#WritingFriday #12: Offene Beziehung

Huhu!

Heute bin ich wieder beim #WritingFriday der lieben Elizzy dabei. Sie gibt uns immer freitags Schreibthemen an die Hand, über die wir einen kreativen Text verfassen dürfen.

Die Themen für April sind folgende:

  • Du hast gerade deinen ersten Arbeitstag als Assistenzarzt im Krankenhaus. Beschreibe einer Freundin ein besonders verstörendes Erlebnis.
  • Bei einem grossen Familienfest erfährst du, dass deine Grosseltern bereits seit vielen Jahren in einer offenen Beziehung leben. Schreib die Szene auf, die sich nach diesem Geständnis ergibt.
  • Verfasse einen Dankesbrief an den Erfinder von Zahnpasta.
  • Eine Frau verwählt sich und landet bei einem fremden Mann. Unerwartet beenden sie das Gespräch aber mit einer Verabredung. Schreibe das Telefonat dazu auf.
  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz; „Damit hatte Lukas nicht gerechnet, als er sah wie…“ beginnt.

writing friday

Bei einem grossen Familienfest erfährst du, dass deine Grosseltern bereits seit vielen Jahren in einer offenen Beziehung leben. Schreib die Szene auf, die sich nach diesem Geständnis ergibt.

„Eine offene Beziehung?“ Mein Vater schluckte laut hörbar. Ihm war alle Farbe aus dem Gesicht gewichen und seine Augen waren so groß wie Untertassen. „Heißt das, ihr habt Affären mit … anderen Menschen?“
„Richtig.“ Oma Grete nickte und musste beim Anblick meines verstörten Vaters schmunzeln. „Wir haben Sex mit wechselnden Partnern.“
Mein Vater zuckte zusammen. „So genau wollte ich das gar nicht wissen.“
„Ach komm schon, Roland. Wir wollen eben auch noch ein bisschen das Leben genießen und Spaß haben.“ Meine Großmutter knuffte Papa in die Seite.
„Es kommt trotzdem sehr überraschend“, mischte sich meine Mutter ein. „Damit hätten wir im Leben nicht gerechnet.“

Nein, ganz sicher nicht. Aber es war nun mal so. Meine Großeltern führten eine offene Beziehung, seit ihre Kinder aus dem Haus waren. Eigentlich gönnte ich es ihnen, auch wenn es irgendwie komisch war. Man erwartete so etwas einfach nicht.

Mein Großvater meldete sich zu Wort: „Als ihr Kinder verheiratet wart und eigene Familien gegründet habt, ging es mit unserer Beziehung bergab. Wir langweilten uns und es gab einfach keine Höhepunkte mehr in unserem Leben – im wahrsten Sinne des Wortes.“ Er grinste, ehe er fortfuhr: „Grete kam schließlich auf die Idee mit der offenen Beziehung. Das brachte wieder Pepp in unser Leben.“ Er lachte laut und mein Vater verzog das Gesicht, als wüsste er nicht, ob er weinen oder mitlachen sollte.

„Was sagst du dazu, Kirsten?“, fragte mich Oma Grete. „Du hast zu dem ganzen Thema ja noch gar nichts gesagt.“
„Meinetwegen könnt ihr machen was ihr wollt. Ihr seid erwachsen und lebt in einem freien Land. Wenn ihr das so handhaben wollt, dann ist das okay für mich.“ Ich zuckte mit den Achseln.
Meine Großeltern lächelten mich dankbar an. „Seht ihr, unsere Enkelin versteht uns“, sagte Opa Hans und warf meinen Eltern einen vorwurfsvollen Blick zu.
„Ich muss das erst mal verdauen.“ Mein Vater seufzte und fuhr sich durchs Haar. Das tat er immer, wenn er nicht weiter wusste.
„Ich kann euch ja mal bei Gelegenheit meinen zweiten Sexualpartner vorstellen. Er heißt Fritz und ist seit fünf Jahren Witwer.“ Meine Großmutter kicherte über das entsetze Gesicht meines Vaters.
„Ich … weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist“, stammelte er.
„Fritz ist ein herzensguter Mensch. Ihr werdet ihn mögen.“ Oma Grete schien sich ihrer Sache sicher zu sein.
„Ich habe ihn auch schon kennengelernt“, sagte Opa Hans. „Er ist wirklich ein sehr anständiger Mensch.“
„Na dann …“ Meine Mutter bemühte sich um ein Lächeln.

„Ich möchte ihn gerne kennenlernen“, sagte ich und erntete ein erfreutes Lächeln meiner Großmutter. Eignetlich war die Sache doch gar nicht so schlimm. Zwar wollte ich mir nicht meine Großeltern beim Sex vorstellen, aber wenn es sie glücklich machte, warum sollten sie dann nicht diese Art der Beziehung leben? Nur weil meine Eltern so verkniffen waren? Nein! Meine Großeltern hatten ein Recht auf freie Liebe. Ich schätzte ihre Offenheit und Ehrlichkeit sich selbst und uns gegenüber sehr.

Ich hob mein Glas und rief: „Auf die Freiheit der Liebe!“
Meine Großeltern taten es mir nach und stießen mit mir an. Zögerlich hoben auch meine Eltern ihre Gläser. Andere Verwandte, die das Gespräch nicht mitbekommen hatten, sahen uns neugierig an. Ich lächelte nur, denn ich wusste, dass ich meine Großeltern über alles liebte, egal, wie sie es mit ihrer Beziehung handhabten.

 

5 Kommentare

  1. Hahaha – ja witzig geschrieben – also das akzeptieren der offenen Beziehung ist eins – aber den anderen Partner noch kennen lernen – puh – da hätte ich vielleicht auch Probleme – mal sehen wie ich das löse. Hihihi

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