„Freche Mädchen küssen besser“ | 17. Kapitel

Juhu! Ich habe es tatsächlich geschafft, weitere Kapitel zu „Freche Mädchen küssen Emma Escamillabesser“ zu schreiben. Die will ich jetzt immer alle 14 Tage sonntags auf diesem Blog veröffentlichen. Außerdem findet ihr mich auf Wattpad, FanFiktion.de und Sweek als Emma Escamilla.

Ein neues Cover habe ich auch gebastelt. Das Alte war ja grottenhässlich. Okay, das Neue ist jetzt auch kein Kunstwerk, aber ich finde es ist leserlicher und macht doch etwas mehr her als das Alte.

Heute kehrt Dany zurück nach Hause. Sie vermisst Sam, doch sie hat auch eine wichtige Mission: Ihren Eltern beibringen, dass sie mit einem Mädchen zusammen ist. Wie sie das anstellt, erfährst du im heutigen Kapitel „Der Ausflug“. Viel Spaß beim Lesen! Über Feedback freue ich mich natürlich immer sehr.

17. Kapitel: Der Ausflug

„Wo ist Papa?“, frage ich Sabine trotzig, als diese aus dem Auto steigt. Ich habe keinen Bock auf sie und das lasse ich sie auch spüren.

„Er hatte eine dringende Besprechung und hat mich deshalb gebeten, dich abzuholen.“ Sabine lächelt, doch ich funkle sie nur wütend an. Ich wollte mit meinem Vater ein ehrliches Vater-Tochter-Gespräch führen, doch das geht nicht, wenn Sabine mich abholt. Ich hoffe inständig, dass Papa später noch Zeit für mich hat. Wenn er bei Besprechungen ist, kommt er manchmal sehr spät nach Hause. Mein Vater ist ein vielbeschäftigter Mann. Als Direktor der örtlichen Bank hat er immer viel zu tun. Im Notfall muss mein Anliegen eben warten. Ich werde ja jetzt zwei Wochen zu Hause sein, da kommt es auf einen Tag nicht an.

Ich steige nach Sabine ins Auto, allerdings auf den Rücksitz, da ich mich möglichst nicht mit ihr unterhalten will. Das Radio dudelt vor sich hin und ich konzentriere mich auf die Musik und starre aus dem Fenster. Je mehr wir uns von St. Lucia entfernen, desto verlorener komme ich mir vor.

„Und?“, fragt Sabine nach einer Weile und dreht das Radio leiser.

„Was und?“

„Was gibt es Neues?“

„Nichts …“ Ich verschränke demonstrativ die Arme vor der Brust und schaue weiter aus dem Fenster.

„Nichts?“

„Ja, nichts!“

„Aber du warst doch jetzt so lange auf St. Lucia, da muss doch irgendetwas Interessantes passiert sein.“

„Nichts, was dich etwas anginge.“

Sabine verzieht ihren knallrot geschminkten Mund, als hätte sie in eine Zitrone gebissen und wirft mir einen strengen Blick durch den Rückspiegel zu. „Deine Meinung über mich hat sich also nicht geändert?“

„Warum sollte sie? Nur weil wir uns eine Weile nicht gesehen haben?“

„Ja, ich hatte gehofft, dass der Abstand unserer Beziehung zueinander guttut.“

Ich weiß nicht, was Sabine mit „Beziehung“ meint, aber ich bin garantiert nicht besser auf sie zu sprechen, nur weil sie mich ins Internat gesteckt hat – und ich dort meine große Liebe kennengelernt habe. Eigentlich ist die Entscheidung von Sabine gut gewesen, doch das muss ich ihr ja nicht auf die Nase binden. Ich will gar nicht wissen, wie sie reagiert, wenn sie erfährt, dass ich mit Sam zusammen bin. Der Gedanke, ihr damit vielleicht eins auswischen zu können, bringt mich zum Grinsen.

„Möchtest du mir wirklich gar nichts erzählen? Wie gefällt es dir auf St. Lucia? Ich habe gehört, du hast Freunde gefunden.“

„Ja, habe ich. Und St. Lucia ist okay.“

„Okay? Dein Vater meinte aber, dass du völlig begeistert seist.“

Verdammt, ich hätte es ihm nicht erzählen sollen. Aber bei unseren wenigen Telefongesprächen bin ich ziemlich ins Reden gekommen, was dazu führte, dass er mir einiges entlockte, was ich nicht wollte, dass Sabine es wusste. Auf der anderen Seite war es doch egal, was Sabine dachte. Ich hatte Freunde gefunden, na und? Deswegen muss sie sich noch lange nichts drauf einbilden.

„Ich habe mich gut eingelebt“, sage ich wahrheitsgemäß, doch so tonlos, dass Sabine schnell merkt, dass ich keine Lust darauf habe, mich mit ihr zu unterhalten. Schließlich hält sie den Rest der Fahrt den Mund und dreht das Radio wieder lauter.

Meinen Vater bekomme ich an diesem Tag kaum zu Gesicht. Er kehrt erst gegen elf Uhr abends zurück und ist dann so müde, dass er gleich ins Bett geht. Mehr als ein kurzes „Hallo, wie geht‘s?“ ist nicht drin. Er verspricht mir aber, den morgigen Samstag ganz mir zu widmen. Zufrieden mache ich mich auf den Weg in mein Zimmer und schließe die Tür hinter mir. Ich werfe mich aufs Bett und zücke mein Handy. Ein Lächeln stiehlt sich auf meine Züge, als ich sehe, dass Sam mir geschrieben hat.

„Na, Süße? Bist du gut zu Hause angekommen?“

Ich tippe ihr schnell eine Antwort. „Ja, alles klar. Meine Stiefmutter hat mich abgeholt, so ätzend.“

Es dauert nicht lange und Sam antwortet mir. „Dann hast du mit deinem Vater noch gar nicht gesprochen?“

Ich seufze. „Nein, habe ich nicht. Aber vielleicht bekomme ich morgen die Gelegenheit“, schreibe ich zurück.

Ich lege mein Handy auf den Nachttisch und schließe die Augen. Es ist merkwürdig, wieder in meinem eigenen Bett zu liegen und allein zu sein. Im Internat war ich fast nie allein, ständig wuselten Sam, Lis und May um mich herum. Man hatte immer jemanden zum Reden, auch wenn wir manchmal einfach nur anwesend, aber jede mit etwas anderem beschäftigt war. Ich vermisse meine drei Chaotinnen tierisch und spüre wieder den Kloß im Hals. Mein Handy piept und ich nehme es auf und aktiviere das Display. Sam hat mir ein Selfie von sich geschickt, auf dem sie mir eine Kusshand zuwirft. Ich muss grinsen. Meine süße Sam! Sie sieht so gut aus. Ich habe solch ein großes Glück, ihre Freundin sein zu dürfen. Ich schlucke. Was, wenn sie diese Emily doch anbaggert? Sie hatte zwar gesagt, dass die hetero sei, aber das musste ja nichts heißen, oder? Mein Herz schmerzt und ich spüre wieder das große Loch, das darin klafft. Es ist, als ob nur Sam dieses Loch jemals wieder schließen kann. Wenn sie nicht bei mir ist, ist mein Herz nicht komplett. Ich schieße für Sam ebenfalls ein Selfie, auch wenn ich der Meinung bin, dass ich darauf nicht sonderlich vorteilhaft aussehe. Ich bin müde und blass und meine Haare hängen strähnig herunter. Ich hoffe, dass Sam das Bild trotzdem gefällt und tatsächlich schickt sie mir gleich darauf einen Emoji mit Herzchenaugen. Wir schreiben noch eine Weile hin und her, doch irgendwann werden meine Lider immer schwerer, bis sie mir schließlich zufallen und ich in einen tiefen Schlaf sinke.

Am nächsten Tag beim Frühstück schlägt mein Vater vor, mit uns seinen Ausflug zu machen. Mit „uns“ meinte er natürlich Sabine und mich und ich bin gar nicht begeistert darüber, dass Sabine auch mitkommen soll.

„Ich habe keine Lust auf einen Ausflug, wenn Sabine dabei ist. Ich will mit dir allein Zeit verbringen“, nörgle ich und Sabine macht ein geknicktes Gesicht. „Einfach mal ein bisschen Vater-Tochter-Zeit. Das muss doch drin sein, nachdem ich so lange weg war, oder?“

Mein Vater schaut von mir zu Sabine und wieder zurück und sagt dann an Sabine gewandt: „Schatz, wärst du sehr böse, wenn ich mit Dany alleine …?“

„Nein, passt schon“, fährt ihm Sabine über den Mund und sieht echt verletzt aus. Doch mich scheren Sabines Gefühle einen Dreck. Sie wollte mich los haben, also musste sie auch akzeptieren, dass ich sie ebenfalls los haben wollte. Mein Vater streichelt Sabine über den Arm, doch sie zieht ihn schnell weg, steht auf und verlässt demonstrativ den Frühstückstisch. Papa seufzt und schaut mich vorwurfsvoll an, doch ich bin mir keiner Schuld bewusst.

„Komm schon, das wird bestimmt lustig!“, sage ich zu ihm und füge in Gedanken hinzu: Was es nicht würde, wenn Sabine dabei ist. Denn sie ist eine totale Spaßbremse.

Wenig später wandern Paps und ich durch den Wald zu einer Burgruine. Es geht ständig bergauf, was sehr anstrengend ist, aber meine aufgebaute Kondition durch das Laufen mit Sam kommt mir jetzt zugute. Ich atme die frische Luft ein, lausche den Vögeln und bewundere das bunte Herbstlaub. Unwillkürlich kommt mir wieder der Spaziergang mit Sam in den Sinn, bei dem ich ihr das Ahornblatt geschenkt hatte. Ob sie es wirklich mitnahm, als Erinnerung an mich?

„Erzähl doch mal von deinen Freunden“, sagt Papa in dem Moment. „Wen hast du so kennengelernt?“

„Die Mädchen in meinem Zimmer sind allesamt total lieb“, antworte ich und lächle beim Gedanken an sie. „Dann habe ich noch einen Jungen kennengelernt, Uli. Er sitzt neben mir in der Schule. Und außerdem … außerdem …“ Ich stocke.

„Ja?“, fragt mein Vater und bleibt stehen, um kurz zu verschnaufen. Der Aufstieg setzt ihm sehr zu, er ist nicht so gut trainiert wie ich.

„Ich bin kein Single mehr“, verkünde ich und mein Herz schlägt schneller. „Ich bin in einer Beziehung.“

Mein Vater macht große Augen, dann lacht er laut auf. „Das sind ja tolle Neuigkeiten, Dany! Wie heißt er denn? Ist es dieser Uli?“

Ich muss ebenfalls lachen und schüttle den Kopf. „Nein, es ist nicht Uli. Es ist … Sam!“

„Ist das kurz für Samuel?“ Papa fährt sich mit der Hand über das verschwitzte Gesicht.

„Nein.“ Ich hole tief Luft. Meine Handflächen schwitzen und mir wird auf einmal furchtbar heiß. „Es ist kurz für Samantha.“


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4 Kommentare

  1. Guten Morgen,
    Oh, da ist mir eine Perle entgangen😊 liest sich toll, da muss ich nochmal zu den anderen Kapiteln zurück. Ich bin zwar altersmäßig nicht die Zielgruppe, aber gute Texte sind ja zeitlos und manchmal benehme ich mich durchaus wie ein Teenager.
    Ganz liebe Grüße
    Alice

    Gefällt 2 Personen

    • Hallo Alice,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Freut mich, dass dir meine Geschichte gefällt. <3 Ja, ich bin ja auch schon viel älter, aber lese ganz gerne mal Geschichten für Jugendliche. ;)

      Liebste Grüße
      Emma

      Gefällt 1 Person

  2. Deine Geschichte gefällt mir wirklich sehr gut, und ich bin 66 Jahre alt. ;)
    Was mich etwas nervt, nennt sich Cliffhanger… :lol:

    Liebe Grüße, Werner, der schon tierisch gespannt ist, wie es weitergeht! :)

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Werner,

      danke, das hört man gerne. Ich hätte nicht gedacht, dass sogar Männer deines Alters meine Geschichte lesen könnten. Aber das freut mich natürlich umso mehr. :) Ja, die Cliffhanger sind fies, aber natürlich auch Absicht. ;)

      Liebste Grüße
      Emma

      Gefällt 1 Person

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