Blogroman | „Freche Mädchen küssen besser“ | 25. Kapitel

Heyho!Emma Escamilla

Heute geht es mit der Liebesgeschichte zwischen Dany und Sam weiter. Für alle, die neu dabei sind, hier kannst du dir Klappentext und die einzelnen Kapitel ansehen.

Im Laufe des Tages geht das Kapitel auch wieder auf Wattpad, Sweek und FanFiktion.de  online.

Das heutige Kapitel beginnt in der Notaufnahme und endet mit einem Machtwort und einer großen Erleichterung.

Viel Spaß beim Lesen!

25. Kapitel: Kein Monster

Wenig später sitze ich mit Sabine im Krankenhaus. Ich hatte mich nochmal leise in mein Zimmer geschlichen, um mich anzuziehen. Sam schlief aber so tief, dass sie mich nicht bemerkt hatte.

Meine Füße hat Sabine mit Verband umwickelt und ich habe Sandalen angezogen, da die in diesem Fall am bequemsten sind. Trotzdem brennen meine Füße bei jedem Schritt, sodass ich versuche, mich so wenig wie möglich zu bewegen.

Wir sitzen zwischen anderen Patienten, die ebenfalls in der Notaufnahme warten. Uns gegenüber sitzt ein kleines Mädchen, das sich an seine Mama kuschelt. Immer wieder fallen der Kleinen die Augen zu und ihr Kopf sinkt auf den Schoß der Mutter. Gerade setzt sie sich wieder auf und starrt mich an. Ich lächle, weil ich nicht weiß, wie ich darauf reagieren soll. Schüchtern erwidert sie mein Lächeln, dann fällt ihr Blick auf meine bandagierten Füße.

„Was ist dir passiert?“, fragt sie.

„Ich habe mir heißen Tee über die Füße geleert.“

„Autsch!“ Sie rutscht vom Stuhl und setzt sich auf den freien Platz neben mir. „Ich habe mir die Zunge halb abgebissen, als ich auf dem Bett gehüpft bin und nicht schlafen wollte.“ Sie streckt mir zum Beweis die Zunge heraus und ich verziehe das Gesicht.

„Sieht schmerzhaft aus“, sage ich.

„Tut auch ganz doll weh.“

„Dann bist du aber ein tapferes Mädchen.“ Ich streichle ihr über das blonde Haar.

Sie nickt und antwortet: „Du aber auch.“

Ich muss darüber lachten. Sie will in mein Gelächter einstimmen, doch es scheint ihr wehzutun, weshalb sie gleich wieder verstummt.

Die Tür zum Zimmer der Ärztin geht auf und ein Mann humpelt heraus, gefolgt von einer Frau in Weiß.

„Jacqueline Weimer?“, ruft sie und wirft uns Patienten einen Blick über den Rand ihrer Brille hinweg zu.

Das Mädchen neben mir springt auf. „Komm, Mama!“, sagt sie und ihre Mutter nimmt sie an der Hand.

„Viel Glück!“, rufe ich ihr nach, doch da ist sie schon im Behandlungszimmer verschwunden.

 

Ich weiß nicht, wie lange wir noch warten müssen. Irgendwann nicke ich ein, doch ich reiße erschrocken die Augen auf, als Sabine mich schüttelt.

„Du bist dran“, sagt sie und will mir hochhelfen, doch ich schüttle sie ab.

„Ich gehe alleine rein“, sage ich. „Ich bin schließlich kein Baby mehr.“

„Okay.“ Sabine lässt mich los und ich humple unter Schmerzen in den Behandlungsraum.

Die Ärztin gibt mir zu verstehen, mich auf die Liege zu legen. Ich streife meine Sandalen ab und tue, was sie von mir verlangt.

„So, was führt Sie zu uns?“, fragt sie. Ihre Augen sehen hinter den Brillengläsern riesig aus und mit ihrem grauen Pagenkopf erinnert sie mich ein bisschen an meine Oma, die starb, als ich neun war. Nur, dass die Ärztin mindestens zwanzig Jahre jünger ist. Sonst würde sie wohl nicht mehr hier arbeiten.

„Ich habe mir frisch gekochtes Wasser über die Füße geleert“, erkläre ich knapp.

Die Ärztin tippt etwas in ihren Computer. Dann wendet sie sich wieder mir zu und wickelt langsam den Verband ab. Es ziept, denn der Stoff klebt an meiner verbrühten Haut fest. Ich beiße mir auf die Zähne und blinzele Tränen weg. Große Mädchen weinen nicht, geht mir durch den Kopf. Woher ich diesen Spruch plötzlich habe, will mir nicht einfallen.

Die Ärztin betrachtet meine Wunden. „Das sind Verbrühungen zweiten Grades“, sagt sie. „Die Blasen deuten darauf hin. Und was ist denn mit ihrem Zeh passiert?“

Erst jetzt bemerke ich, dass der Nagel schwarz ist. Da hatte ich mich wohl heftiger gestoßen, als ich gedacht habe.

„Ich bin im Dunkeln gegen das Bett gerannt. Müssen Sie die Blasen aufstechen?“, frage ich mit einem Anflug von Panik in der Stimme.

Sie schüttelt den Kopf. „Nein, das nicht. Aber ich werde Ihnen eine Salbe verschreiben, die Sie bitte auftragen. Und Sie müssen regelmäßig den Verband wechseln, am Anfang am besten jeden Tag. Wenn die Rötungen um die Blasen schlimmer werden, kommen Sie bitte unbedingt wieder vorbei. Dann könnte eine Infektion vorliegen.“

„Verstehe.“ Ich schlucke. Hoffentlich entzündet sich nichts.

„Und unterstehen Sie sich, die Blasen selbst aufzustechen.“ Die Ärztin wirft mir einen strengen Blick zu.

Schnell schüttle ich den Kopf. „Darauf würde ich eh nicht kommen. Das tut schließlich furchtbar weh.“

„Das glaube ich. Aber mit der Salbe wird‘s sicher bald besser.“ Sie tippt wieder etwas auf ihren Computer ein. Der Drucker ertönt und die Ärztin steht auf. Sie geht zu dem Schrank auf der gegenüberliegenden Seite des Behandlungszimmers. Ich starre auf meine Verbrühungen und höre, wie sie eine Schublade öffnet und wieder schließt. „Ich werde jetzt die Wunden reinigen und versorgen. Das könnte ein bisschen wehtun.“

Ein bisschen ist gut. Es brennt so furchtbar, dass ich aufheule und meine Finger sich in das Polster der Liege krallen.

„Gleich ist es vorbei“, murmelt die Ärztin. Nach ein paar Minuten der Qual, die sich wie Stunden anfühlen, lässt sie endlich von meinen Füßen ab. Sie geht wieder zu dem Schrank und kommt mit einer Rolle Verband und sterilen Kompressen zurück. Das Einwickeln tut wieder weh und ich beiße mir so fest auf die Unterlippe, dass sich ein metallischer Geschmack auf meiner Zunge ausbreitet.

„So, fertig“, sagt die Ärztin und setzt sich wieder an ihren Schreibtisch. „Machen Sie morgen bitte einen Termin bei Ihrem Hausarzt aus. Der soll das regelmäßig kontrollieren, okay?“

Ich bejahe und schlüpfe wieder in meine Sandalen. Als ich die Riemchen schließe, fühlt es sich an, als würde ich meine Füße in Eisenketten zwängen.

 

Als wir zu Hause ankommen, ist es ein Uhr morgens und Papa ist längst ins Bett gegangen, weshalb ich mich mit einer Wolldecke und einem dicken Kissen auf das Sofa verziehe. Die Füße strecke ich unter der Decke hervor. Aufgrund der heftigen Schmerzen dauert es ewig, bis ich endlich schlafen kann. Doch schließlich bin ich so erschöpft, dass ich in wirre Träume gleite.

 

Ein Kitzeln im Gesicht weckt mich am nächsten Morgen. Es dämmert bereits und ich brauche einen Moment, bis ich Sam erkenne, die neben dem Sofa kniet und mit den Fingern über meine Wange streichelt.

„Was ist dir denn passiert?“, will sie wissen. „Deine Füße sind ja bandagiert.“

„Ich habe sie mir mit Teewasser verbrüht“, brumme ich schlaftrunken.

Sam verzieht das Gesicht, als würde sie meine Schmerzen am eigenen Leib erfahren. „Oh nein. Ist es sehr schlimm?“

„Verbrühungen zweiten Grades. Wir waren gestern noch in der Notaufnahme.“

„Wie schrecklich!“ Sam reißt die Augen auf. „Das habe ich gar nicht mitbekommen. Scheiße … und es ist alles meine Schuld.“

„Warum das denn?“

„Na, wenn wir den Film zu Ende geguckt hätten, wäre die Sache vielleicht nicht passiert, oder?“

Ich mache eine wegwerfende Handbewegung. „Das ist nicht deine Schuld. Du kannst nichts dafür, dass ich so schusselig bin.“ Ich versuche ein zaghaftes Lächeln und will mich aufsetzen, doch da fährt der Schmerz so heftig in eine Füße, das ich gequält aufstöhne.

Sam betrachtet mich gedankenverloren. Ich mustere ihr Gesicht und wir sehen uns tief in die Augen. Sie sieht traurig aus.

„Ist alles okay?“, frage ich.

„Das sollte ich wohl eher dich fragen“, sagt Sam leise. „Es tut mir leid, wie ich gestern reagiert habe. Aber ich fand‘s einfach doof von deinem Vater, dass er sich so in unsere Beziehung einmischt.“

„Ist dir Sex denn so wichtig?“

Sam beißt sich auf die Unterlippe, dann schüttelt sie den Kopf. „Nein. Aber ich würde dich schon gerne … berühren, verstehst du? Schließlich fühle ich mich von dir angezogen, nicht nur romantisch, sondern eben auch sexuell.“

Ich nicke langsam. Ich verstehe. Und wenn ich ganz ehrlich bin, möchte ich von Sam berührt werden.

„Wir müssen ja nicht gleich miteinander schlafen. Sexualität hat so viele Facetten.“

„Du hast recht, Sam“, flüstere ich. „Ich würde auch gerne ein bisschen mit dir … du weißt schon.“

Sam grinst breit, dann drückt sie mir einen sanften Kuss auf die Lippen.

 

„Na, na, was wird denn das?“

Erschrocken sehe ich auf und erblicke meinen Vater, der im Türrahmen steht und uns kritisch beäugt.

„Ich küsse meine Freundin, Herr Weißmann“, sagt Sam mit Nachdruck. „Haben Sie etwas dagegen?“

Mein Vater verengt die Augen zu Schlitzen. „Aber nicht, dass du sie zu etwas verleitest, wofür sie noch zu jung ist.“

„Zu was soll sie mich denn verleiten?“, fragte ich genervt. „Wir haben uns doch nur geküsst.“

„Ja, aber muss das hier sein? Mitten im Wohnzimmer vor unser aller Augen?“

„Du küsst Sabine ja auch, wenn es dir passt“, zische ich. „Du kannst mir nicht verbieten, dass ich Sam küsse. Ich liebe sie.“

Papa schnaubte. „Ich weiß.“

„Dann sollten Sie das langsam auch akzeptieren, Herr Weißmann“, sagt Sam mit strengem Blick. „Mensch, jetzt springen Sie mal über Ihren Schatten. Ich bin doch kein Monster, das Ihrer Tochter schaden will.“

Er öffnet den Mund, um etwas zu sagen, schließt ihn dann unverrichteter Dinge aber wieder und trottet davon.

Als er verschwunden ist, küsse ich Sam auf die Wange. „Danke, ich hoffe, er hat‘s begriffen.“

„Wenn nicht, muss ich eben noch deutlicher werden“, sagt Sam mit scharfer Stimme, immer noch die Tür im Blick behaltend. Als mein Vater nicht zurückkehrt, werden ihre Züge wieder weich und sie schenkt mir ein sanftes Lächeln. „Und, was machen wir heute?“

„Viel können wir nicht unternehmen“, seufze ich und blicke auf meine bandagierten Füße. „Tut mir echt leid.“

„Wie wär‘s, wenn wir uns in dein Bett kuscheln und den Film fertigschauen?“

Ich atme erleichtert auf. Der Streit mit Sam scheint endgültig ausgesöhnt zu sein. Sie ist mir nicht mehr böse. „Gerne!“


Hier kommst du zur Übersicht über alle bisher erschienen Kapitel, dem Klappentext und Hintergrundinfos zum Blogroman.

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2 Kommentare

  1. Ich hab 80% des Kapitels mit schmerzverzerrtem Gesicht gelesen. Das mit dem Tee über Füße hab ich auch schon geschafft. Nicht schön. Aloe Vera hilft, vllt willst du sie ja schnell heilen lassen. 😉
    Grüße, Katharina

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    • Autsch! Tut mir leid, dass du die Erfahrung auch schon gemacht hast. :( Aber danke für den Tipp mit Aloe Vera, das werde ich mir merken und versuchen, einzubauen.

      Danke fürs Lesen und deinen Kommentar.
      Liebste Grüße
      Emma

      Gefällt 1 Person

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