#WritingFriday #28 | Das Portal

Heyho,

es ist Freiiiiitag!!! Das Wochenende steht kurz bevor und ich widme mich mal wieder dem #WrtitingFriday, diesmal übrigens zum letzten Mal für dieses Jahr. Das heißt, bei Elizzys Dezember-Special werde ich auch nochmal eine Geschichte posten und zwar am 23. Dezember 2018.

Jeden Monat gibt uns die liebe Elizzy neue Schreibthemen an die Hand, aus denen wir uns freitags eines aussuchen und darüber schreiben dürfen.

Das sind die Themen für November 2018:

writing friday

Mein heutiges Thema: Wenn du zwischen den Fähigkeiten „Fliegen“, „Durch die Zeit reisen“, „Gedanken lesen“ und „Zaubertränke herstellen“ wählen könntest, welche würdest du haben wollen und was würdest du damit anstellen?

Das Portal

Ich renne die Straße entlang. Schweiß bildet sich trotz der Eiseskälte auf meiner Stirn und meine Lungen brennen. Um die Kurve, dann geradeaus weiter. Ein kurzer Blick über die Schulter zeigt mir, dass meine Verfolger näher rücken. Ich renne schneller. Ich muss sie unbedingt abhängen. Ich höre sie hinter mir grölen.

„Bleib stehen, du feige Sau!“

Tränen steigen mir in die Augen, vernebeln meinen Blick. Ich laufe noch ein bisschen schneller. An der nächsten Kreuzung biege ich links ab. Ich schaue nicht mehr, wohin ich laufe. Ich will einfach nur weg von meinen Peinigern. Plötzlich taucht eine Mauer vor mir auf. Verdammt, eine Sackgasse!

Angsterfüllt schaue ich nach hinten und sehe, wie meine Verfolger um die Kurve kommen.

„Gleich haben wir dich!“

Panik steigt in mir auf, nimmt mir fast die Luft zum Atmen. In diesem Moment passiert etwas sehr seltsames. In der Mauer klafft plötzlich ein Loch, gerade groß genug, dass ich mich hindurchzwängen kann. In meiner Panik steige ich durch das Loch und als ich auf der anderen Seite herauskomme, schließt es sich wie von Zauberhand hinter mir.

Ich sehe mich um. Wo bin ich den hier gelandet? Ich gehe über einen Hof zur Straße. Aber – was stehen denn da für Autos? Solche Modelle hat man doch heute nicht mehr. Findet hier ein Oldtimertreffen statt, oder was ist da los? Ich gehe die Straße entlang. Wo bin ich hier überhaupt? Die Häuser kommen mir nicht bekannt vor. Lediglich der Kirchturm, den ich in der Ferne sehen kann, zeigt mir, dass ich mich in meiner Stadt befinde. Aber alles andere ist auf einmal so verändert.

Ich komme zum Marktplatz. Doch die Läden hier sehen auch ganz anders aus, als ich es gewohnt bin. Und die Leute sehen merkwürdig aus. Die Jungen und Männer haben vor Pomade triefende Tollen und die Mädchen und Frauen tragen Röcke und Kleider anstatt Hosen und die Haare zu Zöpfen geflochten. So lief doch heutzutage keiner mehr rum.

Ich komme an einem Kiosk vorbei. Ich betrachte die Zeitschriften, die in der Auslage liegen. Die Leute auf den Fotos sehen ebenso merkwürdig aus, wie die Menschen um mich herum. Dann fällt mein Blick auf das Datum: 30. November 1958.

Es trifft mich wie ein Schock. Mir wird schwindelig. War ich etwa in der Zeit gereist? Oder ist das alles nur ein Versuch, mich zu verarschen? Ist hier irgendwo eine versteckte Kamera? Ich nehme meinen ganzen Mut zusammen und sage zum Kioskverkäufer: „Entschuldigen Sie. Aber welches Jahr haben wir?“

Der Mann sieht mich mit hochgezogenen Augenbrauen an, dann lacht er und sagt: „Willst du mich verarschen, Kleiner?“

„Nein, ich meine das ernst. Hier sieht alles so merkwürdig aus.“

„Merkwürdig? Nun, der Einzige, der hier merkwürdig aussieht, bist du.“

Ich sehe an mir herab. Tatsächlich passt mein Äußeres überhaupt nicht zu meiner Umgebung.

„Ich komme aus dem Jahr 2018.“ Meine Stimme zittert, als ich spreche. „2018, hören Sie?“

„Verarschen kann ich mich selber.“ Der Mann schüttelt den Kopf und sieht auf einmal sehr genervt aus.

„Ich kann es aber beweisen.“ Ich greife in meine Tasche und ziehe mein Smartphone heraus. Ich aktiviere das Display. Kein Empfang! War ja klar, hier gibt es ja auch noch keine Satelliten dafür.

„Was’n das für’n Ding?“ Der Verkäufer betrachtet neugierig mein Handy.

„Das ist ein Smartphone“, erkläre ich. „Damit kann man telefonieren, Nachrichten verschicken und im Internet surfen.“

„Wie willst du denn auf so einem kleinen Ding surfen? Das ist doch viel zu klein …“

„Nicht surfen … ins Internet gehen. Aber was bemühe ich mich denn, Sie verstehen mich doch eh nicht.“

Verzweiflung macht sich in mir breit. Wohin soll ich nur gehen? Mein Zuhause existiert ja noch gar nicht. Das Haus, in dem wir leben, wurde erst in den 90ern erbaut. Ich entferne mich vom Kiosk und setze mich auf eine Mauer. Tränen laufen mir über die Wangen. Ich will heim, zu meinen Eltern und meiner kleinen Schwester. Ich fühle mich hier so schrecklich einsam.

Plötzlich öffnet sich die Erde und ein schwarzes Loch klafft auf. Erschrocken sehe ich mich um, doch niemand sonst scheint das Loch wahrzunehmen. Kann nur ich es sehen?Vielleicht ein Portal, das mich zurück in die Gegenwart bringt? Obwohl mein Herz bis zum Hals schlägt und das Loch nicht gerade vertrauenserweckend aussieht, beiße ich die Zähne zusammen und klettere hinein. Als ich mich ganz in der Grube befinde, schließt sich das Loch über mir und ich stehe in der Dunkelheit.

Verdammt, ich hätte mich nicht darauf einlassen dürfen! Ich fluche laut und kratze am Asphalt über mir. Wie auf Befehl öffnet sich das Loch wieder. So schnell ich kann, klettere ich hinaus und sehe mich um. Der Kiosk in die Mauer sind verschwunden. Stattdessen sehe ich die mir so bekannte Apotheke und Giovannis Eisdiele. Ich bin wieder zurück!

Erleichtert trete ich den Heimweg an. Meine kleine Reise ins Jahr 1958 würde ich aber nie vergessen.

Die Geschichte war jetzt stark abgekürzt, weil ich für die Aktion nicht so ausufern wollte. Aber irgendwann schreibe ich vielleicht mal eine längere, ausführliche Version davon. :)


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