Regen am Pool | #WritingFriday KW31/2019

Heyho,

heute ist der erste Freitag im August und ich steige wieder bei Elizzys #WritingFriday ein. Jeden Monat gibt uns die liebe Elizzy neue Schreibthemen vor, von denen wir uns immer freitags eines aussuchen und darüber schreiben dürfen.

Im August 2019 sind es diese Schreibimpulse:

  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Der Regen brannte auf ihrer Haut, weil…” beginnt.
  • Schreibe aus der Sicht deiner Zimmerpflanze.
  • Erkläre deinem SuB wieso du keine Zeit für ihn hast.
  • Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Malkasten, Sonnenblumen, hungrig, Orange, Unglück
  • Du entwirfst Postkarten mit Lebensweisheiten darauf, was würde auf einer davon stehen? Lebst du danach?

writingfriday2019_header-1100x633Heute wähle ich folgendes Thema: Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: „Der Regen brannte auf ihrer Haut, weil …“ beginnt.

Regen am Pool

Der Regen brannte auf ihrer Haut, weil sie sich krebsrot verfärbt hatte. Wie töricht sie doch gewesen war, einfach uneingecremt am Strand in der Sonne zu liegen. Sie hätte wissen müssen, dass sie sich einen heftigen Sonnenbrand einfangen würde. Dabei wollte sie doch nur ein bisschen braun werden, um Mark zu beeindrucken. Aber dieser hatte sie nur ausgelacht, Natalie an der Hand genommen und sich verdrückt. Natalie! Was hatte die was sie nicht hatte?

Sie zog die Beine an und umschlang ihre Knie mit ihren Armen. Tränen liefen ihr übers Gesicht und sie war froh, dass es wenigstens regnete und man es ihr nicht ansah, dass sie heulte. Sie saß auf einem der vielen Liegestühle am Pool, von denen die Menschen ins Trockene geflüchtet waren, und war klatschnass. Ihr zerrissenes T-Shirt klebte ihr auf der verbrannten Haut.

Die Bilder an das eben Geschehene flackerte von ihren Augen auf. Antonios strahlendes Zahnpastalächeln, seine schwarzen Locken, die ihm verspielt in die Stirn fielen und seine kräftigen Hände, die sie packen und …

Sie schluchzte laut auf, zog die Beine noch enger an sich heran. Ihr ganzer Körper zitterte und immer wieder entwich ihr ein leises Wimmern.

Es war doch alles gar nicht so geplant gewesen. Sie wollte das alles nicht. Und doch fühlte sie sich schuldig. Sie hätte Antonio nicht vertrauen dürfen. Sie hätte wissen müssen, dass er nur auf das Eine aus war. Dabei hatte sie lediglich Mark eifersüchtig machen wollen – und das hatte anfangs auch geklappt, denn er hatte ganz schön große Augen gemacht, als er Antonio und sie Arm in Arm vorbeigehen sah. Antonio war ein ganzer Mann, einige Jahre älter als ihre Freunde und sie. Sie dachte erst, er sei der Hauptgewinn. Er hatte sie am Strand aufgegabelt und ihr angeboten, ihre verbrannte Haut mit Aloe-Vera-Lotion zu versorgen. Seine Wohnung sei ganz in der Nähe, hatte er gesagt, ob sie nicht mit mitkommen wolle? Sie hatte es getan und nun schämte sie sich dafür. Es war alles ihre eigene Schuld gewesen. Wie konnte sie nur so dumm sein?

„Signorina!“

Sie drehte sich nicht zu der Männerstimme um, blieb einfach regungslos sitzen.

„Signorina, kommen Sie! Sie sinde ganz nass!“

Sie wischte sich über die Augen und biss die Zähne zusammen. Schritte näherten sich und jemand berührte sie an der Schulter. Sie zuckte zusammen und sprang blitzschnell auf.

Der Mann, der Uniform nach ein Mitarbeiter des Hotels, machte einen Satz rückwärts und riss die Augen auf. „Signorina!“, rief er. „Was iste passiert?“

Sie schluckte, dann holte sie tief Luft und sagte: „Nichts, ist schon alles gut.“

„Aber Ihre T-Shirt iste … strappato! Wie sagte man in deutsche Sprache?“

„Zerrissen. Das ist beim Herumtollen passiert.“

„Herumtollen? Sie bluten!“

„Ich weiß.“ Sie fasste sich ins Gesicht und spürte etwas Schmieriges, wohl eine Mischung aus Regen, Tränen, Rotz und Blut. Sie sah Antonios Faust vor sich. Wie seine Augen blitzen, als er zuschlug und wie der Schmerz ihr das Licht ausschaltete. Wie sie zu Boden ging und er sich über sie hermachte. Was für ein Arsch! Aber sie war rechtzeitig wach geworden, hatte laut geschrien und um sich geschlagen. Irgendwie – sie wusste nicht mehr wie – war ihr die Flucht gelungen. Und nun saß sie hier am Pool ihres Hotels im Regen und wollte einfach alles nur so schnell wie möglich vergessen.

„Ich anrufen Ambulanza!“ Der Mann zückte ein Handy und setzte dazu an, den Notruf zu wählen, als sie ihm das Handy aus der Hand schlug. Es flutschte über den feuchten Boden und landete im Pool. Der Mann sah sie völlig entgeistert an, dann verfinsterte sich seine Miene. „Was iste los mit Signorina?“

„Kein Krankenwagen!“, sagte sie mit bebender Stimme. „Ich bin okay.“

„Signorina bluten in Nase!“

„Das ist halb so schlimm.“

Der Mann schüttelte den Kopf und fuhr sich durch seine inzwischen klatschnassen schwarzen Haare. Dann deutete er auf den Liegestuhl, auf der sie gesessen hatte und setzte sich auf den daneben. „Kommen Sie“, sagte er und bemühte sich um ein freundliches Gesicht. Er klopfte mit der Hand auf die Sitzfläche.

Sie atmete tief durch und ließ sich dann darauf nieder.

„Wie Sie heißen?“

„Belzdorf. Karla Belzdorf.“

„Karla. Schöne Name!“ Er lächelte.

„Danke.“ Sie sah auf ihre Fußspitzen.

„Karla, Sie erzahlen mir was iste passiert, okay?“

„Ich kann nicht. Tut mir leid.“ Jetzt fing sie richtig an zu heulen. Sie schlug die Hände vors Gesicht und schluchzte und wimmerte.

Der Mann legte seine Arme um sie und tätschelte ihr den Rücken. „Ist gute, alles gute!“

„Nichts ist gut. Dieser Arsch wollte mich … er hat …“ Ihre Stimme versagte.

„Wer hat getan das?“ Er sah sie mit seinen brauen Augen aufmerksam an.

Sie wischte sich übers Gesicht. „Ich kann es nicht sagen. Er wird mich töten, wenn ich ihn verrate.“

„Töten?“ Der Mann wurde ganz blass. „Okay, ich jetzt rufen Polizia …“ Er setzte dazu an, aufzustehen, doch sie hielt ihn zurück.

„Nein, bitte nicht. Das macht alles nur noch schlimmer. Es ist ganz allein meine Schuld. Ich hätte einem Fremden nicht so vertrauen dürfen.“

Der Mann schloss die Augen und schüttelte den Kopf. Dann legte er seine Hand auf ihre Schulter und sagte: „Es iste nicht Ihre Schuld. Jemand hat verletzt Sie und vielleicht gemacht schlimmeres. Ich muss anrufen Polizia. Es wirde Ihne nichts passiere. Ich verspreche.“

Sie sah ihn aus tränenerfüllten Augen an. Schwieg. Vielleicht war es ja doch besser, wenn sie mit der Polizei sprach. Verdammt, sie musste das Schwein anzeigen. Wäre da nur nicht diese Angst, die Polizei würde sie nicht ernst nehmen oder gar ihr die Schuld an der ganzen Sache geben. Und was, wenn Antonio ihr etwas antat? Er hatte so überzeugend geklungen, als er ihr hinterrief, dass er sie umbringen würde, wenn er sie in seine Finger bekam.

„Bene. Wir jetzt gehen in Hotel und dann anrufen Polizia, si?“ Der Mann stand auf und reichte ihr die Hand.

Zögernd ergriff sie sie.


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16 Kommentare

  1. Wow, toll geschrieben! Habe richtig gemerkt, wie sich in meinem Hals ein Kloß gebildet hat. Eine wirklich gute Idee und toll umgesetzt!

    Liebe Grüße
    Lisa

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  2. Krasses Thema, aber du hast es sehr einfühlsam umgesetzt. Deprimierend, aber auch hoffnungsvoll, weil es Menschen gibt, die nicht wegsehen und helfen.
    Grüße, Katharina

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Katharina,

      danke dir. Es freut mich, dass dir meine Umsetzung gefallen hat. Ja, mir war es wichtig, dass die Geschichte ein möglichst gutes Ende hat und es Hoffnung für Karla gibt.

      Liebe Grüße
      Emma

      Gefällt 1 Person

    • Danke für deinen Kommentar. Ja, die Geschichte ist etwas heftig geworden. Ich frage mich, ob sie am Ende zu schnell einlenkt. Vielleicht hätte ich sie länger zweifeln lassen sollen, aber dann wäre die Geschichte zu lang geworden für den #WritingFriday.

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      • Das mit der Länge hat mich auch eine Weile beschäftigt, dann hat mir elizzy geschrieben, das sei gar kein Problem, wenn eine Geschichte mal länger wird. Ich komme ja auch selten auf weniger als 1200 Wörter.

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  3. Liebe Emma, erstaunlich welche Geschichte durch diesen Anfangssatz entstanden ist. Das was Karla erlebt hat, wünscht man niemandem. Ein sehr schwieriges Thema auf das du da aufmerksam machst. Es ist immer schlimm, wenn die Opfer sich als die Schuldigen abstempeln. Ich bin aber überzeugt, dass Karla nun das richtige tun wird und die Polizei ihr da bestimmt weiter helfen kann.

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    • Hallo Elizzy,

      vielen Dank für deinen Besuch und Kommentar bei mir.

      Ich finde es auch immer ganz interessant, was für Geschichten beim #WritingFriday entstehen. Aus dem gleichen Anfangssatz können absolut unterschiedliche Geschichten werden.

      Ja, das Thema ist wirklich schwierig. Ich hoffe, ich habe es gut rübergebracht.

      Liebste Grüße
      Emma

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