„Freche Mädchen küssen besser“ | 19. Kapitel

Heute gibt’s wieder ein neues Kapitel meines Blogromans. Diesmal findet DanyEmma Escamilla unerwartete Gemeinsamkeiten heraus. Leider ist ihr Vater immer noch alles andere als begeistert von ihrem Coming-out. Aber lies selbst. :)

Mir macht das gerade so viel Spaß, die Geschichte um Dany und Sam weiterzuspinnen. Ihr findet sie auch unter meinem Namen Emma Escamilla bei Wattpad, Sweek und FanFiktion.de. Ich freue mich total, dass die Geschichte auf Wattpad bereits über 21.000 Reads erreicht hat. Die haben mich schlussendlich auch dazu gebracht, das Projekt wiederzubeleben.

Die nächsten Wochen werde ich eine Sommerpause einlegen. Das nächste Kapitel erscheint daher erst am 4. August 2019.

Nun viel Spaß mit dem 19. Kapitel.

19. Kapitel: Ich weiß, was Liebe ist

„Maggie?“, frage ich verblüfft.

„Ja!“ Sabine kratzt sich verlegen am Kopf. „Eigentlich hieß sie Margret. Ich verliebte mich in sie, da war ich gerade siebzehn Jahre alt.“

„Das ist kaum älter als ich“, stelle ich erstaunt fest.

„Absolut.“

„Dann bist du auch …?“

„Bisexuell?“ Sabine kichert. „Ja, das bin ich wohl.“

Ich stoße einen lauten Lacher aus. „Und Papa hat das nicht gewusst?“

„Nein, die Beziehung zu Maggie war schon so lang her und seitdem hatte ich mich nur noch in Heterofrauen verliebt, bei denen ich natürlich keine Chance hatte. Deshalb dachte ich, dieses Detail über mich sei nicht so wichtig.“

Ich verziehe das Gesicht. „Das tut mir leid.“

Sabine macht eine wegwerfende Handbewegung. „Ach, komm“, sagt sie. „Das ist alles so lange her. Außerdem bin ich ja jetzt mit deinem Vater glücklich.“

„Wie hat er reagiert, als du es ihm gesagt hast?“

„Er ist aus allen Wolken gefallen.“

„Das kann ich mir gut vorstellen.“ Ich nicke grinsend. Ein bisschen tut mir mein Vater ja leid, dass er an einem einzigen Tag gleich zwei Coming-outs verkraften muss. „Denkst du, er wird es akzeptieren?“

„Das muss er“, sagt Sabine und lacht laut auf. „Ihm bleibt doch gar keine andere Wahl.“ Da hat Sabine recht. Mir fällt ein Stein, nein, das ganze Himalaya vom Herzen. Papa würde lernen müssen, Sam zu akzeptieren. Damit war schon einmal ein großer Schritt in die richtige Richtung getan.

„Wenn ich dir jetzt schon den Arsch gerettet habe, möchte ich aber auch eine Gefälligkeit von dir“, sagt Sabine plötzlich und mir rutscht das Herz in die Hose.

Sie will eine Gefälligkeit? Mein Gott! Will sie sich etwa an mich heranmachen? Oder was soll das werden? Brummt sie mir jetzt die nächsten zwei Wochen Putzdienst auf? „Was denn?“

Sabine grinst verschmitzt, dann sagt sie: „Ich würde gerne ein Bild von deiner Freundin sehen und du musst mir versprechen, dass du sie mir eines Tages vorstellst.“

Erleichtert lache ich auf. „Natürlich, bitte schön.“ Ich zücke mein Handy, suche ein Foto von Sam heraus, das ich vor einigen Wochen von ihr geschossen habe, und halte es Sabine unter die Nase. Sabine lächelt, als sie Sams Bild betrachtet. „Hübsch ist sie. Hast einen guten Geschmack.“

„Danke!“ Ich strahle über das ganze Gesicht. Vielleicht, denke ich, ist Sabine doch gar nicht so übel wie ich immer gedacht habe. Zumindest haben wir jetzt eine Gemeinsamkeit.

Am nächsten Morgen am Frühstückstisch kommt Papa noch einmal auf das Thema zu sprechen. „Also, du bist jetzt mit dieser Samantha zusammen. Und du bist dir sicher, dass du so richtig verliebt bist? Weißt du überhaupt, wie sich das anfühlt?“

Ich verdrehe die Augen. „Paps, ich bin sechzehn. Natürlich weiß ich, wie sich Liebe anfühlt. Alles kribbelt, du denkst nur noch an die Person, in die du verliebt bist, und wenn ihr euch berührt … ist es wie Magie.“

„Zitierst du jetzt schon Schlaflos in Seattle?“, brummt Papa, aber ich weiß, dass er verstanden hat, was ich meine. „Wie weit wohnt deine Samantha denn weg?“

„Verdammt, Papa, nenn sie Sam. Das klingt so steif, wenn du immer ihren ganzen Namen aussprichst.“

Papa räuspert sich. „Also? Wo wohnt deine Saman- … ich meine, Sam?“ Er betont ihren Namen, sodass es sich nach einer ganz besonderen Person anhört. Und das ist sie ja schließlich auch.

„200 km“, gebe ich kurz zurück und es steigt eine gewisse Traurigkeit in mir auf.

„So weit?“ Papa reißt die Augen auf. „Das hätte ich jetzt nicht erwartet. Und ihre Familie – wissen sie, dass sie … du weißt schon?“

„Dass sie was?“ Ich stelle mich absichtlich blöd, um Papa dazu zu zwingen, es auszusprechen.

„Na, dass sie …“ Papa rutscht unruhig auf seinem Stuhl hin und her.

„Nun spuck‘s schon aus, Hartmut“, sagt Sabine, die genauso darauf wartet, es aus seinem Mund zu hören.

„Ich meine … ich … dass sie lesbisch ist.“ Er speit das Wort „lesbisch“ so aus, als sei es etwas Schmutziges.

„Ja, die wissen das schon lange“, sage ich cool und Papa schaut mich überrascht an.

„Dann war sie schon mit anderen Frauen … liiert?“

„Ja, war sie.“ Ich rede nicht gerne über dieses Thema, da es mir wehtut, mir Sam mit einer Anderen vorzustellen. Sofort kommt mir diese Emily in den Sinn, die Sam heiß findet. Sie hat mir zwar am Telefon geschworen, dass da nichts läuft, doch die Angst, Sam zu verlieren, ist trotzdem da.

„Und ihre Eltern haben da nichts dagegen?“, fragt mein Vater weiter und ich schüttle den Kopf.

„Ich glaube nicht, nein. Aber ihre Eltern sind sowieso viel unterwegs.“

„Ah, verstehe. Wahrscheinlich haben sich ihre Eltern nicht genügend um sie gekümmert und sie ist deshalb …“

„Das ist nicht dein Ernst, Hartmut!“ Sabine lässt die Faust auf den Tisch fallen, sodass die Teller hüpfen und Papas Kaffee aus der Tasse schwappt. „Homosexualität ist doch nicht anerzogen. Es ist eine sexuelle Neigung und genauso normal wie Heterosexualität. Das ist etwas ganz Natürliches.“

Papa sagt nichts mehr. Schweigend kaut er sein Marmeladebrot und starrt vor sich auf die Tischplatte.

Ich fühle mich schlecht, weil Papa immer noch so homophob reagiert. Dabei dachte ich, dass Sabine ihm das ausgetrieben hat. Da keiner am Tisch mehr etwas sagt, schweige ich auch. Schließlich wird unser kollektives Schweigen von einem Piepsen meines Smartphones unterbrochen. Ich schaue aufs Display und ein Lächeln huscht über meine Lippen.

„Sam?“, fragt Sabine und zwinkert mir zu.

Ich nicke und lese was Sam mir geschrieben hat: „Guten Morgen, Prinzessin. Gibt es etwas Neues von der Front?“ Ich muss über Sams Wortwahl kichern und beschließe dann, sie nach dem Essen anzurufen.

Nachdem ich Sabine mit dem Abräumen geholfen habe, laufe ich in mein Zimmer und schließe die Tür hinter mir. Kaum habe ich Sams Nummer gewählt, nimmt sie auch schon ab.

„Guten Morgen, Engelchen. Wie geht‘s, wie steht‘s?“, flötet sie fröhlich in den Hörer.

„Oh“, sage ich mit dem Anflug eines Lächelns. „Sind wir guter Laune?“

„Immer, wenn ich deine Stimme höre.“

Ich muss lachen und Sam stimmt in mein Lachen ein. „Mir geht‘s gut und dir?“

„Ebenso. Dann hat dein Vater jetzt akzeptiert, dass wir ein Paar sind?“

„Er hat noch daran zu Beißen“, gebe ich zu. „Aber du glaubst nicht, was ich gestern noch herausgefunden habe.“

„Schieß los!“ Ich kann an Sams Stimme hören, dass sie vor Neugier fast platzt.

„Sabine …“

„Ja?“ Sams Anspannung ist deutlich zu vernehmen und ich genieße es, sie auf die Folter zu spannen.

„Sie hat gestern noch mit mir geredet, weil mein Vater sie eingeweiht hat.“

„Nun sag doch schon, was hat sie gemeint?“

„Sie hat gemeint, dass …“ Ich mache eine Pause um Sam zappeln zu lassen.

„Bitte, Dany, quäl mich nicht so!“, heult Sam gespielt in den Hörer.

„Okay, also Sabine ist …“

„Ja? Was denn nun?“

„Bisexuell!“

Am anderen Ende der Leitung herrscht plötzlich Totenstille.

„Hallo, Sam? Bist du noch dran?“

„Ja … ja natürlich! Sag bloß!“

„Ja, so habe ich auch reagiert“, gluckse ich und freue mich über Sams Sprachlosigkeit.

„Dann hat sie dir gar keine Szene gemacht?“

„Nein, ganz im Gegenteil. Sie unterstützt mich, weil Papa immer noch nicht richtig damit umgehen kann.“

„Das ist ja toll!“, sagt Sam und ich höre ihr an, dass sie es ernst meint.

„Was gibt es bei dir Neues?“

„Nicht viel.“ Sam klingt plötzlich gelangweilt. „Ich hänge so rum, quatsche manchmal ein bisschen mit Emily und gehe ihr ab und zu zur Hand.“

„Wie bitte?“, rufe ich völlig perplex. „Du verrichtest freiwillig Hausarbeiten, obwohl du ein Hausmädchen hast, das dafür bezahlt wird?“

„Was soll ich denn sonst machen?“, brummt Sam. „Ich kann ja schlecht den ganzen Tag fernsehen.“

Da hatte sie allerdings recht. „Schade, dass du so weit weg wohnst“, bedauere ich. „Sonst hätten wir uns treffen können.“

„Ja, das wäre schön“, seufzt Sam. „In den Sommerferien konnte ich wenigstens noch den Pool nutzen, aber dafür ist es jetzt zu kalt.“

„Ihr habt einen Pool?“

„Ja … wir haben alles, was das Herz begehrt. Ein Musikzimmer, eine Bibliothek, einen Hobbyraum mit Tischkicker und Billardtisch …“

„Was ist denn in dem Musikzimmer?“, hake ich nach, weil es mich ehrlich interessiert.

„Ein Plattenspieler, Papas Plattensammlung – er schwört auf Vinyl und behauptet, dass CDs und MP3 keine wirkliche Konkurrenz dafür sind – ein Klavier, eine Gitarre, Mamas Ukulele, mein Saxophon, …“

„Du spielst Saxophon?“

„Ich habe es gespielt. Als Kind. Aber mehr, weil Papa unbedingt wollte, dass aus seiner Tochter mal eine Jazzmusikerin wird.“

„Und dir hat das nicht gefallen?“

„Am Anfang schon. Aber mit der Zeit hat es mich angeödet. Jazz ist einfach nicht meine Welt.“

„Musikalisch bist du aber auf jeden Fall.“ Ich erinnere mich an ihre Singstimme auf dem Sommerfest. Die war nicht zu schlagen. „Du müsstest mal bei so einer Castingshow mitmachen.“

Sam grunzt in den Hörer. „Ganz sicher nicht.“

„Warum denn nicht?“

„Weil die Fernsehsender die Kandidaten total runtermachen und verarschen. So was gebe ich mir nicht.“

„Hast du auch wieder recht …“ Ich seufze und wünsche mir heimlich, dass Sam jetzt bei mir wäre. Ich sehne ich nach ihrem weichen Haar, ihren sanften Lippen und ihrem ganz eigenen Sam-Geruch, den ich überall sofort wiedererkennen würde.


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