moment und atme tief durch, sammle mich. Dann sehe ich Sabine gefasst in die Augen und sage mit fester Stimme: „Ich muss morgen ins Internat. Bitte, Sabine. Wenn du nur ein Fünkchen Mitleid mit mir hast, dann lässt du mich gehen.“
„Das kann ich nicht entscheiden. Dein Vater ist dein Erziehungsberechtigter“, windet Sabine sich heraus und schmiert meine Füße mit dem kühlenden Aloe-Vera-Gel ein.
Mein Vater, na toll. Der ist ja gerade super auf mich zu sprechen. Seit unserem Streit am Tag, als Sam gegangen ist, haben wir kaum ein Wort geredet, sind uns aus dem Weg gegangen. Ich glaube nicht, dass der in dieser Situation Partei für mich ergreifen wird.
Sabine wickelt frischen Verband um meine Füße und klebt ihn fest. Dann tätschelt sie mein Bein. „Rede mit Hartmut, Dany. Wenn er dafür ist, dass du wieder ins Internat gehst, dann werde ich mich dem natürlich beugen.“ Mit diesen Worten steht sie auf und verlässt mein Zimmer.
Wütend boxe ich in mein Kissen. Tränen laufen mir die Wangen herunter. Ich habe keine Chance, die Sache ist so gut wie gegen mich entschieden. In diesem Moment piept mein Handy. Mein Herz beginnt zu rasen. Sam! Ich rutsche vom Bett und humple zu meinem Schreibtisch, auf dem mein Smartphone liegt. Mit zittrigen Fingern aktiviere ich das Display und gebe meinen PIN ein. Vor Aufregung vertippe ich mich zweimal und muss die PIN wiederholen. Dann wird mein Bildschirm endlich entsperrt. Eine eiskalte Welle der Enttäuschung trifft mich. Die Nachricht ist von Lis. Sie fragt, ob ich für Mathe gelernt habe. So ein Mist, ich hatte völlig verdrängt, dass wir Ende der nächsten Woche eine Klassenarbeit schreiben werden. Ich schicke ihr eine kurze Nachricht zurück, dass ich vermutlich krankgeschrieben sein werde. Ich pfeffere das Handy wieder auf die Schreibunterlage, doch keine Minute später klingelt es. Lis ruft an. Ich zögere kurz, entschließe mich dann aber doch, denn Anruf anzunehmen.
„Hi, Lis“, sage ich tonlos.
„Hey, Dany! Was ist los bei dir? Wieso bist du krankgeschrieben?“
„Ich habe mir kochendes Wasser über die Füße geleert.“
„Ach du scheiße! Was machst du denn für Sachen? Weiß Sam davon?“
„Ja, tut sie.“
„Und, was sagt sie dazu?“
„Nichts.“
„Nichts?“
„Sie war bei mir, als es passiert ist und – wir haben uns gestritten und sie ist abgehauen. Seitdem herrscht Funkstille.“
„Oh nein, Dany, das tut mir sooo leid.“ Lis seufzt. „Dann weiß sie gar nicht, dass du morgen nicht kommst?“
„Nein. Und ich glaube, das interessiert sie auch nicht sonderlich.“
„Vielleicht solltest du es ihr sagen.“
„Ich wüsste nicht warum.“
„Na, weil ihr euch liebt. Das macht man so in einer Beziehung. Man geht aufeinander zu.“
„Dann kann sie ja auf mich zugehen. Ich habe keine Lust mehr, ihr ständig hinterherzulaufen.“
„Ja, aber vielleicht denkt sie dasselbe und dann wird die Kluft zwischen euch immer größer, bis sie irgendwann nicht mehr überbrückbar ist.“
„Das ist mir egal.“
Lis schnaubt. „Das glaube ich dir nicht, so gefrustet, wie du klingst.“
„Ach, glaub doch was du willst.“
„Dany, bitte. Ich kann doch nichts dafür, dass ihr euch gestritten habt, also lass deinen Ärger nicht an mir aus.“
Ich atme tief durch. Lis hat recht, aber trotzdem würde ich sie in diesem Moment am liebsten auf den Mond schießen. Ich werde mich nicht bei Sam melden. Wenn ihr etwas an mir liegt, soll sie mir schreiben. Schließlich hat sie zehn gesunde Finger und hängt sonst auch ständig am Handy. „Tut mir leid, Lis“, sage ich, deutlich ruhiger als eben.
„Schon okay. Ich verstehe ja, dass es dir schlecht geht. Das ist euer erster richtiger Streit, oder?“
„Ja … ich dachte immer, Sam und ich verstehen uns blind und würden uns niemals streiten. Aber seit wir hier angekommen waren, lagen wir uns ständig in den Haaren.“
„Warum habt ihr euch denn gestritten?“
„Ach, mein Vater – er hat nicht sonderlich positiv darauf reagiert, dass Sam und ich … naja, dass wir eine lesbische Beziehung führen.“
„Oh mein Gott“, ruft Lis. „Dein Vater ist ein homophobes Arschloch?“
„Das hat Sam auch gesagt.“
„Tut mir echt leid zu hören. Aber ich glaube, meine Eltern hätten in dem Fall ähnlich reagiert.“
„Ehrlich?“
„Ja. Sie sind ziemlich religiös, weißt du? Sie glauben, dass Homosexualität eine Sünde ist.“
„Glaubst du das auch?“, frage ich leise und mein Herz hämmert mir wild gegen die Brust. Lis hat nie viel von ihrer Familie erzählt und ich war mir sicher, dass die Eltern einen großen Einfluss auf die Kinder haben – auch wenn das bei meinem Vater und mir überhaupt nicht stimmt.
„Nein, natürlich nicht“, sagt Lis und klingt fast ein bisschen beleidigt. „Ich habe kein Problem mit Lesben. Vor allem nicht mit dir und Sam. Ihr seid doch meine Freunde.“
Mein Pulsschlag beruhigt sich. „Danke, Lis. Das ist lieb.“
„Ach, nicht dafür. Vertrage dich lieber wieder mit Sam, bevor ich noch die Streitschlichterin spielen muss. Darauf habe ich nämlich überhaupt keinen Bock. Ich weiß, du willst, dass sie sich meldet. Aber denk an den Spruch: Die Klügere gibt nach.“
Ich nicke. Auch wenn es mich wurmt und sich alles in mir dagegen sträubt, weiß ich, dass sie recht hat. Dann fällt mir ein, das Lis das nicht sehen kann und sage: „Ja, werde ihr schreiben.“
„Gut. Aber eigentlich wollte ich dir noch was ganz anderes erzählen. Du glaubst nicht, was mir neulich passiert ist …“
Ich höre Lis‘ Redeschwall nur mit halbem Ohr zu, in Wirklichkeit überlege ich mir, was ich Sam schreiben soll, ohne mich vor ihr kleinzumachen und wie eine Arschkriecherin rüberzukommmen. Ich will, dass sie sich bei mir entschuldigt. Sie darf ruhig ein schlechtes Gewissen bekommen. Das wäre vielleicht nicht einmal das Schlechteste. Noch immer bin ich voller Widerwillen, aber ich denke an Lis‘ Worte und daran, dass die Kluft zwischen uns irgendwann unüberbrückbar sein könnte. Und auch wenn ich gesagt habe, dass mir das egal sei, ist es nicht so. Ich möchte Sam in meinem Leben behalten. Und wenn ich dazu meinen Stolz für einen Moment hinunterschlucken muss, dann tue ich das eben. Wie Lis gesagt hat: Die Klügere gibt nach. Und wenn Sam so ein Dickkopf ist, muss ich ihr eben ein bisschen entgegen kommen. Sonst bin ich genauso ein Dickkopf wie sie und das kommt mir auf einmal ziemlich albern vor, auch wenn ich mich vor wenigen Minuten noch so verhalten habe.
Nachdem Lis und ich unser Telefonat beendet haben, tippe ich eine kurze Nachricht an Sam: „Mir geht‘s schlecht. Komme morgen nicht ins Internat.“ Ich lese die Nachricht noch einmal durch, halte einen Augenblick die Luft an und drücke auf „Senden“. Dann beginnt das Warten. Das ewige Warten. Ich bin mir eigentlich sicher, dass Sam sofort antworten wird, doch mein Handy bleibt stumm. Im Minutentakt checke ich meine Nachrichten. Doch nichts. Frustriert werfe ich das Handy auf den Nachttisch und vergrabe mein Gesicht im Kissen. Wieso meldet Sam sich nicht? Hat sie doch etwas mit dieser Emily? Panik erfasst mich. Was, wenn sie ihr wirklich nicht länger widerstehen konnte? Was, wenn sie mich längst vergessen hat? Mein Herz rast und ich breche in Schweiß aus. Meine Hände krallen sich ins Kissen. Es riecht noch immer nach ihr. Doch sie ist nicht da. Und wenn ich Pech habe, wird sie nie wieder da sein.


Hier kommst du zur Übersicht über alle bisher erschienen Kapitel, dem Klappentext und Hintergrundinfos zum Blogroman.

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