Polyamorie – Mehrfach verliebt

Letztes Update: 21.06.2021

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Sie ist heftig umstritten und doch hat sie ihre Daseinsberechtigung: die Polyamorie, auch Vielliebe genannt. Menschen, die diese Beziehungsform praktizieren, ernten oft Kopfschütteln und Unverständnis. Mehrere Menschen lieben? Ist das überhaupt möglich?

Ich persönlich halte die Polyamorie für ein sehr spannendes Beziehungsmodell und könnte mir vorstellen, dass sie in der Zukunft unser Liebesleben revolutioniert.

In diesem Artikel erfährst du

  • was Polyamorie überhaupt ist
  • warum Polyamorie dein Leben bereichern kann
  • warum Polyamorie Beziehungen retten kann
  • welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen, damit Polyamorie funktioniert
  • ob Polyamorie auch etwas für dich sein könnte
polyamorie

Was ist Polyamorie?

Polyamorie ist ein Beziehungsmodell, bei dem Menschen mehrere Liebesbeziehungen eingehen. Das Wort Polyamorie setzt sich aus dem griechischen Begriff „poly“ = „viel“ und dem lateinischen Wort „amor“ = „Liebe“ zusammen. Im Gegensatz zur „offenen Beziehung“ dreht sich die Polyamorie nicht nur um Sex, sondern in erster Linie auch um romantische Liebe. Polyamore wissen von den anderen Beziehungen ihrer Partner*innen und sind damit einverstanden.

Die Polyamorie-Flagge sieht so aus:

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Wenn die Verliebtheit nachlässt

Beziehungen sind mitunter ganz schön tricky.

Am Anfang ist man wahnsinnig verliebt, tanzt mit Schmetterlingen im Bauch durch die Gegend und kann an nichts anderes mehr denken, als den neuen Partner oder die neue Partnerin. Doch über die Jahre flachen die euphorischen Gefühle ab. Man erkennt immer mehr Macken und Schwächen des anderen, sieht ihn oder sie ohne die rosarote Brille und es kommt häufiger zu Streitereien.

Ideal ist es, wenn sich die anfängliche Verliebtheit dann in eine tiefe, innige Liebe verwandelt und wir trotz abgesetzter rosaroter Brille den anderen begehren. Wir gehen gemeinsam durch Höhen und Tiefen und nichts und niemand kann uns auseinander bringen. Wer solch eine Beziehung führt, ist zu beneiden und kann hier aufhören zu lesen.

In einem anderen Fall sind wir mit der Beziehung so unzufrieden, dass wir uns „entlieben“ und die Beziehung (hoffentlich) beenden. Auch, wenn solch eine Trennung schmerzhaft sein kann, ist es fair der anderen Person gegenüber, einen klaren Schlussstrich zu ziehen.

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Beziehungsstatus: kompliziert

Schwierig wird es, wenn man den anderen zwar sehr liebt, aber in der Beziehung etwas vermisst oder – was noch tragischer ist – sich in eine weitere Person verliebt. (Ja, es ist möglich, mehrere Menschen gleichzeitig zu lieben.)

Die Gefahr, dass es in solchen Beziehungen zu heimlichen Affären, Seitensprüngen oder gar Trennungen kommt, obwohl man sich noch liebt, ist groß. Die Frage ist: Muss das sein? Oder geht es auch anders?

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Polyamorie als Chance

Monogamie (Beziehung mit einem Partner bzw. einer Partnerin) ist in unserer westlichen Gesellschaft Standard. Ehen mit mehreren Partnern oder Partnerinnen sind in Deutschland sogar verboten. Die Regel: Liebe einen Menschen und sei ihm treu.

Doch das ist nicht immer so einfach. Denn die Wahrheit ist: Liebe hält sich nicht an Regeln.

Liebe ist ein Geschenk

Liebe ist – neben Hass – das wohl stärkste Gefühl, das man empfinden kann. Mich zu verlieben betrachte ich als ein Geschenk, das mir vom Leben gemacht wird. Und in den meisten Fällen sehe ich nicht ein, warum wir dieses Geschenk ablehnen sollen. Ich sage, in den meisten Fällen, weil es natürlich auch Situationen gibt, in denen wir uns besser nicht verlieben sollten (Stockholm Syndrom, toxische Beziehungen, etc.).

Aber zurück zum Thema: Ich frage mich, warum wir uns nicht erlauben sollten, mehr als einen Menschen zu lieben. Und zwar ganz offen und ehrlich, ohne Geheimnistuerei oder Betrügereien. Wieso machen wir es uns selbst so schwer?

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Ich bin mir sicher, dass Polyamorie viele Paare glücklicher, zufriedener und erfüllter machen könnte, die sich zwar noch lieben, aber mit ihren Beziehungen unzufrieden sind. Eine Öffnung für weitere Partner oder Partnerinnen gäbe uns die Chance, Dinge auszuleben, die der andere uns nicht geben kann oder möchte. Außerdem lernen wir so neue Seiten an uns selbst kennen und finden möglicherweise Lösungen, langweilige Beziehungen wieder lebendiger zu gestalten.

Übrigens hat Polyamorie nichts mit Untreue zu tun. Man ist seinen Partner/innen gegenüber offen, kommuniziert Probleme und behandelt sich gegenseitig mit Würde und Respekt.

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„Mein Baby gehört zu mir!“

Noch ein positiver Nebeneffekt: Wenn das polyamore Beziehungsmodell sich etabliert, würden wir möglicherweise von unserem Besitzanspruch wegkommen, den viele in der Partnerschaft an den Tag legen.

Jedes Mal, wenn ich Dirty Dancing schaue und der Satz „Mein Baby gehört zu mir!“ fällt, möchte ich Patrick Swayze erwidern: „Nein, dein Baby gehört nur sich selbst.“ Ein Mensch kann von keinem anderen Menschen besessen werden. Auch nicht in einer Liebesbeziehung. Würde das jeder verinnerlichen, hätten wir weniger Feminizide und Partnerschaftsgewalt.

Voraussetzung für glückliche Vielliebe

Damit eine polyamore Beziehung funktionieren kann, sind zwei Dinge unumgänglich:

  1. Keine starke Eifersucht. Wenn wir zu starker Eifersucht neigen, dann funktioniert eine Vielliebe nicht. Starke Eifersucht ist oft Teil einer besitzergreifenden Liebe. Es ist wichtig, dass wir es unserem Partner bzw. unserer Partnerin gönnen können, dass er oder sie auch mit weiteren Personen glücklich liiert ist. (Ein bisschen Eifersucht ist aber normal.)
  2. Absolute Ehrlichkeit. Es absolut essenziell, dass wir unseren Partnern und Partnerinnen gegenüber offen und ehrlich sind. Natürlich hat man in jeder Partnerschaft Geheimnisse, die den/die andere/n Partner/in nichts angehen. Aber eine polyamore Beziehung funktioniert nur, wenn alle Beteiligten voneinander wissen und damit einverstanden sind.
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Auch was für dich?

Bevor man Polyamorie in Betracht zieht, ist es ratsam, einmal in sich selbst hineinzuhören und sich zu fragen, ob man diese beiden Punkte erfüllen kann. Ist dies nicht der Fall, dann ist eine polyamore Beziehung nicht die richtige Lösung. Die Polyamorie eignet sich nicht für jeden.

Vielleicht wehrst du dich anfangs gegen den Gedanken, weil er dir so „abnormal“ vorkommt. Oder weil du Angst vor dem Ungewöhnlichen hast. Aber bei näherer Betrachtung könntest du Gefallen daran finden.

Oder eben auch nicht.

Schlussgedanken

Unabhängig davon, ob jemand polyamor oder monogam ist, wünsche ich mir mehr Toleranz und Akzeptanz gegenüber dieser Beziehungsform. Polyamorie ist eine Möglichkeit, zwei oder mehr Menschen zu lieben, ohne dafür zu unehrlichen Mitteln greifen oder sich einer schmerzvollen Entscheidung stellen zu müssen.

Frei nach dem Motto: Lieben und lieben lassen.

Früher war es auch nicht vorstellbar, Patchworkfamilien oder „wilde Ehen“ zu führen – heute vollkommen gängige Beziehungsmodelle.

Was hältst du von Polyamorie? Könntest du dir vorstellen, Beziehungen zu mehr als einer Person gleichzeitig zu führen? Lass es mich in den Kommentaren wissen. 👇


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3 Kommentare

  1. Für mich persönlich wäre das keine Option. Du weißt ja, wo ich mich auf dem Spektrum sehe und da kann ich mir weder einen zweiten Partner für mich vorstellen noch kann ich mir vorstellen, meinen Partner zu teilen. Das ist… könnte ich für mich persönlich nicht.

    Aber: Für Menschen, für die das Konzept funktioniert, ist es eine Lösung. Wenn sie mit einem Partner nicht glücklich sind, mehrere Menschen gleichwertig lieben oder von mehreren gleichwertig geliebt werden… Wieso nicht? Ich bin da völlig vorurteilsfrei anderen Lebewesen gegenüber :). Hauptsache, sie sind glücklich.
    Und wie du es so schön formuliert hast: Es bleibt allen Seiten viel Frust und Leid erspart, wenn jeder Mensch so lieben kann, wie dieser Mensch es möchte. Mit keinem, einen oder eben mehreren Partnern.

    (Für mich existierte ja von vornherein nur die Option „keiner oder höchstens einer“, auch als ich mir dessen noch gar nicht bewusst war. Aber für Menschen, die sich irgendwann als polyamor begreifen und dann danach leben können, ist es vermutlich eine unglaubliche Befreiung.)

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Evanesca,

    entschuldige, dass ich erst jetzt antworte. Irgendwie hatte ich gedacht, ich hätte dir schon eine Antwort geschrieben, dabei hab ich’s voll verpeilt :P

    Ich gebe dir recht, es ist nicht für jeden etwas und ich kann nachvollziehen, dass diese Art der Beziehung nichts für dich wäre. Trotzdem finde ich es stark, dass du keine Vorurteile gegenüber anderen hast, die diese Beziehungsform leben (wollen).

    Ich persönlich müsste es mal ausprobieren, ich weiß nicht, ob es für mich eine Lösung wäre. Aber grundsätzlich vorstellen könnte ich es mir schon.

    Liebste Grüße
    Emma

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