„Freche Mädchen küssen besser“ | 22. Kapitel

Huhu!

Einen schönen Sonntag allerseits. Heute bricht ein neuer Monat an und mit ihm geht Emma Escamillaauch ein neues Kapitel meines lesbischen Blogromans „Freche Mädchen küssen besser“ online.

In dieser Folge erfährt Dany mehr über Sams Leben und Sam lernt Danys Eltern kennen. Wie diese auf die Freundin ihrer Tochter reagieren, erfährst du in diesem Kapitel.

Die Geschichte wird im Laufe des Tages auch auf Wattpad, Sweek und FanFiktion.de online gehen.

Jetzt aber erst mal viiiiel Spaß beim Lesen des 22. Kapitels. Feedback ist in den Kommentaren wie immer willkommen.

22. Kapitel: Granny Muriel

Sam steht in der Tür zum Wohnzimmer und starrt mich ungläubig an. „Was machst du denn hier?“
Ich springe auf und reiße die Arme in die Luft. „Überraschung!“
„Das kann man wohl sagen.“ Sam fällt die Kinnlade herunter. „Bist du jetzt ernsthaft so weit gereist, nur um mich zu sehen?“
Ich runzle die Stirn. „Freust du dich denn gar nicht?“
„Doch“, bekräftigt Sam sofort, „doch, natürlich! Aber ich kann nicht fassen, dass du ohne ein Wort zu sagen … na, die Überraschung ist dir gelungen.“ Sie lacht und ich breite die Arme aus.
„Na, los“, rufe ich ihr fröhlich entgegen. „Komm schon her.“
Das lässt Sam sich nicht zweimal sagen. Sofort fällt sie mir um den Hals und drückt mir einen Kuss ins Haar. „Ich habe dich so vermisst …“
„Ich dich auch, das kannst du mir glauben. Deshalb habe ich meinen Vater dazu überredet, dass du eine Woche lang mit zu uns kommen darfst.“
Sam strahlt mich an. „Wirklich?“
„Ja! Ist das nicht …“
„Unglaublich!“, unterbricht mich Sam und drückt mich erneut an sich. Meine Lippen suchen die ihren und pressen sich fest darauf. Sam erwidert den Kuss und wir knabbern voller Wiedersehensfreude aneinander. Ich schwebe im siebten Himmel. Für mich gibt es keinen schöneren Moment, als den, in dem ich Sam küsse.
Als sie sich von mir löst, schaut sie mir tief in die Augen. „Ich liebe dich so sehr.“
„Ich dich auch!“ Mein Herz schlägt so schnell, dass ich befürchte, es könnte aus meiner Brust springen.
„Ich gehe nur kurz duschen und packe ein paar Sachen zusammen, dann können wir los. Bist du mit dem Zug gekommen ?“
„Nein, Papa und Sabine warten draußen.“
Sam reißt die Augen auf. „Sie haben die ganze Zeit gewartet?“
„Ja …“ Ich trete von einem Fuß auf den anderen. Vor lauter Aufregung habe ich völlig vergessen, dass die beiden ja noch draußen im Auto sitzen.
„Dann schnell. Komm mit, ich bringe dich in mein Zimmer. Da kannst du auf mich warten.“
Ich folge Sam die Treppen hinauf in den ersten Stock. Wir gehen einen langen Gang entlang, der von zahlreichen Türen gesäumt ist und schließlich öffnet Sam die letzte.
Diesmal bin ich diejenige, der die Kinnlade runterfällt. „Du … wohnst im Turm?“, presse ich hervor und bestaune das riesige Himmelbett und die Wände, die bis zur Decke mit Postern von Rockstars zugepflastert sind.
„Ja, cool, nicht?“ Sam geht auf eine weiße Tür zu, die ebenfalls mit Postern beklebt ist. „Und hier drin ist mein eigenes Badezimmer.“
„Wahnsinn!“, rufe ich, als ich die große Badewanne, zwei Waschbecken, eine Toilette, eine Dusche und ein Bidet sehe.
Sam zuckt mit den Schultern, als sei ein eigenes Bad nichts besonderes. Ich komme aber aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Wände sind mit weißen Fliesen bedeckt, die mit einem Glasmosaik verziert sind. Auf dem Boden liegen blaue Teppiche und die Badewanne hat sogar Massagedüsen. Sam zieht sich ihr T-Shirt über den Kopf und löst ihren Zopf. Als ihr die langen Haare über die nackten Schultern fallen, spüre ich ein wohliges Ziehen aus meiner südlichen Körpergegend.
Ich grinse verlegen und drehe mich um. „Ich warte wohl besser im Turmzimmer, bis du geduscht hast.“
Sam lacht, doch sagt nichts dazu.
Ich schließe die Badezimmertür hinter mir und sehe mich in ihrem Zimmer um. An der Wand steht ein riesiger verspiegelter Schrank. Neugierig schleiche ich mich näher und schiebe die rechte Tür auf. Dahinter befinden sich Klamotten in sämtlichen Farben. Sam hat wirklich einen guten Geschmack, auch wenn vieles davon etwas zu große Herren-T-Shirts sind. Ich würde nie so rumlaufen, aber Sam stehen die weiten T-Shirts. Ich schließe die rechte Schranktür wieder und widme mich der linken. Dahinter verbergen sich Massen an CDs, DVDs und Büchern. Mein Interesse ist geweckt und ich lasse meinen Blick über die hier gelagerten Medien schweifen. Ich entdecke tatsächlich vier Alben von Muse und zwei von My Chemical Romance und bin froh, dass Sam meinen Musikgeschmack teilt. Ich höre, wie das Wasser der Dusche rauscht. Trotzdem schließe ich den Schrank wieder und gehe zum Fenster. Von dort aus hat man einen fantastischen Blick auf den Garten, der hinter der Villa liegt. Zahlreiche Blumen und Sträucher blühen hier, doch anscheinend bauen Sams Eltern auch selbst Gemüse und Früchte an, denn ich kann einen Apfelbaum, einen Pflaumenbaum und ein Gemüsebeet entdecken. Bestimmt kümmert sich ein Gärtner darum. Ich nehme mir vor, Sam bei Gelegenheit danach zu fragen.

Wenig später verlassen wir Hand in Hand die Villa der Johnsons. Sam zieht einen kleinen schwarzen Koffer hinter sich her, der über das Kies rattert. Ich sehe Papa mit verschränkten Armen am Auto stehen. Hoffentlich ist er nicht sauer. Mein Herz klopft wild und ich drücke Sams Hand noch fester.
„Da seid ihr ja endlich“, ruft uns mein Vater entgegen. „Was hat denn da so lange gedauert?“
„Ich musste noch auf Sam warten und …“, beginne ich, doch Papa macht eine wegwerfende Handbewegung.
Die Beifahrertür öffnet sich und Sabine steigt aus. „Hallo, Sam“, sagt sie mit einem Lächeln auf den Lippen. „Schön, dich endlich kennenzulernen. Ich bin Sabine.“
„Freut mich auch“, antwortet Sam, als Papa ihr das Gepäck abnimmt und im Kofferraum verstaut. „Dany hat mir schon viel von Ihnen erzählt.“
Sabine zieht die Augenbrauen hoch. „Tatsächlich? Dann hoffentlich nur Gutes. Und bitte, du kannst mich ruhig duzen.“
„Danke.“ Sams Blick wandert von Sabines freundlicher Miene zu dem versteinerten Gesicht meines Vaters, der die Fahrertür geöffnet hat und Anstalten macht, sich ohne Begrüßung wieder hinters Steuer zu setzen. „Hallo, Herr Weißmann.“ Sam streckt ihm die Hand entgegen. Papa zögert einen Moment, dann ergreift er sie und sagt: „Hallo, Samantha.“
„Hartmut, nun mach doch nicht so ein Gesicht“, sagt Sabine, die sich ebenfalls wieder ins Auto gesetzt hat und jetzt ihre Tür zuzieht. „Stell dich doch dem Mädchen vor.“ Papa schließt ebenfalls seine Tür, während Sam und ich auf die Rückbank klettern.
„Ich bin Hartmut“, brummt er. „Kannst mich duzen.“ Dann startet er den Motor und fährt los.

Sam und ich haben unsere Finger verschränkt und ihr Kopf liegt auf meiner Schulter. Es tut so gut, ihren Geruch einzuatmen und ihre kitzelnden Haare an meiner Wange zu spüren.
„Ich glaube, dein Vater mag mich immer noch nicht“, flüstert sie mir ins Ohr. Ich mache ein trauriges Gesicht, seufzte und antworte leise: „Das kommt noch. Wenn er dich richtig kennengelernt hat und merkt, was für ein liebes Mädchen du bist, wird er dich schon ins Herz schließen.“
Sam schnaubt und zieht ihr Handy aus der Tasche. „Willst du ein bisschen Musik hören? Ich meine, etwas anderes als dieses Schlagergedöns?“
Ich lausche dem Lied im Radio, in dem ein mir unbekannter Sänger mit einer riesigen Portion Herzschmerz einer unbekannten Frau seine ewige Liebe schwört. Es ist so schlecht, dass ich sofort einwillige.
Sam schließt ein paar Ohrstöpsel an das Handy an und reicht mir einen davon. Ich stecke ihn mir in die Ohrmuschel und halte mir das andere Ohr zu. Sofort erklingen rockige Gitarren und ich kuschle mich noch enger an Sam, die die Lautstärke so weit aufdreht, dass es die Radiomusik übertönt. Zumindest in unseren Ohren. Als das Lied verklungen ist, drückt Sam auf Pause und fragt: „Wie fandest du es?“
„Ganz gut.“
„Das war die Band meines Cousins.“
„Oh echt, dein Cousin spielt in einer Band?“
„Ja, er ist der Leadgitarrist. Sie nennen sich Granny Muriel, nach unserer verstorbenen Oma.“
Ich muss kichern „Das ist ja ein cooler Bandname.“
Sam lächelt kurz, doch ihre Augen schauen traurig. Vermutlich erinnert sie sich gerade an ihre Oma, deshalb höre ich sofort auf zu kichern.
„Standet ihr euch sehr nahe, deine Oma und du?“
„Ja, sie war immer für mich da. Im Gegensatz zu meinen Eltern. Man kann sagen, dass sie sich fast wie eine Ersatzmutter um mich gekümmert hat.“
Ich spüre ihren Schmerz und bereue es, dass ich überhaupt gekichert habe. Sie tut mir so wahnsinnig leid. Ich habe zum Glück noch alle Großeltern, doch die Angst, sie verlieren zu können ist ein ständiger Begleiter. „Wann ist sie gestorben?“
„Vor zwei Jahren. Es passierte ganz plötzlich. Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die Heilungschancen waren gleich null und zwischen der Diagnose und ihrem Tod lagen nur drei Monate.“ Sam blinzelt, als wolle sie ein paar Tränen unterdrücken.
Ich lege meine Arme um sie und drücke sie ganz fest an mich. „Das tut mir so leid“, sage ich und küsse ihren Nacken.
Sie atmet tief durch, dann sagt sie: „Manche Menschen fehlen einem einfach im Leben. Sie reißen ein Loch in dein Herz, das niemand anderes mehr stopfen kann. Trotzdem bin ich froh, jetzt dich zu haben. Weißt du, ich habe das Gefühl, geliebt zu werden, vermisst.“
Das macht mich traurig, doch gleichzeitig fühle ich mich auf einmal noch enger mit ihr verbunden als zuvor. Ein warmes Gefühl der Zuneigung flutet meinen Bauch und ich halte sie ganz fest, will sie am liebsten nie wieder loslassen. „Ich bin immer bei dir, Sam“, flüstere ich.
Sam dreht den Kopf. Ihre Augen glänzen, als sie sagt: „Danke, Dany. Du weißt gar nicht, wie viel mir deine Liebe bedeutet.“


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