#WritingFriday #9: Perspektive eines Obdachlosen

Hallo zusammen,

sorry, dass mein Beitrag erst jetzt online geht. Ich habe Probleme mit meinem Laptop, die ich bisher noch immer nicht behoben habe. Ärgerlich, da ich das Gerät erst seit ein paar Monaten habe.

Doch darum soll es jetzt nicht gehen. Die liebe Elizzy von Read Books And Fall In Love hat uns wieder Themen vorgegeben, über die wir im März schreiben dürfen.

Aus folgenden Themen dürfen wir auswählen:

  • Ferdinand Friedrich läuft im Jahr 2073 über die Frankfurter Buchmesse und schreibt von dort seiner Frau Martha eine Postkarte
  • Du lebst als Obdachloser auf der Strasse. Beschreibe deinen Blick auf die Menschen, die vorbeigehen.
  • Beschreibe Gesicht und Gestik eines Menschen, den du liebst.
  • Schreibe den Anfang einer Geschichte, die mit dem Satz beginnt: Natürlich hätte man längst wissen können, dass Maja nicht die Wahrheit sagte.
  • Schreibe eine Liebeserklärung an dein erstes Fahrrad / Auto.

writing friday

Heute wähle ich das Thema: „Du lebst als Obdachloser auf der Strasse. Beschreibe deinen Blick auf die Menschen, die vorbeigehen.“

Wie jeden Tag sitze ich an meiner Ecke und habe die löchrige und fleckige Wolldecke um mich geschlungen. Es ist kalt und meine Finger sind schon ganz steif gefroren. Ich beobachte die Menschen, die vorbeieilen. Suchende auf der Jagd nach Weihnachtsgeschenken.

Mir fallen ein paar Zeilen ein, die die Beatles vor langer Zeit gesungen hatten: „All the lonely people, where do they all come from? All the lonely people, where do they all belong?“

Manche Leute sind mit riesigen Einkaufstaschen bepackt, andere tragen lediglich ein Tütchen gebrannter Mandeln oder Magenbrot mit sich, die sie auf dem Weihnachtsmarkt erstanden hatten. Sie hasten und plappern in fröhlicher Weihnachtsstimmung vor sich hin. Ich wünsche mir, dass ich auch mal wieder Weihnachten in einer warmen Stube verbringen könnte. Ich werde zum Weihnachtsbaum vor dem Rathaus gehen, um wenigstens ein bisschen Weihnachtsstimmung zu erleben. Aber Geschenke werden keine darunter liegen. Dabei würde ich mir gar nicht viel wünschen.

Ich empfinde Neid für die Menschen, die vorüber gehen. Wenigstens sind sie um diese Jahreszeit ein wenig spendabler und so landet der eine oder andere Euro in meinem schmutzigen Pappbecher, den ich vor mich gestellt habe. Vielleicht würde es wenigstens für ein süßes Gebäck in der Bäckerei reichen. Oder für eine Pulle Schnaps, der würde mich von innen heraus wärmen und ich würde das Leid auf der Straße nicht mehr ganz so heftig mitbekommen.

Ein Mädchen, vielleicht um die zehn Jahre alt, nähert sich mir und schaut mich mit den blausten Augen an, die ich jemals gesehen habe. „Hast du Hunger?“, fragt sie mich.
Ich nicke. „Und wie! Ich habe den ganzen Tag noch nichts zwischen die Zähne bekommen.“
Das Mädchen öffnet ihre Umhängetasche und zieht eine grünes Papiertütchen heraus. „Hier, das kannst du haben.“
Ungläubig greife ich nach der Tüte und schaue hinein.
„Gebrannte Erdnüsse.“ Das Mädchen lächelt mich an. „Sie sind noch warm.“
„D-danke“, stammle ich.
„Gerne!“ Das Mädchen zwinkert mir zu. „Fröhliche Weihnachten.“
„Fröhliche Weihnachten“, rufe ich überschwänglich und schiebe mir eine Handvoll Nüsse in den Mund. Sie zergehen auf der Zunge und mein ganzer Körper wird von einer lieblichen Wärme durchflutet.

Vielleicht, denke ich mir, gibt es auf dieser Welt doch noch so etwas wie Menschlichkeit.

 

7 Kommentare

  1. Hallöchen!
    Ein sehr schöner Text, der mich für einen Moment die frühlingshaften Temperaturen vergessen ließ, die aktuell glücklicherweise herrschen. Ich hoffe, es gibt se wirklich, diese kleinen Mädchen, die keine Scheu vor fremden Menschen haben und ihnen ihre Erdnüsse anbieten. :)

    Liebe Grüße!
    Gabriela

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  2. Ein schöner Text, denn man sich zu Herzen nehmen sollte. Dabei fällt mir wieder auf, wie viel leichter Kinder in so einer Situation reagieren als so manch Erwachsener. Wir können noch viel von den Kids lernen :D

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