#Writing Friday #23 | „Help!“

Heyho ihr lieben Schreiberlinge und Federschwinger,

heute nehme ich nach längerer Zeit mal wieder beim #WritingFriday teil. Bei dieser Aktion gibt uns die liebe Elizzy jeden Monat neue Schreibthemen an die Hand, von denen wir uns wöchentlich eines aussuchen dürfen, um darüber zu schreiben.

Das sind die Schreibthemen für September:

  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Dieser kunterbunte Vogel konnte einfach nicht anders, als…“ beginnt.
  • Schreibe aus der Sicht deines Haustiers. (Wenn du keines hast, erfinde eine Geschichte dazu.)
  • Du irrst nun schon seit mehreren Tagen durch den Dschungel, als du plötzlich …(Platz für eigene Idee)… siehst.
  • Setze deine Zahnbürste ins Rampenlicht!
  • Blicke aus dem Fenster – was siehst du? Beschreibe dies so genau wie möglich.

writing friday

Mein heutiges Thema: Du irrst nun schon seit mehreren Tagen durch den Dschungel, als du plötzlich …(Platz für eigene Idee)… siehst.

„Help!“

Laut schnaufend wische ich mir mit dem Unterarm über das feuchte Gesicht. Ich rieche den beißenden Geruch meines Schweißes und mein T-Shirt klebt mir tropfnass auf der Haut. Die Hitze und noch dazu die hohe Luftfeuchtigkeit sorgen dafür, dass ich kaum mehr Kraft habe. Seit Tagen irre ich nun schon durch den Urwald, auf der Suche nach meiner Gruppe, mit der ich zu einer Dschungelexpedition aufgebrochen war. Wäre da nur nicht diese blöde Anakonda gewesen, die mich in Angst und Schrecken versetzt und weswegen ich mich laut schreiend von meiner Gruppe getrennt hatte. „Stillstehen. Nicht bewegen!“, hatte unser Anführer uns befohlen. Doch dann bewegte sich die Schlange auf mich zu und kroch mir um die Beine – da sind mir die Sicherungen durchgebrannt.

Ich schlage mich durch die Blätter und Lianen hindurch. Meine Kehle brennt und mein Mund ist ganz ausgetrocknet. Ich halte für ein paar Minuten an, hole meine Flasche aus dem Rucksack und betrachte die winzige Menge an Wasser, die sich noch in der Flasche befindet. Noch ein Schluck, vielleicht zwei. Ich öffne sie und setze sie mir an die Lippen. Das kühle Rinnsal läuft in meinen Mund und ich genieße jede Sekunde davon – eine wahre Wohltat. Doch es ist ein kurzes Glück. Ich stopfe die leere Flasche wieder zurück in meinen Rucksack, als ich plötzlich ein Knacken höre.

Erschrocken wirble ich herum. Die Blätter des Dickichts hinter mir zittern. Mein Puls schnellt in die Höhe und ich breche noch mehr in Schweiß aus, als ich es ohnehin schon tue. Ein wildes Tier? Vielleicht wieder eine Schlange? Ich sehe mich um und hebe einen Ast auf, der neben mir auf dem Boden liegt. Schützend halte ich ihn vor mich, bereit zuzustoßen, wenn gleich etwas aus dem Busch springt.

Es raschelt und knackt wieder. Dann bohrt sich etwas durch die Blätter. Ich halte den Atem an. Es ist die Spitze eines Speers.

„Scheiße!“, entfährt es mir. Soll ich stehen bleiben und kämpfen oder auf dem Absatz kehrt machen und davonlaufen? Ich entscheide mich für letzteres, da ich mit meinem Ast gegen richtige Waffen keine Chance habe. Also drehe ich mich um und will losrennen, doch ich bremse sofort ab, lasse vor Schreck den Ast fallen und hebe die Hände. Vor mir stehen zwei halbnackte Männer, nur mit einem Lendenschurz bekleidet und Speeren in der Hand. Sie betrachten mich skeptisch und zeigen mit ihren Speerspitzen auf mich. Ich gehe auf die Knie. Tränen sammeln sich in meinen Augen.

„Bitte, tut mir nichts“, wimmere ich. „Ich habe mich lediglich verlaufen.“ Ob das Kannibalen sind? Die beiden Männer tauschen einen verwirrten Blick. Dann höre ich eine Stimme hinter mir. Sie spricht in einer fremden Sprache. Ich drehe den Kopf und erblicke einen alten Mann mit langem weißen Bart und Haar, der ebenfalls einen Speer in den Händen hält. Ein spärlich bekleideter Dumbledore, geht es mir durch den Kopf und ich muss bei dem Gedanken grinsen, obwohl mir im Moment eigentlich gar nicht zu Lachen zumute ist.

Okay, diese Ureinwohner sprechen offensichtlich kein Deutsch. Wäre ja auch zu schön. Also versuche ich es mit Englisch: „Please don’t hurt me. I got lost in the rain forest. I’m looking for my group.“

Die Ureinwohner wechseln wieder ein paar verwirrte Blicke, dann sagt der Alte hinter mir wieder etwas. Einer der beiden Männer gegenüber von mir macht ein paar Schritte auf mich zu. Erschrocken springe ich auf und weiche zurück. „Please, don’t … I … help me, please …“, stammle ich, dann stolpere ich über einen Wurzel und falle wie ein Käfer auf den Rücken. Für einen Moment entweicht mir die ganze Luft aus den Lungen und schwarze Punkte tanzen vor meinen Augen. Der Ureinwohner kommt näher und näher, dann steht er direkt über mir. Ich ziehe den Kopf ein. Jetzt ist es aus mit mir! Das war’s! Ich sehe mich zerstückelt in einem übergroßen Kessel.

Doch der Speer durchbohrt mich nicht. Im Gegenteil, der Mann senkt seinen Speer und hält mir stattdessen die Hand hin. Durcheinander starre ich ihn an. Auf seinen Lippen bildet sich ein feines Lächeln. Er sagt etwas, das ich nicht verstehe. Dann reiche ich ihm meine Hand und er zieht mich zurück auf die Beine.

„Help!“, sagt er, zeigt dabei auf sich und die anderen Ureinwohner und nickt lächelnd. Ich verstehe und mir fällt ein Stein vom Herzen. Sie wollen mich nicht essen, sondern mir helfen.

„Danke … ähm, thank you!“, hauche ich heiser. In diesem Moment weiß ich: Jetzt wird alles gut.


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