#WritingFriday #33 | Clobi und die Quindhos

Endlich komme ich mal wieder dazu, einen #WritingFriday-Beitrag zu schreiben. Die letzten Freitage war ich immer zu beschäftigt, sodass der #WritingFriday von Elizzy leider ausfallen musste.

Der #WritingFriday findet, wie der Name schon sagt, immer freitags statt und Elizzy gibt uns jeden Monat mehrere Schreibthemen an die Hand, von denen wir uns eines aussuchen und darüber schreiben dürfen.

Das sind die Schreibthemen für den März:

  • Du bist durch die Zeit gereist und im Jahr 2819 gelandet, berichte davon.
  • Du bist ein Papagei in deinem Käfig, berichte was du den ganzen Tag über so tust und siehst.
  • Schreibe eine Geschichte die mit dem Satz “Es war eine Nacht, wie es sie noch nie zuvor gegeben hatte, zum ersten Mal sah man…” beginnt.
  • Du hast gerade einen Mord begannen und musst die Leiche loswerden. Wie gehst du vor?
  • Beschreibe so genau wie möglich ein altes verlassenes Haus, dass sich in einer Moorlandschaft befindet. Versuche dabei folgende Wörter mit in deinen Text einzubauen: Kaffeebohnen, rubinrot, Familiengeheimnis und versunken.

writingfriday2019_header-1100x633Mein heutiges Thema: Schreibe eine Geschichte die mit dem Satz “Es war eine Nacht, wie es sie noch nie zuvor gegeben hatte, zum ersten Mal sah man…” beginnt.

Clobi und die Quindhos

Es war eine Nacht, wie es sie noch nie zuvor gegeben hatte, zum ersten Mal sah man weder die Sterne noch den Mond. Dabei war der Himmel klar und kein bisschen wolkenverhangen. Zumindest, wenn man der Wettervorhersage Glauben schenkte.

Tabea starrte in den pechschwarzen Nachthimmel empor. Die Dunkelheit schien alles zu verschlucken und hier auf der Wiese, weit außerhalb der Stadt, gab es auch keine Straßenlaternen, die gegen die Schwärze angekämpft hätten. Tabea konnte weder die angrenzenden Bäume des Waldes erkennen, noch das Gras, in dem sie lag. Sie spürte lediglich das leichte Kitzeln der Halme an ihren nackten Armen. Obwohl es erst Mai war, war die Nacht bereits so lau, dass man sie im T-Shirt draußen überstehen konnte, ohne zu frieren. Trotzdem zitterte Tabea am ganzen Körper. Allerdings nicht vor Kälte.

In den letzten Wochen und Monaten hatte Tabea viel Angst aushalten müssen. Sie waren immer wiedergekehrt. Schwarze Schemen aus Qualm. Manchmal nahmen sie körperliche Gestalt an, glotzten mit ihren glühend roten Augen, doch kaum sah man zu ihnen hinüber, lösten sie sich wieder in düsteren Rauch auf.

Die Menschheit hatte lange gerätselt, worum es sich bei ihnen handelte. Bis die Wissenschaftler sich darüber einig wurden, dass sie wohl eine außerirdische Lebensform waren, die immer wieder die Erde besuchten. Das Schlimme daran war nicht, dass sie die Erde besuchten, denn sie hatten noch nie einen Menschen angegriffen. Nein, das Schlimme war, dass sie den Himmel mit ihrem Qualm verdunkelten. Tagsüber schaffte es die Sonne kaum, den Rauch zu durchdringen, aber des nachts war es mittlerweile so dunkel, dass man nichts mehr erkennen konnte.

Tabeas Zähne klapperten. Sie spannte die Kiefermuskeln an, um das Klappern zu unterdrücken, doch es funktionierte nicht. Im Gegenteil, dadurch schlotterte sie nur noch mehr. Sie überlegte mehrmals, ob sie aufstehen und zurückgehen sollte. Wenn sie den Kopf hob, konnte sie in der Ferne die Lichter der Stadt erkennen. Sie wollte nach Hause, in ihr Bett, in Sicherheit sein. Aber sie musste es aushalten, hier draußen zu bleiben. Sie fischte ihr Handy aus ihrer Hosentasche und schaute, wie spät es war. Noch eine Stunde, dann war Mitternacht und sie konnte endlich heimgehen.

Ihr Herz pochte laut in ihren Ohren. Hätte sie dieser blöden Mutprobe doch nur nicht zugestimmt. Aber sie musste ja so vorlaut sein und behaupten, dass sie sich nicht vor den Außerirdischen fürchtete.

Ein leichter Luftzug ließ Tabea zusammenzucken. Sie sah nach rechts und konnte unmittelbar neben ihr glühend rote Augen erkennen. Erschrocken schrie sie auf und sprang auf die Beine. Sie presste sich die Hand vor den Mund und wich ein paar Schritte zurück.

„Hab keine Angst.“

Es klang wie ein Flüstern dicht an ihrem Ohr. Hörte sie jetzt schon Stimmen? Der Außerirdische konnte nicht gesprochen haben, er war gut zwei Meter von ihr entfernt.

„Clobi tut dir nichts.“

„Clobi?“, quiekte Tabea hysterisch.

„Clobi schätzt deinen Mut.“

Woher wusste die Stimme, dass es sich bei ihrer waghalsigen Aktion um eine Mutprobe handelte?

„Clobi kommt jetzt näher, hab keine Angst“, flüsterte die Stimme wieder und zu ihrer Überraschung kamen die roten Augen tatsächlich näher an sie heran.

„Wer bist du Clobi?“ Tabeas Stimme zitterte. „Bist du ein Außerirdischer?“

„So nennt ihr uns. Clobi ist ein Quindho.“

„Ein was?“ Tabeas Zähne klapperten wieder. Ihr ganzer Körper bebte und ihr war auf einmal schrecklich kalt.

„Wir sind Rauchwesen aus einem parallelen Universum. Wir haben ein Portal gefunden, das uns in diese Welt gebracht hat. Leider finden wir den Weg nicht zurück.“

„Das ist ja ein schöner Schlamassel.“ Tabea kratzte sich am Kopf. Aus irgendeinem Grund verflog ihre Angst vor Clobi und sie machte sich ernsthaft Gedanken, wie sie den Quindhos helfen könnte.

„Die Menschen hassen uns. Dabei haben wir ihnen gar nichts getan.“

„Sie haben Angst vor euch“, erklärte Tabea und empfand tatsächlich Mitleid für das Rauchwesen. „Und außerdem mögen sie es nicht, dass ihr ihnen das Licht nehmt.“

„Das Licht?“, wiederholte Clobi.

„Ja, dadurch dass sich euer Rauch am Himmel sammelt, kommt die Sonne nicht mehr durch und nachts sehen wir erst recht nichts mehr.“

„Jetzt verstehe ich, warum ihr uns nicht mögt.“ Clobi seufzte laut. „Die Menschen auf dem Mond brauchen ihr Licht.“

„Auf dem Mond?“, fragte Tabea verwirrt. „Wieso auf dem Mond?“

„Das hier ist doch der Mond, oder?“

„Nein, das ist die Erde.“

„Die Erde …“ Clobi brach plötzlich in ein lautes Glucksen und Kichern aus. „Wir sind auf der Erde? Das ist der falsche Planet. Unser Portal muss sich auf dem Mond befinden. Kein Wunder haben wir es hier nicht gefunden.“

„Woher wisst ihr, dass es auf dem Mond ist?“

„Weil das unsere alte Legende erzählt. Wir schlüpfen durch ein Portal auf dem Mars und entschwinden wieder durch ein Portal auf dem Mond. Die Erde war der schönste Planet, den wir entdecken konnten, deswegen dachten wir wohl fälschlicherweise, dass es sich dabei um den Mond handelt.“

„Nein, der Mond ist weiß und hell. Man sieht ihn von der Erde aus, wenn ihr mit eurem Rauch nicht die Sicht verdunkelt.“

„Das ist gut zu wissen.“ Ein zarter Windhauch wirbelte um Tabea herum. „Danke, vielen lieben Dank“, flüsterte Clobis Stimme ganz nah an ihrem Ohr.

Dann verschwand er in der Dunkelheit.

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8 Kommentare

  1. Hallo Emma,

    schön, wieder von dir zu lesen! Und das ist wieder eine schöne, einfallsreiche Geschichte!

    Diesen Freitag kam ich nicht zum Schreiben; aber wenn du magst, kannst du dir gerne meine Beiträge aus den letzten Wochen noch ansehen!

    Liebe Grüße
    Norbert

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Norbert,

      vielen Dank. Das freut mich sehr, dass dir meine Geschichte gefällt.

      Gerne schaue ich mir mal deine älteren Beiträge an, bin ja schon länger nicht mehr durch die Blogs gesurft.

      Liebste Grüße
      Emma

      Gefällt 1 Person

  2. Hey Emma,
    der Titel hat mich gleich eingefangen. Interessant Namen und spannende Geschichte. Am Anfang hat es mich an eine Dr Who-Folge erinnert, da ging es aber nicht um verirrte Außerirdische.
    Grüße, Katharina.

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    • Hey Katharina,

      danke für deinen Kommentar. Oh wirklich? Na, da bin ich unschuldig, ich habe die Dr-Who-Folge mit Sicherheit nicht gesehen. Ich kenne nämlich nur die ersten zwei, drei Folgen der Serie. ;-)

      Liebste Grüße
      Emma

      Gefällt 1 Person

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