Ich bin bisexuell – und das ist gut so!

Hallo ihr Lieben,

danke, dass ihr bei mir vorbeischaut. Heute möchte ich mich einem Thema widmen, das für mich sehr aktuell ist und zwar meine eigene Bisexualität und wie ich bemerkt habe, dass ich nicht hetero bin. Außerdem möchte ich ein bisschen auf mein Leben als Bisexuelle eingehen.

bisexual-1792758_960_720

Die Regenbogenflagge ist ja vielen bekannt. Weniger berühmt ist die Flagge der Bisexuellen, die ihr hier sehen könnt.

Wie ich herausfand, dass ich bisexuell bin

Es war im schönen Jahr 2003. Ich war gerade 13 Jahre alt und hatte mich noch nie mit dem Thema Homo- oder Bisexualität auseinandergesetzt. Bisher hatte ich meine Heterosexualität nie in Frage gestellt, aber ich stand ja auch noch am Anfang der Pubertät.

Ich wurde in eine streng religiöse Familie hineingeboren. LGBT+ Themen waren tabu und meine Eltern waren der Ansicht, dass man Homosexualität heilen könne und dass es „sündhaft“ sei. Bisher war das Thema aber auch nie aufgekommen, daher hatte mich das nicht gestört.

Dann las ich in einer Jugendzeitschrift über das Pop-Duo t.A..T.u. aus Russland, das gerade große Erfolge feierte. Eine Band, die über lesbische Liebe sang – das fand ich komisch. Und im ersten Moment war ich schockiert darüber, dass die beiden Frauen sich liebten (das das nur für die PR gespielt war, wusste damals noch keiner). Die Sache mit t.A.T.u. ging mir nicht mehr aus dem Kopf und ich weiß noch, wie ich dachte: „Schade, dass die beiden ein Paar sind. Die eine sieht eigentlich ganz süß aus … Moment, was habe ich da gerade gedacht?!“

Je länger ich darüber nachdachte, desto bewusster wurde mir, dass ich schon früh für Frauen geschwärmt hatte, ich hatte es mir nur nie erlaubt. Im Kindergarten hatte ich eine Schwäche für die Praktikantin. Sofern man sich im Kindergartenalter verlieben kann. Ich verstand die Welt nicht mehr.

Als ich damit begann, Poster von t.A.T.u. aufzuhängen, wurde das Thema auch in meiner Familie angeschnitten. Meine Eltern sahen es gar nicht gerne, dass ich Poster von Lesben in meinem Zimmer aufhängte, aber ich machte es trotzdem. Wenn auch nur die Poster, die nicht „anstößig“ waren.

Je älter ich wurde, desto öfter fielen mir Frauen auf, die ich attraktiv fand. Zwar lag mein Hauptfokus auf Männern (daran war ich gewöhnt), doch ich ließ es auch immer öfter zu, dass ich Schwärmereien für Mädchen und Frauen entwickelte. Leider waren es immer heterosexuelle Personen und ich hatte von Anfang an keine Chance bei ihnen.

Mit 14 hatte ich eine kleine Liaison mit einer Lesbe, die leider am anderen Ende des Landes wohnte. Das war meine erste „Beziehung“ und gleich mit einer Frau, das war schon etwas verwirrend.

Mit etwa 15 Jahren verliebte ich mich dann in eine gute Freundin von mir. Ich traute mich nicht, es ihr zu sagen – das habe ich erst Jahre später getan, als ich meine unglückliche Liebe verarbeitet hatte. Sie reagierte eigentlich ganz cool und fühlte sich geschmeichelt, aber eine Chance hatte ich bei ihr – wie erwartet – nicht.

Im Laufe meiner Pubertät gab es Phasen, da dachte ich, ich sei zu 100 % lesbisch. Aber dann kamen doch wieder Männer, die mir den Kopf verdrehten. So fand ich nach und nach heraus, dass ich bisexuell bin und eben auf beide Geschlechter stehe.

Wie mein Leben als Bisexuelle aussieht

Meine Familie hatte zunächst schwer daran zu kauen, dass ich u. a. auf Frauen stand. Da ich aber, bis auf die Flirterei mit 14, von der meine Eltern nichts mitbekamen, nie Beziehungen mit Frauen hatte, wurde das Thema ein wenig unter den Tisch gekehrt. Meine restlichen Verwandten wissen bis heute nichts davon, ich habe es ihnen nie erzählt, weil es keinen Anlass dazu gab. Würden sie mich direkt danach fragen, würde ich aber ehrlich antworten.

Ich hatte einige Beziehungen mit Männern, aber was das weibliche Geschlecht betrifft, verliebte ich mich bisher immer nur in heterosexuelle Frauen oder die Lesben waren nicht an mir interessiert. Dabei hätte ich so gerne mal (wieder) eine Beziehung mit einer Frau.

In Foren für Lesben und Bisexuelle fühle ich mich oft ein wenig ausgegrenzt, weil ich eben nicht 100 % lesbisch bin. Außerdem finde ich es viel schwieriger, interessierte Frauen kennen zu lernen, als Männer. Darum hatte ich auch schon viel mehr Beziehungen mit Männern.

Ich bin nicht richtig in die Szene integriert, fühle mich wie ein Außenseiter, da ich nie in Lesbendiscos oder dergleichen gehe. Das ist einfach nicht meine Welt. Und auf dem CSD war ich bisher auch noch nie – einfach weil Menschenansammlungen für mich als Introvertierte anstrengend sind.

Für mich ist es mittlerweile keine große Sache mehr, dass ich bi bin. Ich gehe sehr offen damit um und verstehe nicht, warum ich ein Geheimnis darum machen sollte. Auch wenn es für meine Verwandtschaft ein Schock sein wird, bin ich stolz darauf, beide Geschlechter lieben zu können.


Ähnliche Beiträge

Achtung!

Beim Kommentieren dieses Beitrags werden Daten erhoben und gespeichert. Mit dem Absenden deines Kommentars erklärst du dich mit der Datenschutzerklärung einverstanden.

 

7 Kommentare

  1. Ist der CSD bei dir in der Gegend echt eine Riesenparty? Meine Schwester war auf dem CSD in Mainz und da war das Herzstück eher eine Demo für die Rechte von LGBTA+ :). Da ist sie sehr stolz mitgelaufen.

    Gefällt 1 Person

  2. Da heb ich mal die Hand als Leidensschwester … wobei, eigentlich liebe ich mein größeres Regenbogenherz. Jepp, es ist verdammt gut so ;-)

    Ich kenne sooo gut, was du da beschreibst. Gerade dieses Phänomen, dass man es sich selbst so spät eingesteht, dadurch „Chancen“ und Beziehungen verpasst hat, von anderen deshalb fälschlicherweise als hetero angenommen wird. Ich bezeichne mich mal als cis, mal als pan. Identifizieren tue ich mich mehr mit Letzterem, sage Ersteres nur, wenn ich es unkomplizierter brauche. In meinem jungen Leben stand ich verdammt oft auf Mädchen, war lange Zeit sehr unglücklich in eine Freundin verliebt, mein erster Girlcrush war die fiktive Figur Utena Tenjou von „Revolutionary Girl Utena“.

    Heute schwärme ich endlich offen über Frauen. Ich liebe, mich dahingehend in meinen Geschichten ausleben zu können. Ob sich nun Frau und Mann, Frau und Frau, Mann und Mann lieben, oder andere queere Personen, wie Intersexuelle, Trans-Gender oder Cross-Dresser ihren Gefühlen folgen … Ich verliebe mich irgendwo immer ein Stück in meine Figuren mit.

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Nora,

      schön, dass du mitfühlen kannst. Ich bin auch stolz auf mein „Regenbogenherz“. :) Mein Motto: „Liebe kennt kein Geschlecht.“ Manchmal überlege ich auch, ob ich vielleicht pansexuell bin, aber damit hab ich noch keine Erfahrungen gesammelt. Ich glaube, dass man sich unglücklich in Freundinnen verliebt, ist ziemlich häufig bei Bisexuellen/Lesben. Ich habe das jetzt schon von mehreren Leuten gehört.

      Oh ja, in meinen Geschichten lebe ich das auf jeden Fall auch aus. Ich finde das Thema einfach unglaublich spannend und ich liebe es, die Freiheit zu haben, auch über Frau und Frau oder Mann und Mann schreiben zu können. Ja, ich glaube, man MUSS sich sogar in seine Figuren verlieben, denn nur so kommt es authentisch rüber. Geht mir jedenfalls genauso. :)

      Gefällt 1 Person

Kommentare sind geschlossen.