Blogroman | „Freche Mädchen küssen besser“ | 28. Kapitel

Hey hey, Emma Escamilla

soooo, gestern Abend um 22 Uhr ist mir eingefallen, dass ich das neue Kapitel für den Blogroman noch nicht geschrieben habe. *schwitz* Da ich momentan völlig auf den NaNoWriMo und mein dortiges Projekt fixiert bin, ist mir der Blogroman irgendwie durchgerutscht. Ich habe mich dann an mein Dokument gesetzt und das letzte Kapitel gelesen – und mich gefragt, wie ich da bloß weiterschreiben soll. Ich hab’s dann irgendwie versucht und je länger ich an dem Kapitel saß, desto mehr flossen die Ideen auf mich ein. Ich hoffe, dir gefällt das Ergebnis.

Natürlich geht das Kapitel heute im Laufe des Tages auch wieder auf Wattpad, Sweek und FanFiktion.de  online.

Viel Spaß beim Lesen. Und: Über Feedback freue ich mich immer. ;-)

28. Kapitel: Alles vermasselt

„Das kannst du nicht machen!“, schreie ich. „Du hast mir versprochen, dass Sam kommen darf. Du kannst sie mir nicht wieder wegnehmen.“

„Und wie ich das kann.“ Mein Vater steht auf und brüllt: „Samantha? Samantha! Pack deine Sachen!“ Er läuft aus dem Wohnzimmer und ich folgte ihm, so schnell meine verbundenen Füße mich lassen.

Sam kommt aus dem Badezimmer gestürmt, ihren schmalen Körper in ein Handtuch eingewickelt und die nassen Haare wirr im Gesicht. „Was ist los?“, fragt sie. „Was soll das Geschrei?“

„Du hast Dany dazu verführt, dass sie sich nicht an unseren Deal gehalten hat. Also, musst du jetzt auch die Konsequenzen tragen. Föhn‘ dir die Haare, wir fahren in einer Stunde los.“

„Bitte was?“ Sam guckt erst entgeistert zu meinem Vater, dann zu mir. „Das ist jetzt ein schlechter Scherz, oder?“

„Ist es nicht“, sage ich mit erstickter Stimme. In meiner Kehle steckt ein fetter Kloß, den ich auch durch mehrmaliges Schlucken nicht wegkriege. Ich bin kurz davor, loszuheulen, doch ich reiße mich zusammen. Ich will jetzt keine Schwäche zeigen.

Sam rollt mit den Augen. „Na, toll. Nur, weil wir ein bisschen rumgepimpert haben?“

Ich sehe förmlich Dampf aus den Ohren meines Vaters steigen. Mit hochrotem Kopf brüllt er: „Ihr sollt in meinem Haus nicht rumpimpern.“

„Hatten Sie in ihrer Jugend keinen Sex? Nein, lassen Sie mich raten. Sie haben gewartet bis zur Ehe.“ Sam funkelt meinen Vater wütend an. „Oder noch besser: Ihre Frau hat Dany jungfräulich empfangen. Hallelujah, sie ist eine Heilige, die keiner berühren darf!“

Mein Vater starrt Sam an, als würde er ihr am liebsten den Kopf abreißen. Seine Lippen beben, doch er bringt kein Wort heraus. Offenbar hat Sam ihn sprachlos gemacht – und mich auch. Ich fühle mich auf einmal furchtbar fehl am Platz.

„Du unverfrorene Göre!“, zischt Papa leise. „Was fällt dir ein, in diesem Ton mit mir zu reden. Hab gefälligst Respekt vor Erwachsenen.“

Sam stößt einen Lacher aus. „Respekt?“ Sie schnaubt. „Glauben Sie mir, ich habe vor vielen Leuten Respekt. Vor den meisten, um genau zu sein. Aber Sie sind für mich einfach nur ein homophobes Arschloch.“ Mit diesen Worten dreht sie sich um und stampft zurück ins Badezimmer.

Mein Vater ringt sichtlich um Fassung. „Unverschämtheit!“, japst er. „So eine Unverschämtheit!“ Er sieht mich an. „Und mit so jemandem bist du zusammen? Wow, Dany, wie tief kann man sinken?“ Kopfschüttelnd poltert er an mir vorbei ins Wohnzimmer.

Erst als er weg ist, lasse ich meinen Gefühlen freien Lauf. Ich sinke auf den Treppenabsatz und heule wie ein Baby, dem man den Schnuller weggenommen hat. Ich lasse alles heraus, all den Schmerz, all die Enttäuschung, all die Wut. Schritte nähern sich. Ich schlage die Hände vors Gesicht. Ich will nicht mit meinem Vater reden, er hat es endgültig mit mir verscherzt. Ich bin absolut fertig mit der Welt. Die Person kniet sich neben mich, berührt meine Schulter.
Ich zucke zusammen.

„Was ist los, Dany?“

Ich schaue auf. Sabines besorgte Augen mustern mich.

„Papa will Sam zurückfahren. Sie haben sich gestritten und ich …“ Meine Stimme versagt und ich schluchze laut auf.

„Was, warum das denn?“

„Hast du das nicht mitgekriegt?“

„Nein, ich war bis eben draußen und habe mit der Nachbarin geplaudert. Hat er etwa … nein, oder?“

„Doch. Er hat uns nackt im Bett erwischt.“

Sabine zieht scharf die Luft ein. „Verdammte Scheiße!“

Ich muss unwillkürlich grinsen. „Sabine, seit wann fluchst du denn so?“

„Seit dein Vater sich wie ein Idiot aufführt. Lass mich mal mit ihm reden, Süße. Geh zu Sam und sag ihr, dass sie nicht gehen muss, okay?“

Erleichtert atme ich auf. „Wirklich? Denkst du, er hört auf dich?“

„Das kriegen wir schon hin.“ Sabine zwinkert mir verschwörerisch zu, dann erhebt sie sich und ruft: „Hartmut? Wir müssen reden.“

Ich finde Sam mit dem Föhn in der Hand vor dem Badezimmerspiegel. Sie ist nackt und hat offenbar gar keine Angst, dass mein Vater oder Sabine ungefragt reinkommen könnten. Ich setze mich auf den Rand der Badewanne und warte, bis sie den Föhn ausgeschaltet hat, da ich gegen den Lärm nicht ankomme.

„Sabine redet mit Papa“, erkläre ich, doch Sam verzieht keine Miene. „Sie wird ihm schon den Kopf waschen.“

„Ah“, sagt Sam und bürstet ihr Haar. Es sieht wunderschön aus, wie es ihr über die Schultern fällt und glänzt. Wäre sie ein bisschen älter, würde sie auf der Titelseite der Vogue oder Cosmopolitan sicher eine gute Figur machen.

„Ja, du kannst bestimmt bleiben. Sabine hat es mir versprochen.“

Sam stopft ihre Bürste in den schwarzen Kulturbeutel und zieht sich an. Sie zeigt keine Reaktion und ich frage mich, ob sie mir überhaupt zuhört.

„Interessiert dich das gar nicht?“, will ich wissen, als sie vollbekleidet vor dem Spiegel steht und ihre Augen mit einem schwarzen Eyeliner umrandet.

„Weißt du, Dany“, sie wirft den Eyeliner in den Kulturbeutel, schließt dessen Reißverschluss und dreht sich zu mir um, „ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt hier bleiben will. Es gibt ja doch nur Stress und Unfrieden. Ich fühle mich hier nicht willkommen.“

Das versetzt mir einen Stich ins Herz. Ich nehme ihre Hand, führe sie zu meinen Lippen und will ihre Finger küssen, doch sie entzieht sie mir.

„Sam, ich liebe dich. Natürlich bist du hier willkommen. Nur weil mein Vater …“

„Hör mir auf mit deinem Vater“, unterbricht sie mich und wedelt mit den Händen abwehrend in der Luft herum. „Von diesem Scheißkerl will ich kein Wort mehr hören.“

Sie reißt die Badezimmertür auf und rauscht hinaus. Ich humple ihr so schnell ich kann hinterher, was mit meinen verbundenen und brennenden Füßen gar nicht so einfach ist. Ich folge ihr in mein Zimmer, dort reißt sie ihren Koffer auf und verstaut den Kulturbeutel darin, ehe sie beginnt, andere Sachen, die ihr gehören und die in meinem Zimmer verstreut liegen, einzusammeln und ebenfalls in den Koffer zu werfen.

„Bitte, Sam. Überleg‘s dir noch mal. Ich will nicht, dass du gehst. Die Ferien sind scheiße ohne dich.“

„Hier sind sie aber auch scheiße“, knurrt Sam. „Du bist verletzt und kannst nichts unternehmen, das heißt, wir sind hier im Haus gefangen mit diesem … diesem …“

„Diesem Irren? Tut mir echt leid, wie mein Vater sich aufführt. Aber da kann ich doch nichts dafür und ich will dich hier behalten“, rede ich mich um Hals und Kragen. Doch sie packt weiter ihren Koffer, achtet gar nicht auf mich. Ich packe sie am Arm und halte sie fest. Unsere Blicke treffen sich. „Bitte, Sam, bleib. Tu‘s für mich“, flehe ich.

„Ich kann nicht“, sagt Sam und in ihrer Stimme liegt so viel Kälte, dass mir ein Gänsehautschauer über den Rücken läuft.

„Liebst du mich denn gar nicht mehr?“, schreie ich und bin den Tränen nahe.

Sie hält kurz inne, sieht mich an. „Doch, Dany. Ich liebe dich. Ich liebe dich sehr. Aber ich glaube, wir können erst im Internat wieder richtig zusammen sein. Bis dahin müssen wir eben getrennt klarkommen.“ Sie schließt ihren Koffer.

In diesem Moment wird die Tür aufgerissen und Sabine kommt mit strahlendem Gesicht herein. „Halt, stopp, Mädels! Ihr müsst nicht packen. Hartmut hat seine Meinung geändert. Sam kann selbstverständlich bleiben.“

Sam stampft mit ihrem Koffer an ihr vorbei. Mir laufen die Tränen über die Wangen.

„Was ist denn los?“, fragt Sabine fassungslos.

„Mein Erzeuger hat alles vermasselt“, schluchze ich und presse mir die Hand auf den Mund. Das Wort Erzeuger passt für mich in diesem Moment am besten zu ihm. Ich will ihn nicht mehr liebevoll Paps oder Papa nennen. Was ist nur aus ihm geworden?

„Sie geht? Obwohl ich mit Hartmut gesprochen habe?“

Ich nicke, werfe mich aufs Bett und vergrabe mein Gesicht in den Kissen. Sie riechen nach Sam.

Sabine eilt Sam nach und ruft: „Warte, Sam, ich fahre dich.“

„Ich nehme den Zug“, brüllt meine Freundin zurück. Dann höre ich die Haustür zuknallen.


Hier kommst du zur Übersicht über alle bisher erschienen Kapitel, dem Klappentext und Hintergrundinfos zum Blogroman.

Achtung!

Beim Kommentieren dieses Beitrags werden Daten (z. B. Name, E-Mail, Website, IP-Adresse) erhoben und gespeichert. Mit dem Absenden deines Kommentars erklärst du dich mit der Datenschutzerklärung einverstanden.