„Freche Mädchen küssen besser“ | 23. Kapitel

Heyho!Emma Escamilla

Schön, dass du vorbeischaust.  Heute gibt es ein neues Kapitel meines lesbischen Teenie-Blogroman „Freche Mädchen küssen besser“. Da mir die Geschichte in letzter Zeit etwas zu harmonisch war, habe ich diesmal einen kleinen Streit eingebaut. Das hat auch einfach Sinn gemacht, denn Sam und Dany haben in der Situation je so reagiert, wie es für sie typisch ist. Man lernt dadurch etwas mehr über die beiden Figuren. Ich hoffe, du hast beim Lesen so viel Spaß wie ich beim Schreiben.

Natürlich gibt es die Geschichte im Laufe des Tages auch wieder auf  Wattpad, Sweek und FanFiktion.de .

23. Kapitel: Ein braves Mädchen

„Dany! Sam! Aufwachen! Wir sind gleich daheim.“

Müde blinzle ich und erkenne Sabines Gesicht, die sich auf dem Beifahrersitz zu uns herumgedreht hat und schmunzelnd betrachtet.

Sams Kopf, der auf meiner Schulter liegt, bewegt sich und sie verzieht das Gesicht. „Autsch, verdammt!“ Sie reibt sich den Nacken und wiegt den Kopf vorsichtig hin und her.

Ich bin ebenfalls ganz steif und gähne herzhaft. Der Ohrstöpsel liegt in meinem Schoß. Als ich ihn ins Ohr stopfe, stelle ich fest, dass kein Laut mehr draus hervordringt.

Sam reibt sich die Augen, dann versucht sie das Display ihres Handys zu aktivieren, doch es bleibt dunkel. „Scheiße … der Akku.“ Sie seufzt und stopft es in die Tasche ihrer Collegejacke.

Ich gähne wieder und schaue aus dem Fenster. Der Himmel hat ein tiefes Dunkelblau angenommen, das von orangeroten Wolkenfetzen durchzogen wird. Ich bin so müde, dass ich nur noch in mein Bett will. Sam scheint es ähnlich zu gehen, denn ihre Augen sind nur halb geöffnet und fallen immer wieder zu.

Mein Vater fährt die Einfahrt hoch und parkt das Auto vor der Garage. „Da wären wir“, brummelt er.

Wenig später lädt er Sams Koffer aus dem Auto und Sabine schließt die Haustür auf. Ich schäme mich ein bisschen für unser kleines Haus. Es muss für Sam total mickrig wirken. Was sie wohl sagen wird, wenn sie mein Zimmer sieht? Von einem Turmzimmer mit dazugehörigem Bad sind meine bescheidenen vier Wände meilenweit entfernt. Ich helfe ihr dabei, den Koffer die Treppe hinaufzuschleppen. Sie gähnt immer wieder und auch ich kann es mir nicht verkneifen. Ich stoße die Tür zu meinem Zimmer auf und lasse Sam den Vortritt.

Neugierig sieht sie sich um. „Hübsch hast du’s hier.“

„Na ja, ziemlich winzig im Vergleich zu deinem Zimmer.“

„Ich find’s toll“, sagt Sam und grinst mich an. „Klein, aber fein. Und das Bett ist groß genug für zwei Personen.“ Sie wackelt mit den Augenbrauen.

Ich muss lachen, doch ich werde schnell wieder ernst. „Tut mir leid“, sage ich achselzuckend, „aber ich musste meinem Vater hoch und heilig versprechen, dass wir nicht in einem Zimmer schlafen.“

„Nicht?“ Sam lässt die Schultern sinken. „Das ist aber schade.“

„Sei nicht enttäuscht“, sage ich schnell. „Du kannst in meinem Bett schlafen. Ich nehme die Couch im Wohnzimmer.“

„Kommt nicht in die Tüte!“ Sam schüttelt vehement den Kopf. „Ich schlafe auf der Couch und du im Bett. Schließlich ist es dein Bett.“

„Aber du bist der Gast“, widerspreche ich. „Ich kann doch nicht den Gast auf der Couch schlafen lassen. Was wäre ich denn da für eine Gastgeberin?“

„Okay, dann spielen wir Schere, Stein, Papier und die, die gewinnt, bekommt das Bett.“

„Gute Idee.“

Wir spielen. Ich mache das Handzeichen für Stein und Sam das für Papier. Also hat sie gewonnen.

„Verdammt“, flucht sie, grinst aber dabei.

„Du wirst es schön gemütlich in meinem Bett haben.“ Ich gähne und presse mir die Hand auf den Mund.

„Willst du schon schlafen gehen?“, fragt Sam.

„Ich bin ziemlich müde“, sage ich, doch als ich das Glitzern in ihren Augen sehe, schüttle ich den Kopf. „Wenn du noch wach bleibst, dann bleibe ich auch noch wach.“

„Ich dachte, wir könnten uns vielleicht noch einen Film ansehen. Irgendwas, was uns süße Träume beschert.“

„Woran hast du denn gedacht?“

„So was wie E-Mail für dich?“

„Au ja! Ich liebe diesen Film und habe ihn schon ewig nicht mehr gesehen.“

Wenig später liegen wir aneinander gekuschelt in meinem Bett und Sam balanciert ihren Laptop auf den Knien. Ich schmiege mich eng an meine Freundin, sie fühlt sich so warm und zart an. Ich habe sie so vermisst und nun ist sie endlich wieder bei mir. Ich atme ihren Geruch ein. Ihr langes Haar, das offen über ihre Schultern fällt, duftet nach Vanille. Im warmen Licht meiner Nachttischlampe sieht ihr Gesicht weich wie das eines Engels aus. Immer wieder schiele ich zu ihr hinüber, anstatt mich auf den Film zu konzentrieren. Da ich die Filmhandlung schon kenne, weiß ich trotzdem immer, worum es gerade geht, auch wenn mich Sams Anwesenheit mal wieder ablenkt.

Sam trägt ein weites T-Shirt und Boxershorts. Ich habe meinen Pyjama angezogen. Sie hat ihren Arm um mich gelegt und streichelt mich an der Schulter. Ich nehme eine ihrer Haarsträhnen und wickle sie um meinen Finger.

„Meg Ryan ist fast so heiß wie du“, necke ich Sam.

„Stimmt, sie sah wirklich toll aus, als sie noch jung war. Schade, dass sie jetzt dem Botox zum Opfer gefallen ist.“

„Ja, wirklich traurig.“ Ich seufze und spiele noch immer mit Sams Haarsträhne. Warum sind diese Prominenten so geil darauf, möglichst straff und jung auszusehen? Auch eine reife Frau ist schön, sie braucht kein Botox, um sich attraktiv zu fühlen. Doch das ist vielen Sexsymbolen wohl nicht bewusst.

Plötzlich spüre ich, wie Sams Hand unter mein Oberteil gleitet und ihre Finger über meine Haut wandern. Es kitzelt ein bisschen und ich unterdrücke ein Kichern. Sie wirft mir einen kecken Blick zu und grinst frech. Die Berührung kribbelt auf meiner Haut, fühlt sich heiß und verboten an. Ihre Hand rutscht höher, kommt gefährlich nahe an meine Brüste heran.

Ich räuspere mich und setze mich auf.

Sam zieht ihre Finger zurück und schaut mich zweifelnd an. „Alles okay?“

Ich nicke. „Ja, es ist nur … ich habe Paps versprochen, dass wir keinen Sex haben werden.“

Sam schnaubt und schüttelt den Kopf. „Und daran hältst du dich, oder was?“ Ihre Stimme klingt schärfer als erwartet und ich werde unsicher. Habe ich sie jetzt verletzt?

„Es tut mir leid, Sam. Ich will nur einfach keinen Ärger riskieren.“

„Wieso Ärger?“

„Na, wenn ich mich nicht daran halte und wir erwischt werden, dann schmeißt er dich vielleicht raus und das will ich nicht.“

Sam rollt mit den Augen und seufzt. „Du bist so ein braves Kind, Dany.“

Ich schlucke. In meiner Kehle bildet sich ein Kloß. Es macht mich wütend, dass ich mich erst vor ihr rechtfertigen muss und sie mir dann so etwas an den Kopf schleudert. „Was soll der Spruch?“

„Mal ehrlich, Dany. Du bist 16, denkst du nicht, du könntest langsam selbst entscheiden, was du mit deiner Freundin tun willst und was nicht?“

„Ja … nein, ich meine …“, stammle ich hilflos.

„Außerdem wollte ich nur kuscheln. Das wird ja wohl erlaubt sein.“ Sam schaltet den Film aus und klappt ihren Laptop zu.

„Was ist denn jetzt los?“, frage ich erschrocken, als sie das Gerät zurück in ihren Koffer befördert.

„Nichts“, brummt sie und legt sich wieder hin. Sie dreht sich von mir weg und zieht sich die Decke über den Kopf. „Ich bin müde. Gute Nacht.“ Mit diesen Worten löscht sie das Licht und lässt mich im Dunkeln sitzen.


Hier kommst du zur Übersicht über alle bisher erschienen Kapitel.

Achtung!

Beim Kommentieren dieses Beitrags werden Daten (z. B. Name, E-Mail, Website, IP-Adresse) erhoben und gespeichert. Mit dem Absenden deines Kommentars erklärst du dich mit der Datenschutzerklärung einverstanden.