Festmahl mit Hindernis | KW38/2019 #WritingFriday

Huhu! :)

Heute mache ich wieder beim #WritingFriday mit, einer Aktion, die auf dem Blog Read Books And Fall In Love von Elizzy gehostet wird.

Jeden Monat gibt uns die liebe Elizzy neue Schreibthemen vor, von denen wir uns immer freitags eines aussuchen und darüber schreiben dürfen.

Im September 2019 sind es diese Schreibimpulse:

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Ich schreibe heute zum Thema:  Erzähle von einem Wolfsrudel, welcher Wolf wärst du? Was wäre deine Aufgabe im Rudel?

Festmahl mit Hindernis

Wir schlichen durchs Unterholz. Leise, wie auf Samtpfoten. Unsere Anführerin Mara vorneweg, dicht gefolgt von Chiara und Kay, Sanna und Ole und der kleinen Nila. Ich bildete die Nachhut, sorgte dafür, dass wir zusammenblieben und Nila nicht zurückblieb, weil sie einen Pilz oder Waldblumen interessanter fand, als die nächtlichen Streifzüge durch den Wald.

Ich war Maras rechte Hand. Sie wusste genau, dass sie sich auf mich verlassen konnte. Unser Ziel? Das Dorf. Sanna und Ole hatten ausgekundschaftet, dass dort eine leckere Schafherde am Ortsrand graste.

Wir verließen den Wald und erkannten die Lichter des Dorfes. Weit war es nicht mehr. Ich wurde immer angespannter. Hoffentlich ging alles gut.

„Wie weit ist es denn noch?“, fragte Nila.

„Nicht mehr weit. Siehst du die Häuser da vorne?“ Ich deutete mit dem Kopf in Richtung Dorf.

„Ich habe Hunger. Und ich bin müde.“

„Gedulde dich noch ein bisschen, Kleines. Bald wirst du etwas zwischen die Zähne bekommen.“

Endlich erreichten wir den Ortsrand und Ole zeigte uns den Bauernhof, hinter dem er die Schafherde ausgemacht hatte – und tatsächlich! Eine Herde von mindestens dreißig Schafen graste in aller Seelenruhe auf ihrer Weide. Wir schlichen durch ein Loch im Zaun näher heran. Ich leckte mir mit der Zunge über die Zähne. Das würde ein Festmahl werden!

Nila wollte schon losstürmen, doch ich hielt sie zurück. „Nicht! Wir müssen gemeinsam angreifen. Sonst scheuchst du sie auf.“

Wir konzentrierten uns auf Mara, während wir hinter einem Gestrüpp lauerten. Im Bauernhaus brannte noch Licht im ersten Stock. Mara wartete, bis das Licht erlosch. Dann zischte sie: „Angriff!“

Wir sprangen aus unserem Versteck hervor und überfielen die wehrlosen Schafe, die keine Chance gegen uns Raubtiere hatten. Es war in der Tat ein Festmahl. So gut hatte ich schon lange nicht mehr gefressen. Auch Nila schien es Spaß zu machen, ihre Kräfte mit den Schafen zu messen. Sie machte ein Spiel daraus, täuschte ihre Schwäche vor, nur um sie schließlich doch noch zu erlegen.

Auf einmal zerriss ein lauter Knall die Nacht. Wir hielten inne. Wenige Meter vor uns stand der Bauer mit einem Gewehr.

„Verdammt! Rückzug!“, rief Mara und wir rannten zu dem Loch im Zaun. Alle – bis auf Chiara und Kay. Ich wandte mich um und sah, dass Kay auf dem Boden lag, während Chiara verzweifelt versuchte, ihn aufzurichten. Kay war getroffen! Erneut knallte ein Schuss. Chiara machte einen Satz rückwärts, doch als sie bemerkte, dass der Bauer nicht getroffen hatte, huschte sie wieder zu dem sterbenden Kay.

„Chiara, komm!“, rief ich. „Lass ihn liegen, es ist zu spät.“

„Ich gehe nicht ohne Kay“, schluchzte Chiara.

„Nun komm schon, bevor der Bauer dich auch noch abknallt.“

Chiara zögerte noch immer. Erst als der Bauer erneut sein Gewehr anlegte, trennte sie sich von Kay.  Wir rannten so schnell wir konnten vom Grundstück des Bauern, zurück in den Wald, wo wir sicher waren. Wir liefen und liefen, bis wir unseren Schlafplatz, eine Höhle mitten im Dickicht, erreichten. Erst als wir in Sicherheit waren, nahm ich den Schmerz wahr, der mir Kays Verlust bereitete.

Wir bildeten einen Kreis, senkten die Köpfe. Schließlich sprach Mara: „Wir haben heute Nacht einen treuen Kameraden verloren.“

Chiara schluchzte laut auf.

„Lasst uns ihm in Liebe gedenken. Kay, wir werden dich niemals vergessen“, fuhr Mara fort. Dann warfen wir alle unsere Köpfe in den Nacken.

Ein schauriges Geheul ertönte, voller Trauer und Abschiedsschmerz.


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