#WritingFriday #20 | Noch eine Chance?

Hallo ihr Süßen!

Schön, dass ihr wieder bei mir vorbeischaut. Ich weiß, heute ist schon Samstag, aber ich hatte gestern gesundheitsbedingt einen PC-losen Tag eingelegt und komme daher erst heute dazu, den Beitrag für den #WritingFriday zu schreiben. Ich hoffe, ihr seht mir das nach.

Der #WritingFriday ist eine Aktion von Elizzy von Read Books and Fall in Love. Sie gibt uns jeden Monat Schreibthemen vor, über die wir schreiben dürfen.

Da jetzt August ist, gab’s auch wieder neue Themen:

  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Luna war so verliebt aber niemand hätte damit gerechnet, dass…“ beginnt.
  • Beschreibe einen Tag im Leben einer Plastikflasche.
  • Schreibe eine Geschichte zu folgender Situation; Du betrittst einen schummrigen, alten Laden und kaufst …(Platz für eigene Idee)… dafür wirst du dann aber verfolgt.
  • Schreibe eine Danksagung an dein Bücherregal.
  • Du bist Paartherapeutin, erzähle von einer Sitzung.

writing friday

Mein Thema heute: Du bist Paartherapeutin, erzähle von einer Sitzung.

Noch eine Chance?

„Also, dann … wir sehen uns nächsten Montag wieder.“ Ich entließ Anna und Michael aus ihrer mittlerweile fünfzehnten Sitzung. Kaum hatten die beiden den Raum verlassen, seufzte ich auf. Das Paar war wirklich nicht zu retten. Doch ich hatte mir auf die Fahnen geschrieben, dass ich jede Ehe wieder kitte, also durfte ich auch in diesem schwierigen Fall nicht klein beigeben.

Mein Blick fiel auf meinen Terminkalender. In zehn Minuten würde ich Monika und Andreas begrüßen. Sie waren noch neu und ich war gespannt, was sie zu mir führte. Das war doch das Aufregende und Herausfordernde an meinem Job. Immer gab es neue Schwierigkeiten, die eine auf sich maßgeschneiderte Therapie bedurften. Und immer neue Gesichter, neue Krisen, neue Streitigkeiten.

Ich nahm eine Zigarette aus der obersten Schreibtischschublade und ging hinaus auf den Balkon, der sich an mein Behandlungszimmer anschloss. Ich pustete kleine Rauchwölkchen in die süße Frühlingsluft. Die Sonne schien mir ins Gesicht und wärmte meine Haut. Ich zog an meiner Zigarette und genoss das Aroma, das sich auf meiner Zunge ausbreitete. Eigentlich hatte ich mir an Silvester ja vorgenommen, mit dem Rauchen aufzuhören. Doch ich hatte es – wieder einmal – nicht geschafft.

Schließlich begrüßte ich meine neuen Patienten. „Bitte nehmen Sie Platz. Mein Name ist Madeleine und ich darf Sie doch ebenfalls mit dem Vornamen ansprechen, oder?“

„Natürlich.“ Monika, eine dünne Frau mit fahler Haut und rotumrandeten Augen nickte und versuchte ein Lächeln, das kläglich misslang.
„Ja, wenn Ihnen das lieber ist.“ Andreas zuckte mit den Schultern. Seine Augenbrauen waren zusammengezogen und seine Lippen nicht mehr als ein dünner Strich. Er fuhr sich mit der Hand über sein dunkelbraunes Haar.

„Na, dann bin ich mal gespannt, was Sie zu mir führt. Erzählen Sie doch mal“, eröffnete ich meine Sitzung.
Monika blickte schüchtern zu Andreas, dieser zuckte abermals mit den Schultern.
„Also, es ist so …“, begann sie mit zitternder Stimme. Tränen liefen ihr über die Wangen und ich reichte ihr in einer routinierten Bewegung ein Päckchen Papiertaschentücher. Sie griff danach und wischte sich mit einem der Tücher über das Gesicht. „Wir sind jetzt seit fünfzehn Jahren verheiratet. Aber wir können uns einfach nicht mehr gegenseitig unsere Liebe zeigen. Ich meine – lieben wir und denn überhaupt noch?“ Sie sah Andreas an, der auf seine Hände starrte. „Ich weiß es nicht. Ich weiß gar nichts mehr.“ Schluchzer schüttelten Monika und sie brach abrupt ihren Bericht hab.
„Ich verstehe. Sie wissen nicht, ob Sie noch Gefühle für einander haben. Woran machen Sie das fest?“

„Na ja, ich … Andreas hat mir schon ewig nicht mehr gesagt, dass er mich liebt. Und wir streiten uns … wegen jeder Kleinigkeit.“ Monikas Unterlippe zittert.
Ich nickte und machte mir Notizen. „Wie sieht es denn sexuell bei Ihnen aus? Haben Sie noch Geschlechtsverkehr?“
Monika machte große Augen und ihre Wangen röteten sich. Anscheinend war es ihr peinlich, darüber zu sprechen, doch so ging es vielen meiner Patienten.
„Nein.“ Sie schüttelte den Kopf. Dann holte sie tief Luft und presste hervor: „Aber deswegen hat er ja auch mit dieser Schlampe gevögelt.“
Andreas zuckte, als hätte sie ihn geschlagen. „Musst du jetzt damit anfangen?“, brummte er und blickte noch immer auf seine Hände, die in seinem Schoß lagen.
„Ja, natürlich. Deshalb sind wir doch hier. Weil DU mich betrogen hast.“
„Ich dachte, du hättest mir den Ausrutscher verziehen.“ Andreas hob die Stimme und klang gereizt.
„Den Ausrutscher? Das Ganze ging doch mindestens ein halbes Jahr.“ Monika sprach nun ebenfalls lauter und ballte die Hände zu Fäusten. Ich konnte Wut in ihren Augen aufflammen sehen. Wut auf Andreas, der mit einer anderen Frau eine Affäre gehabt hatte, während sie zu Hause in die Röhre schaute.
„Ist die Beziehung zu dieser anderen Frau denn nun beendet?“ Ich sah mit Absicht Andreas an, der meinem Blick auswich, dann aber doch nickte.
„Und Sie, Monika, sind Sie gewillt, ihm diesen Fehler zu verzeihen?“
Monikas Unterlippe bebte. „Ich weiß es nicht“, flüsterte sie. „Ich würde es gerne … aber ich weiß nicht, ob ich das kann.“
„Ich schlage vor, Sie beide machen sich erst mal Gedanken darüber, ob Sie denn für eine Weiterführung Ihrer Ehe überhaupt noch bereit sind. Wir müssen wissen, ob das Ganze noch einen Sinn macht, bevor wir in die Therapie einsteigen und retten, was noch zu retten ist. Deshalb möchte ich, dass Sie bis zur nächsten Sitzung jeder eine Liste mit Pro und Contra schreiben, warum Sie Ihre Ehe retten wollen.“

Monika presste die Lippen aufeinander. „Gut“, sagte sie schließlich.
„Muss das denn sein?“ Andreas rollte mit den Augen.
„Ich muss wissen, ob es überhaupt die Mühe wert ist. Es bringt nichts, zu versuchen, etwas zu reparieren, das einen Totalschaden hat.“
Andreas seufzte. „Na, schön.“
„Gut, dann sehe ich Sie nächsten Montag zur gleichen Zeit, am gleichen Ort?“, witzelte ich.
„Gerne. Danke.“ Monika stand auf und nahm zögernd meine Hand, die ich ihr reichte. Ihre Finger waren kalt und klamm, wie ein toter Fisch. Andreas‘ Händedruck hingegen war fest und fast ein wenig zu kräftig.
„Wiedersehen“, sagte er und verließ den Raum. Monika folgte ihm langsam. An der Tür drehte sie sich noch einmal zu mir um und fragte: „Haben wir überhaupt noch eine Chance?“
Ich lächelte und zwinkerte ihr zu. „Glauben Sie mir, ich hatte schon schwierigere Fälle als Sie.“
Monika erwiderte mein Lächeln zaghaft. Dann verschwand sie aus der Tür und ich ließ mich seufzend in meinen Sessel fallen.


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Achtung!

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5 Kommentare

  1. Da hast du dich an ein schweres Thema gewagt. Mir gefällt jedoch deine Umsetzung! Madeleine gefällt mir als Charakter. Sie ist taff, (noch) positiv eingestellt und hat gute Ziele. So spannend man sich so eine Arbeit vorstellt, immer das Intimste von Menschen zu erfahren, was ja nicht immer etwas Schönes ist, kann einen selbst fertigmachen. Ich beineide diese Menschen nicht.

    Diesen kurzen Text könnte ich mir sehr gut in einem Buch vorstellen. Er liest sich sehr flüssig. Ich hätte noch Korrekturvorschläge:
    1. Abschnitt: Ich denke, da fehlt das Wort „nicht“. Madeleine will bestimmt NICHT klein beigeben, oder? ;-)

    Ich hatte mich für die PLASTIKFLASCHE entschieden.

    Wünsche dir einen guten Start in die Woche,
    glG vom monerl

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Monerl,
      wow, das freut mich echt, dass dir die Geschichte so gut gefällt. Sie ist ja sehr spontan entstanden, ich wusste am Anfang noch nicht, wohin sie mich trägt und sonderlich überarbeitet ist sie auch nicht. Trotzdem bin ich zufrieden damit und freue mich, dass andere sie auch mögen.

      Oh ja, da hast du recht, da ist mir ein „nicht“ abhanden gekommen. :D Danke für den Hinweis, hab’s korrigiert.

      Ich schaue gleich mal bei dir vorbei.

      Liebste Grüße und dir ebenfalls einen guten Wochenstart.
      Deine Emma

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  2. Hey Emma,
    sehr einfühlsam beschrieben. So ein intimer Moment ist gar nicht einfach einzufangen (deswegen drücke ich mich glaube ich vor dem Thema bis zum Schluss), aber ich finde es ist dir gelungen. Madeleine ist irgendwie faszinierend und ich finde es gut, dass du den Fokus mehr auf sie, als auf das Paar gelegt hast.
    Grüße, Katharina.

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Katharina,

      danke, das freut mich, dass dich mein Text überzeugen konnte. Und ja, es ist nicht leicht über intime Themen zu schreiben. Du musst es ja nicht nehmen, wenn du nicht möchtest. ;)

      Liebste Grüße
      Emma

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