Plötzlich Elfe | KW36/2019 #WritingFriday

Huhu! :)

Heute mache ich wieder beim #WritingFriday mit, einer Aktion, die auf dem Blog Read Books And Fall In Love von Elizzy gehostet wird.

Jeden Monat gibt uns die liebe Elizzy neue Schreibthemen vor, von denen wir uns immer freitags eines aussuchen und darüber schreiben dürfen.

Im September 2019 sind es diese Schreibimpulse:

  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: „Sie war tatsächlich zu einer Elfe geworden und das obwohl …“ beginnt.
  • Schreibe aus der Sicht von Dornröschen, die über 100 Jahre lang geschlafen hat und im Jahr 2019 wieder erwacht.
  • Clarissa ist 18 Jahre alt und lebt im Jahr 2119 in einer Untergrundorganisation in London. Gegen was setzt sie sich mit den anderen Mitgliedern ein?
  • Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Zaubertrank, entdeckt, Bergkette, verborgen, Sternenhimmel.
  • Erzähle von einem Wolfsrudel, welcher Wolf wärst du? Was wäre deine Aufgabe im Rudel?

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Ich schreibe heute zum Thema: Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: „Sie war tatsächlich zu einer Elfe geworden und das obwohl …“ beginnt.

Plötzlich Elfe

Sie war tatsächlich zu einer Elfe geworden und das obwohl sie sich in eine junge Menschenfrau verwandeln wollte. Brunhilde fluchte und raufte sich das Haar. Anstatt feiner weißer Haut war ihre jetzt lindgrün, ihren Rücken zierten zwei transparente Flügel und ihre Ohren liefen spitz zu, was sie furchtbar hässlich fand. 

„Irgendwie muss ich mich vertan haben“, knurrte sie und kontrollierte noch einmal das Rezept ihres Tranks. Drei Büschel Einhornhaar, ein Paar Froschschenkel, gemahlene Trollknochen und den Schneidezahn eines Kindes.

„Verflucht, ich habe einen Eckzahn erwischt!“ Brunhilde stampfte laut auf. Die alte Hexe hatte sich seit Jahrzehnten nichts sehnlicher gewünscht, als ein jugendliches Aussehen. Die Ingredienzien dafür hatte sie selbst zusammengesammelt. Es war gar nicht so einfach, an Trollknochen oder Einhornhaar zu gelangen. Beide Spezies waren recht scheu und lebten zurückgezogen mit ihresgleichen tief in den Wäldern. Kinderzähne sammelte die Alte schon seit geraumer Zeit, sodass dies nicht der Grund sein sollte, warum ihr Trank nicht die gewünschte Wirkung entfaltete.

Doch nun hatte sie sich anstatt in ein junges Mädchen in eine Elfe verwandelt und das war das schlimmste, was einer Hexe zustoßen konnte. Ihr Rabe krächzte laut, als würde er sie auslachen. Wütend drehte sich die Hexe um und zielte mit dem Zauberstab auf das gefiederte Tier. Funken stoben in seine Richtung und der Rabe flatterte erschrocken auf.

Hastig blätterte Brunhilde in ihrem Hexenbuch. Es musste doch irgendeine Möglichkeit geben, den Zauber rückgängig zu machen. Doch so sehr sie auch suchte, sie konnte keinen Zauber finden, der ihre Verwandlung ungeschehen machte.

Verzweifelt ließ sie sich in ihren Sessel sinken und schlug die Hände vor ihr grünes Gesicht. Was sollte sie bloß tun?

In diesem Moment klopfte es an ihre Tür. Erschrocken hob Brunhilde den Kopf. Wer konnte das sein? Zunächst verharrte sie ganz still und tat so, als sei sie nicht da, aber dann fiel ihr ein, dass man ja von außen sehen konnte, dass Licht brannte.

Wieder pochte es gegen die Tür, diesmal lauter. Widerwillig trottete sie zur Tür und fragte mit heller Elfenstimme: „Wer ist da?“

Als statt einer Antwort nur erneutes Klopfen erschallte, öffnete sie die Pforte. Als sie den abendlichen Gast erblickte, blieb sie wie vom Donner gerührt stehen. „Herr!“, brachte sie hervor.

„Brunhilde, Brunhilde.“ Der Teufel schüttelte grinsend den Kopf. „Was hast du nur wieder angerichtet. Man hat nichts als Ärger mit dir.“

„Verzeiht, es war ein Unfall. Ich wollte nicht …“

„Ja, das kann ich mir schon denken, dass du das nicht wolltest.“ Er deutete auf ihren Aufzug und schob Brunhilde beiseite, um einzutreten. „Deswegen bin ich ja da. Ich helfe dir, dich wieder zurückzuverwandeln.“

Brunhildes Herz pochte wild in ihrer Brust. „Wirklich?“, fragte sie hoffnungsvoll.

„Natürlich. Ich bin für dich da, wann immer du mich brauchst. Schließlich bist du meine treuste Dienerin.“

Brunhilde spürte, wie ihr das Blut ins Gesicht schoss. Unter normalen Umständen wäre sie rot geworden, doch mit grünem Antlitz sah die Sache ganz anders aus. „Was verlangt Ihr von mir, Herr?“, fragte sie und ihre Stimme zitterte ein wenig. Sie war sich bewusst, dass der Teufel ihr nicht aus reinster Nächstenliebe half. Wenn er sie tatsächlich aus der Elfengestalt befreite, würde er sicher einen Gegenleistung erwarten.

Der Teufel ließ sich in Brunhildes Sessel nieder und sagte: „Ich möchte deine Hexkraft dafür.“

Brunhilde wurde heiß und kalt gleichzeitig. „Mei-ne H-he-hexkraft?“, stammelte sie. Damit hatte sie nicht gerechnet.

„Ja, zumindest für die nächsten zwölf Jahre. Danach gebe ich sie dir vielleicht wieder zurück – wenn keine Gefahr besteht, dass du wieder Blödsinn anstellst.“

Tränen sammelten sich in Brunhildes Augen. Ohne Hexkraft war sie doch keine echte Hexe mehr. Sie fühlte sich wie eine Versagerin, doch ihr war klar, dass sie einwilligen musste. Sonst würde sie für immer in der Gestalt der Elfe bleiben.

„Gut“, sagte sie und atmete tief durch. „Ich bin bereit.“

Der Teufel stand auf und legte seine Hände auf ihre Schultern. Er murmelte etwas in einer fremden Sprache, dann juckte es Brunhilde am ganzen Körper. Sie kratzte sich, hüpfte auf und ab, doch der Juckreiz blieb. Dennoch verschwand der grüne Hautton und wurde wieder weiß, gleichzeitig schrumpelte die Haut aber auch wieder zusammen und als Brunhilde wenig später in den Spiegel blickte, sah ihr ihr altes, hässliches Gesicht entgegen.

Auch wenn sie enttäuscht war, dass ihr Jugendzauber nicht funktioniert hatte und sie es frühestens in zwölf Jahren wieder versuchen konnte, spürte sie die Erleichterung darüber, wieder ihr gewohntes Äußeres zurückzuhaben.


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12 Kommentare

  1. Hallo! :)
    Eine sehr schöne Geschichte. Trotz der Kürze hast du das Setting anschaulich und schön beschrieben, das gefällt mir besonders. Wobei mir die Geschichte fast etwas zu schnell zu Ende ging ;)

    Der fehlgeschlagene Zauber bietet sich bei dem Schreibthema wohl an, bei mir ist es nämlich ebenfalls vorgekommen, jedoch als Zauberspruch, nicht als Trank. Aber unsere Protagonistinnen sind wohl beide gleich wenig begeistert über ihre Verwandlung^^
    Falls du Interesse hast: https://lonelytilly.wordpress.com/2019/09/06/writingfriday-september19_01/

    Liebe Grüße,
    Tilly

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Tilly,

      danke für deinen Besuch und Kommentar bei mir.

      Ja, da hast du recht, das Ende ist nicht so gut gelungen, das Gefühl hatte ich auch. Trotzdem freut’s mich, dass dir die Geschichte gefallen hat.

      Ich werde gleich mal bei dir vorbeischauen.

      Liebe Grüße
      Emma

      Liken

  2. Schön gelöst. Gefällt mir gut mit der Hexe. Das Ende finde ich kann man bei einer Kurzgeschichte schon lassen. Das ist auch für mich immer das schwierigste, damit es einigermassen Rund und nicht unendlich wird.

    Gefällt 1 Person

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