„Freche Mädchen küssen besser“ | 24. Kapitel

Hallöchen!

Heute geht es weiter mit der Geschichte um Dany und Sam. In der letzten Folge gab es ja Emma Escamillaeine Auseinandersetzung zwischen den beiden. Da knüpfen wir heute an. Für Dany wird das eine sehr ungemütliche Nacht. Nicht nur, weil sie auf dem Sofa schlafen muss.

Meinen Blogroman erwähne ich übrigens auch in meinem neusten Vlog (er läuft über den Account meines zweiten Pseudonyms Myna Kaltschnee, aber ich erwähne auch meine Projekte als Emma Escamilla darin). Falls du ihn dir auf YouTube anschauen magst, kannst du das hier tun.

Natürlich gibt es die Geschichte im Laufe des Tages auch wieder auf  Wattpad, Sweek und FanFiktion.de .

Übrigens, die Domain dieses Blogs ist ab sofort https://emma-escamilla.com! Ich hab endlich ne eigene Domain. *freu*

Jetzt viel Spaß mit dem 24. Kapitel!

24. Kapitel: Unser erster Streit

„Sam?“, frage ich leise. Doch sie rührt sich nicht. „Sam, bist du sauer?“ Tränen sammeln sich in meinen Augen. Ich wollte doch alles richtig machen. Warum hat sie kein Verständnis für meine Situation? Sie muss doch verstehen, dass mein Vater hier die Regeln aufstellt. „Sam?“

Sie schlägt mit einem Schnauben die Decke zurück. „Ist jetzt gut, Dany“, faucht sie. „Geh ins Bett. Wir reden morgen wieder, ja?“

„J-ja“, sage ich mit erstickter Stimme.

„Heulst du?“

Ich weiß nicht, was ich drauf antworten soll. Es hört sich so an, als würde sie das noch wütender auf mich machen. „Ähm, nein …“

Sam stöhnt. „Bitte mach jetzt kein Drama draus, okay? Ich will jetzt alleine sein.“

„Verstehe.“ Wie ein geprügelter Hund schleiche ich zur Tür. Obwohl ich mein Zimmer gut genug kennen müsste, um unbeschadet im Dunkeln auf den Flur zu kommen, stoße ich meinen großen Zeh gegen die Bettkante. „Autsch, verdammt!“

„Was ist?“ Sam klingt extrem genervt, deshalb winke ich nur ab.

Dann fällt mir ein, dass sie das vermutlich nicht sehen kann und sage: „Nichts, ich hab mich nur gestoßen. Schlaf weiter.“

Sam murmelt irgendetwas, das sich so anhört wie „Als ob man bei dem Theater schlafen könnte.“ und ich erreiche endlich die Tür. Mein Zeh pocht, als ich die Klinke hinunterdrücke und auf den Flur schleiche. Bevor ich die Tür schließe, halte ich noch einmal kurz inne und flüstere: „Gute Nacht, Sam.“ Doch sie antwortet nicht.

Ich steige die Treppe hinunter. Licht dringt aus dem Wohnzimmer zu mir heraus und ich höre den Fernseher. Schnell wische ich mir die Tränen aus den Augen und atme tief durch, ehe ich den Raum betrete. Sabine und Papa sitzen auf dem Sofa und schauen einen Krimi. Eine Frau wird gerade von einem Mann gepackt und ins Gebüsch gezogen. Sie schreit und wehrt sich, während der Mann versucht, ihr den Mund zuzuhalten und sich an ihr zu vergehen.
„Müsst ihr so was Grausiges gucken?“, frage ich und Sabine, die gerade nach ihrem Weinglas gegriffen hat, zuckt zusammen und verschüttet den Rotwein auf den Teppich.

„Mann, Dany, hast du mich erschreckt. Schleiche dich doch nicht so an“, schimpft sie und stellt das Glas zurück auf den Tisch. Sie steht auf und eilt in die Küche.

„Was ist los?“, fragt Paps und schaut mich prüfend an. „Du guckst ja, als sei dir eine Laus über die Leber gelaufen.“

Ich schüttle den Kopf. „Nichts. Alles okay.“

„Wo ist deine Freundin?“

„Im Bett. Sie war müde.“

„So früh?“ Papa schaut auf seine Armbanduhr. „Ist ja gerade mal halb zehn.“

Ich weiß nicht, was ich antworten soll, aber das erübrigt sich auch. Sabine kommt, mit einem feuchten Lappen bewaffnet, zurück und besieht sich die Sauerei auf dem Teppich. „Ob ich das wieder rausbekomme?“, murmelt sie, geht auf die Knie und rubbelt mit dem Lappen über die Flecken.

„So machst du den Fleck nur noch größer“, bemerkt Papa und schaut dann wieder auf den Bildschirm.

Sabine flucht leise und tupft auf dem Teppich herum. Die Flecken werden zwar blasser, aber man sieht sie immer noch deutlich. „Was soll ich denn sonst machen?“, fragt Sabine und schaut Papa hilfesuchend an.

„Keine Ahnung. Google es doch mal. Hausmittel bei Rotweinflecken oder so was.“

Sabine nimmt ihr Handy, das neben der Rotweinflasche liegt und tippt darauf herum.

„Eigentlich wollte ich auch schlafen“, bemerke ich.

„Tu dir keinen Zwang an“, antwortet Paps ohne aufzusehen.

„Ähm, aber ich muss hier schlafen.“

Jetzt sieht er doch auf und kratzt sich am Hinterkopf. „Stimmt. Deine Freundin liegt ja in deinem Bett.“ Er spricht das Wort Freundin so aus, als sei es etwas Verwerfliches. Ich muss mich zurückhalten, um ihm nicht irgendwas Gemeines an den Kopf zu werfen.

„Das hast du so bestimmt“, erinnere ich ihn.

Er presst die Lippen aufeinander und tut so, als hätte er mich gar nicht gehört.

„Hallo?“, mache ich mich nach ein paar Minuten – oder waren es nur Sekunden? – bemerkbar.

„Ja, was hallo?“, poltert Papa. „Ich werde doch nicht um Viertel vor zehn ins Bett gehen, nur damit du hier pennen kannst. Und jetzt sei still, es ist gerade so spannend.“

Ich schnaube. Das kann doch unmöglich sein Ernst sein. Wütend stemme ich die Hände in die Hüften.

„Zitronensaft!“, ruft Sabine da triumphierend und legt ihr Handy weg.

„Hä?“ Paps wirft ihr einen verwirrten Blick zu.

„Zitronensaft ist die Lösung für unser Problem.“

„Aber wieso? Soll Dany jetzt Zitronensaft trinken, damit sie nicht mehr müde ist oder was?“ In den Augen meines Vaters stehen Fragezeichen.

Ich rolle mit den Augen. Mein alter Herr ist mal wieder schwer von Begriff. „Nein“, stöhne ich. „Der Zitronensaft hilft wohl gegen die Weinflecken.“

„Ach so.“ Er kratzt sich wieder am Kopf, während Sabine wieder in der Küche verschwindet, um nachzusehen, ob wir noch Zitronen haben.

Ich setze mir derweil auf ihren Platz auf dem Sofa, lege den Kopf auf die Rückenlehne und schließe die Augen. Die dramatische Musik des Krimis löst einen Druck auf meine Brust aus. Es ist unserer erster Streit. Ich habe noch nie zuvor mit Sam gestritten. Wir waren immer ein Herz und eine Seele. Aber sicher war es nur eine Frage der Zeit, bis wir uns irgendwann zoffen würden. Ich kann nur hoffen, dass sie sich bis morgen wieder beruhigt. Ich nehme ein paar tiefe Luftzüge, ehe Sabine zurückkommt und mich bittet, aufzustehen, damit sie den Fleck mit Zitronensaft betupfen kann. Ich beschließe, den Rückzug anzutreten und schlurfe in die Küche. Jetzt brauchte ich erst mal einen heißen Tee. Ich fülle den Wasserkocher und stelle ihn an. Auf der Anrichte liegt ein Buch von Sabine. Um mir die Zeit zu vertreiben, lese ich mir den Klappentext durch. Es handelt sich dabei um eine Familiengeschichte im 20. Jahrhundert, in der sich die Tochter der Familie in einen katholischen Priester verliebt. Ich drehe das Buch um und sehe den Titel: „Die Dornenvögel“. Ich runzle die Stirn. Hatte Sabine nicht mal eine Filmreihe erwähnt, die so heiß? Wollte sie die nicht mit meinem Vater ansehen, der sich vehement dagegen sträubte? Ich schlage die erste Seite auf und überfliege die Zeilen, stelle aber schnell fest, das das nicht mein Genre ist. Ich klappe das Buch wieder zu und setze mich an den Tisch. Den Kopf in die Hände gestützt gehen meine Gedanken wieder zu dem Streit zwischen Sam und mir zurück. Ich liebe sie doch. Ich will mich nicht mit ihr streiten. Ich habe Angst, dass sie womöglich mit mir Schluss macht, wenn ich nicht mit ihr schlafe. Ist Sam wirklich so auf Sex fixiert? Geht es ihr nur um das? Aber wenn ja, warum hat sie es im Internat noch nicht angesprochen? Die Antwort kommt mir sofort in den Sinn: Weil wir das Zimmer mit Lis und May teilen. Aber hier könnten wir tatsächlich Sex haben. Vorausgesetzt, meine Eltern sind nicht zu Hause. Doch will ich überhaupt Sex mit Sam? Ich muss zugeben, dass ich manchmal davon fantasiert habe, aber da ich noch nicht viel Erfahrung mit sexuellen Dingen habe, macht es mir auch ein bisschen Angst.

Das Pfeifen des Wasserkochers erlöst mich schließlich aus meinen Gedanken. Ich öffne die oberste Schublade des Küchenblocks und nehme einen Beutel meines Lieblingstees – Rooibos Vanille – heraus. Ich hänge ihn in meine Tasse mit der Aufschrift „Danielas Anti-Stress-Becher“ und übergieße ihn mit heißem Wasser. Ich habe so viel Wasser gekocht, dass es locker für drei Tassen reicht. Meine Hand zittert ein wenig, als ich nach der Tasse greife. Sie ist so heiß, dass ich mir die Finger verbrenne. Erschrocken lasse ich die Tasse fallen. Sie knallt mit einem lauten Klirren auf den Boden und das heiße Getränk verbrüht meine Füße. Ich schreie vor Schmerz auf.

„Was ist passiert?“ Sabine steht mit aufgerissenen Augen in der Tür.

„Meine Lieblingstasse!“, heule ich und setze mich noch immer schlotternd an den Tisch. Meine Füße sind an den Stellen, an denen das heiße Wasser mich getroffen hat, knallrot und kleine Bläschen bilden sich darauf. Es brennt so sehr, dass mir die Augen tränen und ich das Gesicht verziehe.

„Oh nein, das sieht ja gar nicht gut aus.“ Sabine geht in die Hocke und betrachtet meine Verbrühungen. „Da sollten wir besser zu einem Arzt gehen.“

„Meinst du wirklich, dass das nötig ist?“

„Na hör mal“, Sabine zieht mir vorsichtig die Schlappen von den Füßen und ich zucke zusammen, als ihre Finger ganz kurz meine Haut berühren. „So wie sich da Blasen bilden, ist das mit ein bisschen kühlen nicht getan. Das sollte man nicht unterschätzen. Am besten fahren wir sofort zum Notdienst.“


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