#WritingFriday #30 | Lieber spät als nie

Schön, dass du heute wieder bei mir vorbeischaust. Da es Freitag ist, steht wieder die Aktion #WritingFriday von der lieben Elizzy von Read Books And Fall In Love an.

Jeden Monat gibt sie uns verschiedene Schreibthemen an die Hand, meist welche, die mit der Jahreszeit zu tun haben. Wir dürfen uns dann immer freitags eine Aufgabe auswählen und darüber schreiben.

Das sind die Themen für den Januar 2019:

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Mein Thema heute: Du bist eine zu spät ankommende Weihnachtskarte – berichte über deine Empörung!

Ich muss zugeben, ich habe den zweiten Teil der Aufgabe mit der Empörung nicht erfüllt. Trotzdem möchte ich die Geschichte so stehen lassen und hoffe, dass sie dir dennoch gefällt.

Lieber spät, als nie

„So, jetzt noch Briefmarken drauf und dann geht’s ab zum Postkasten.“

Ich lag ganz unten im Stapel von Marions diesjährigen Weihnachtskarten. Eine nach der anderen nahm sie sich vor und klebte eine Marke darauf. Auch auf mich und als das klebrige Stückchen Papier mich berührte, wurde ich ganz aufgeregt. Ich sollte nach Berlin gehen. Raus aus dieser Einöde in die große, weite Stadt. Die Vorfreude kribbelte in mir und ich konnte es kaum erwarten, endlich auf Reisen zu gehen. In meinen Träumen malte ich mir aus, wie Marions Brieffreundin Sina mich bekommen würde. Wie sich ihre Augen vor Freude weiteten und sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht breitmachte. Die perfekte Weihnachtsüberraschung.

Marion schnappte mich und die anderen Weihnachtskarten und stopfte sie in die Tasche ihres roten Wintermantels. In diesem Kleidungsstück erinnerte sie mich an die Frau vom Weihnachtsmann. Eine gewisse Ähnlichkeit bestand. Ich kicherte vor mich hin und kuschelte mich an den weichen Innenstoff ihrer Manteltasche.

Marion musste langsam gehen, denn der Boden war vereist und glatt. Wie auf Eiern wackelte sie vorwärts. Der Briefkasten war nicht weit von ihrem Haus entfernt. Plötzlich glitt Marion auf dem glitschigen Boden aus und fiel der Länge nach hin. Ein paar andere Weihnachtskarten und ich wurden aus der Tasche in den Schnee befördert. Seufzend richtete sich Marion auf und rieb sich das Knie. Dann sammelte sie die Karten auf dem Boden auf und – halt! Nicht! Sie hatte mich vergessen!

Tatenlos musste ich zusehen, wie Marion weiterging und hinter der nächsten Ecke verschwand. Panik machte sich in mir breit. Sollte meine Reise bereits hier am Wegrand bereits enden? Das konnte doch nicht … nein, das durfte nicht …!

Ich weiß nicht, wie lange ich im Schnee lag. Aber es vergingen mehrere Tage und Nächte und ich wurde zunehmend von einer dicken Schneeschicht zugedeckt. Erst einige Tage später, als das Tauwetter einsetzte, tauchte ich wieder auf.

Eines Tages kam ein kleiner Junge den Weg entlang. Er hatte den Blick auf seine Füße gerichtet und so hatte ich Glück, dass er mich entdeckte.

„Wer hat dich denn verloren?“ Er drehte und wendete mich mehrmals, dann zuckte er mit den Achseln und steckte mich ein. Was nun? Wohin würde er mich bringen? Zu sich nach Hause? Würde ich jemals in Berlin ankommen? Wenige Minuten später holte er mich aus seiner Tasche hervor und warf mich in einen Briefkasten. Mein kleines Kartenherz hüpfte vor Freude. Ich war gerettet!

Und nun liege ich hier neben dem neusten EMP-Katalog in Sinas Briefkasten und warte darauf, entdeckt zu werden. Was sie wohl sagen wird? Ob sie sich jetzt überhaupt noch über mich freut? Es ist doch bestimmt schon Januar …

Halt! Höre ich da Schritte? Tatsächlich! Schlüssel klappern und dann wird es ganz hell. Eine Hand greift nach dem Katalog und steckt ihn sich unter den Arm, dann packt die Hand mich. Ein verwundertes Gesicht sieht mich an. Dann bahnt sich ein Lächeln auf die Züge der jungen Frau.

„Na, und ich dachte schon, Marion hätte mich dieses Weihnachten vergessen … Lieber spät, als nie.“

Sie nimmt mich mit in ihre Wohnung und platziert mich auf ihrem Bücherregal. Was für ein herrliches Plätzchen. Ich habe eine fantastische Aussicht auf den Schreibtisch, vor den sich Sina jetzt setzt. Ich sehe, wie sie ihr E-Mailprogramm öffnet und Marions E-Mailadresse eingibt.

Ich atme erleichtert auf. Jetzt wurde doch noch alles gut.


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