Blogroman | „Freche Mädchen küssen besser“ | 29. Kapitel

Sooo, nachdem das 29. Kapitel am Sonntag wegen meiner Erkrankung leider noch nichtEmma Escamilla online gehen konnte, habe ich es in der Zwischenzeit geschrieben. Ich bin noch nicht ganz glücklich damit, aber ich weiß auch nicht, wie ich es besser machen könnte – deshalb bin ich auf dein Feedback angewiesen. Was hat dir gefallen bzw. nicht gefallen? Wo muss ich in Zukunft noch ansetzen? Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir da ein bisschen weiterhelfen würdest.

Natürlich geht das Kapitel heute im Laufe des Tages auch wieder auf Wattpad, Sweek und FanFiktion.de  online.

Jetzt aber viel Spaß beim Lesen!

29. Kapitel: Nichts hat sich geändert

Kurz drauf höre ich die Haustür erneut schließen. Sabine scheint ihr also nachgegangen zu sein. Ich zittere am ganzen Körper und wünsche mir nichts sehnlicher, als dass Sam zurückkommt. Es ist verrückt. Eigentlich sind die Herbstferien in einer Woche ohnehin zu Ende und ich werde sie wiedersehen. Doch ich habe Angst, dass sie zu Hause aus Trotz etwas mit dieser Emily anfangen könnte. Dieser Sexbombe, die selbst ich schamlos angestarrt habe. Traue ich Sam solch ein Vergehen zu? Wenn sie sauer ist, vielleicht schon.
Ich höre Schritte, die sich nähern. Ohne aufzusehen, weiß ich, dass es mein Vater ist. „Was willst du?“, brumme ich in mein Kissen.
Er bleibt stehen, dann senkt sich die Matratze neben mir. Eine warme Hand legt sich auf meinen Rücken und tätschelt mich. „Dany“, sagt er so liebevoll und ruhig, wie ich ihn schon lange nicht mehr gehört habe. „Sei nicht traurig. Du siehst Sam ja bald wieder.“
Ich hebe den Kopf und schaue ihn von unten an. „Ich will trotzdem nicht, dass sie geht.“ Meine Stimme bebt, weil ich einen Heulkrampf unterdrücke. Ich will vor ihm nicht mehr weinen. Ich habe in letzter Zeit genug Schwäche gezeigt, das genügt. Er soll sehen, dass ich mich von ihm nicht einschüchtern lasse.
„Weißt du, vielleicht ist es besser so. Ihr solltet die Sache langsam angehen lassen.“
„Glaubst du nicht, dass wir sehr wohl in der Lage sind, das selbst zu entscheiden?“, entgegne ich bissig und funkle ihn böse an.
Er wirft die Hände in die Luft und seufzt. „Jetzt schau nicht so. Ich bin immer noch dein Erziehungsberechtigter und für mich ist die ganze Sache eben nicht so leicht zu akzeptieren. Du musst mich doch auch verstehen.“
„Was gibt es an Homophobie zu verstehen?“
„Dany, bitte. Ich hatte mit dem Thema eben noch nie zu tun. Für mich ist das alles ein bisschen seltsam.“
„Seltsam?“ Ich ziehe eine Augenbraue hoch. „Was ist daran seltsam, wenn zwei Menschen sich lieben?“
Er rutscht auf dem Bett hin und her, wiegt den Kopf und seufzt immer wieder. „Es tut mir leid“, murmelt er leise und ich glaube zuerst, mich verhört zu haben.
„Was hast du gesagt?“
„Es tut mir leid“, wiederholt er lauter, sieht dabei aber auf seine knetenden Hände, anstatt zu mir.
Meine Gefühle wirbeln durcheinander. Ob er das ernst meint? Oder ist es nur dahingesagt, um den Familienfrieden zu retten? Ich beschließe, ihn damit nicht sofort entkommen zu lassen, sondern tiefer nachzubohren. „Was genau tut dir denn leid?“
Er seufzt, sieht mich noch immer nicht an, fährt sich immer wieder mit der Hand durchs kurze Haar. „Dass ich dir das Gefühl gegeben habe, homophob zu sein.“
„Moment mal“, sage ich und ziehe die Augenbrauen zusammen. „Du hast mir nicht nur das Gefühl gegeben, du warst wirklich homophob.“
Er schnaubt. „Schön, dann tut es mir eben leid, dass ich wirklich homophob war.“
Ein zartes Pflänzchen der Hoffnung keimt in mir auf. Ich sehe ihn von der Seite an, muss lächeln. Ob er wirklich seine Meinung geändert hat? Aber warum so plötzlich? Nur, weil Sam gegangen ist? Oder hat Sabine ihre Finger im Spiel? „Tut es dir auch leid, dass du Sam und mich nicht hast miteinander schlafen lassen wollen?“
„Das ist doch wieder typisch“, wettert er und springt auf. „Da gibt man dir einen Finger und du willst gleich die ganze Hand.“
Erschrocken zucke ich zusammen. Da hatte ich mich wohl zu früh gefreut. „Papa, nein, ich …“
„Ich möchte nicht, dass meine sechzehnjährige Tochter Sex hat. Egal ob mit Mann oder Frau, verstehst du das nicht? Du bist noch zu jung für sowas.“
„Bin ich gar nicht …“
„Doch, bist du. Du bist noch ein Kind.“
„Ich bin kein Kind mehr. Ich bin fast erwachsen.“
Er lacht bitter. „Fast, ja. Aber eben auch nur fast.“
„Verschwinde aus meinem Zimmer!“, brülle ich ihn an. „Verschwinde und lass mich endlich in Ruhe!“

Es dämmert bereits, als Sabine zurückkommt. Als ich die Haustür zufallen und ihre Absätze in der Garderobe klackern höre, klettere ich aus meinem Bett und humple ihr entgegen. Mein Herz klopft wild in meiner Brust. „Wo warst du?“, frage ich sie, dabei kann ich es mir denken.
„Ich habe Sam nach Hause gefahren“, sagt sie mit einem seltsamen Gesichtsausdruck.
„Oh. Dann hat sie doch nicht den Zug genommen?“
„Nein. Ich konnte sie davon abhalten. Wir haben viel gesprochen. Komm mit in die Küche. Ich brauche unbedingt einen Kaffee. Dann erzähle ich dir alles.“
Sabine tauscht ihre Stöckelschuhe gegen Birkenstocks und ich folge ihr, lasse mich am Küchentisch nieder und schaue ihr dabei zu, wie sie sich an der Kaffeemaschine zu schaffen macht.
„Was ist jetzt mit Sam?“, dränge ich, denn meine Nerven sind so gespannt, dass ich es nicht länger aushalte. „Liebt sie mich noch?“
Sabine kichert. „Das habe ich kein einziges Mal bezweifelt. Sam liebt dich sehr.“
„Warum ist sie dann gegangen?“
„Wegen Hartmut. Sie hat Angst vor ihm.“
Ich lache laut auf. „Was? Sam hat Angst vor ihm? Das ist Blödsinn. Sie hat ihm doch die ganze Zeit Sprüche reingedrückt.“
„Das hat sie getan, um ihre Angst zu überspielen. Glaub mir, ich bin auf der Fahrt ganz schön tief in deine Sam vorgedrungen. Erst war sie recht wortkarg, aber irgendwann hat sie angefangen zu erzählen.“
„Was hat sie dir erzählt?“
„Dass sie Angst vor Homophoben hat, weil sie schon von welchen angegriffen wurde. Mehr Angst als um sich, hat sie aber um dich.“
„Wegen Vater?“
„Ja. Sie fürchtet sich, dass du deine Sexualität nicht ausleben und dadurch in eine Krise rutschen könntest. Genauso im Internat, da scheint es wohl die einen oder anderen Klassenkameraden zu geben, die euch nicht wohlgesonnen sind. Hab ich recht?“
Ich nicke. Sabines Worte machen mich nachdenklich. Ich habe nicht erwartet, dass Sam sich um mich Sorgen macht. Ich habe mich eher schuldig gefühlt, weil Vater sie so blöd angemacht hat. Ich dachte die ganze Zeit, sie sei einfach nur eine Rebellin und würde mich nicht verstehen, aber dass sie sich Sorgen macht – damit hätte ich im Leben nicht gerechnet.
„Hat Hartmut eigentlich mit dir geredet?“, reißt Sabine aus den Gedanken.
„Ja“, sage ich leise. „Er wollte sich entschuldigen, aber irgendwie haben wir am Ende wieder gestritten.“
Sabine seufzt und verzieht mitleidig das Gesicht. „Ach, Dany. Warum das denn?“
„Weil er mir trotzdem verbieten möchte, mit Sam Sex zu haben. Und weil er mich als Kind sieht.“
„Dann hat meine Standpauke wohl nicht viel gebracht. Ich werde nochmal mit ihm reden.“
„Was hast du ihm eigentlich gesagt, damit er Sam doch dabehalten wollte?“
Ein Grinsen zog sich über Sabines Lippen. „Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht mehr mit ihm ins Bett gehe, wenn er Sam wie eine Aussätzige behandelt. Weil mich das ziemlich abtörnt.“
„Was?“, rufe ich entgeistert. „Du hast ihm Sexentzug erteilt?“
„So ungefähr, ja. Das Gleiche, was er mit dir und Sam abgezogen hat. Ich glaube, das hat ihn ins Grübeln gebracht. Du weißt ja, Männer sind, was Sex betrifft, sehr empfindlich. Da ist dein Vater nicht anders.“
Wir sehen uns an und brechen in schallendes Gelächter aus. Ich muss so hart lachen, dass mir der Bauch wehtut und die Augen tränen.
Sabine japst nach Luft und hält sich die Seite.
„Oh Mann, Sabine. Das hätte ich dir gar nicht zugetraut“, pruste ich. „Da hat er bestimmt ganz blöd geguckt.“
„Und wie! Aber -“, Sabine hört auf zu lachen und wird wieder ernst, „ich glaube, es hat nicht ausreichend geholfen. Er hat zwar gesagt, dass Sam dableiben darf, aber an seiner Einstellung gegenüber gleichgeschlechtliche Liebe und Sexualität hat sich wohl nicht viel geändert.“
Jetzt verstumme ich auch ich und eine bleierne Traurigkeit legt sich auf mein Herz. Da hat Sabine wohl recht.


Hier kommst du zur Übersicht über alle bisher erschienen Kapitel, dem Klappentext und Hintergrundinfos zum Blogroman.

Achtung!

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